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"Die Jugendlichen nehmen das sehr ernst"

Die Stimmabgabe für den neuen Kirchheimer Jugendrat läuft auf Hochtouren und das, obwohl offiziell erst übermorgen Wahltag ist: Die ganze Woche über konnten Jugendliche bereits ihr Wahlrecht nutzen und in den Kirchheimer Schulen zur Urne schreiten. Für Spannung sorgt vor allem die Frage, welche Kandidaten das Rennen machen. Dass der Jugendrat zustande kommt, steht indes schon fest.

BIANCA LÜTZ

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KIRCHHEIM "Wahlraum" prangt auf dem Schild neben dem Klassenzimmer im Erdgeschoss. Anlässlich der Jugendratswahl hat die Teck-Realschule ebenso wie andere Schulen in Kirchheim auch ein echtes "Wahllokal" eingerichtet: Einer nach dem anderen verschwinden die Schüler in den Wahlkabinen, füllen dort ihre gelben Stimmzettel aus und schreiten feierlich zur Urne. "Die Jugendlichen nehmen das sehr ernst", weiß Koordinationslehrer Karl-Heinz Buck. "Das erste Mal zur Wahl zu gehen ist für viele hier etwas ganz Besonderes und Aufregendes."

Vor rund einem halben Jahr hatte der Kirchheimer Gemeinderat beschlossen, junge Leute in Form eines Jugendrats wieder kommunalpolitisch zu beteiligen. 1993 war in der Teckstadt erstmals ein Jugendgemeinderat gewählt worden, der jedoch zehn Jahre später an mangelnder Wahlbeteiligung scheiterte. Ein solcher Rückschlag ist dieses Mal nicht zu befürchten: Die erforderliche Mindestzahl von 24 Bewerbern ist mit 29 sogar überschritten, die Wahlbeteiligung dagegen spielt keine Rolle mehr.

Dabei sind Lehrer und Wahlamt mit der Resonanz an den Schulen bislang äußerst zufrieden. Manfred Machoczek, der als Verbindungslehrer die Wahl am Schlossgymnasium organisiert hat, schätzt: "98 Prozent Wahlbeteiligung". Auch Karl-Heinz Buck hat den Eindruck, dass die meisten Berechtigten an der Teck-Realschule ihre Kreuzchen gemacht haben.

Genaue Zahlen kann der Kirchheimer Wahlamtsleiter Jochen Schilling noch nicht nennen, aber auch er ist sich sicher: "Die Wahlbeteiligung ist höher als früher." Bei einem ersten Blick in die Wählerverzeichnisse stellte er fest, dass an einigen Schulen tatsächlich 80 oder 90 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben haben.

Seiner Ansicht nach liegt das vor allem daran, dass klassenweise gewählt wird und so kaum einer durchs Raster fällt. Außerdem sind die Schulen noch stärker eingebunden als früher. Zwar gab es es auch schon zu Jugendgemeinderatszeiten eine "rollierende" Urne, die von Schule zu Schule wanderte. Dieses Mal aber steht in der Vorwoche jeder der zwölf Kirchheimer Schulen ein eigener Stimmzettelbehälter zur Verfügung. Für die Organisation sind ausgewählte Lehrer zuständig. Die Erfahrungen mit diesem System sind bislang gut: "Es klappt alles reibungslos", lobt Jochen Schilling.

Wie viele Jugendliche alles in allem wahlberechtigt sind, lässt sich vorab nicht exakt bestimmen. Der Grund dafür ist, dass zum einen alle Jugendlichen wählen dürfen, die in Kirchheim wohnen und mindestens 13 und noch nicht 19 Jahre alt sind. Zum anderen sind aber auch alle jungen Männer und Frauen dieser Altersgruppe gefragt, die eine Kirchheimer Schule besuchen, aber nicht in der Teckstadt wohnen. "An den Kirchheimer Schulen gibt es 4 135 Wahlberechtigte", nennt Jochen Schilling eine Zahl. Den kleinsten "Wahlbezirk" bildet die Grund- und Hauptschule Jesingen mit 68 Wahlberechtigten, den größten stellt das Ludwig-Uhland-Gymnasium mit 878 potenziellen Wählern. Die Urnen landen allesamt bei Jochen Schilling, der gestern Abend schon sieben der zwölf Behälter zurückbekommen hatte.

Am offiziellen Wahlsonntag, 21. Januar, kommt die 13. Urne zum Einsatz: Alle wahlberechtigten Jugendlichen, die bis dato noch keinen Stimmzettel ausgefüllt haben, können von 14 bis 18 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses ihre Kreuzchen machen. Wichtig ist, dass sie einen Ausweis mitbringen.

Ab 18 Uhr geht es an die Auszählung. Mit einem aussagekräftigen Ergebnis rechnet Jochen Schilling gegen 21 Uhr. Am Montag wird offiziell bekannt gegeben, wer von den 29 Kandidatinnen und Kandidaten einen der 16 Sitze im künftigen Jugendrat ergattert hat. Fest steht, dass jede Schulart mit mindestens einem Sitz vertreten sein wird. Die restlichen Plätze werden nach Mehrheiten vergeben.

"Im März kann der Jugendrat seine Arbeit aufnehmen", informiert Herbert Müller vom Kirchheimer Amt für Familie und Soziales. Der künftige Jugendrat, dessen Amtszeit zwei Jahre beträgt, soll als Bindeglied zwischen Jugend, Gemeinderat und Verwaltung dienen. Herbert Müller hält es zudem für wichtig, dass die Mandatsträger relevante Themen in die Schulen hineintragen und dort weitere Jugendliche zu Engagement ermutigen.

Dass sie aufgerufen sind, einen Jugendrat zu wählen, beurteilen die meisten jungen Leute positiv, wie eine Umfrage einiger Kandidaten unter Schülern des Schlossgymnasiums ergab: "Wählen und Mitbestimmen ist das Wichtigste im demokratischen Staat", betont zum Beispiel der 18-jährige Kai. "Ich finde es gut, dass ich auch Einfluss auf die Politik von Kirchheim nehmen kann", sagt der 15-jährige Luca. Moritz, 16 Jahre alt, lobt das Vorgehen bei der Wahl: "Ich finde es gut, dass ich in der Schule wählen kann ins Rathaus würde ich wohl nicht gehen."

Der 16-jährige Tim spricht zudem aus, was wohl den meisten Beteiligten am Herzen liegt: "Ich hoffe, dass sich die Jugendräte mit ihrer Politik auch durchsetzen können und es was für uns Jugendliche bringt."

INFODie Stadt Kirchheim veröffentlicht die Ergebnisse der Jugendratswahl am Sonntagabend auf ihrer Homepage www.kirchheim-teck.de unter "Aktuelles" sowie am Rathaus.