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"Die Kaffeewende ist möglich"

Kaffee ist nach Erdöl global das wichtigste Handelsgut. Fair gehandelter Kaffee hat insofern eine erhebliche entwicklungspolitische Bedeutung. Dies betonten Vertreter von Kirche und Entwicklungsorganisationen bei der Eröffnungsveranstaltung der "Fairen Woche" am Montag in der Evangelischen Akademie Bad Boll.

BOLL Akademie-Direktor Joachim L. Beck begrüßte die Veranstaltungsteilnehmer bei Kaffee und Kuchen im Cafe Heuss und wies darauf hin, dass in der Evangelischen Akademie Bad Boll ausschließlich GEPA-Kaffee aus fairem Handel ausgeschenkt wird. "Die alltäglichen Dinge anders gestalten, den Konsum verändern und damit einen kleinen Beitrag leisten, um die Lebensverhältnisse gerechter zu gestalten", dies ist, so Beck, die Absicht des "fairen Kaffeeausschanks". Zugleich wolle die Akademie damit demonstrieren, dass sich auch Großhaushalte mit viel Publikumsverkehr auf die Verwendung von fair gehandeltem Kaffee umstellen lassen: "Die Kaffeewende ist möglich."

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Insgesamt werden in der Akademie jährlich etwa 850 Kilo Kaffee verbraucht. Ingrid Hess, Hauswirtschaftsleiterin der Akademie, rechnete vor, dass pro Tagungsgast und Verpflegungstag 35 Cent für den Kaffee-Konsum veranschlagt werden. "Ein anderer Kaffee guter Qualität wäre höchstens 20 Prozent, oder sieben Cent pro Tag und Gast billiger", sagte Hess. "Das ist uns die Sache wert."

In der Evangelischen Akademie Bad Boll wird seit März 1994 GEPA-Kaffee ausgeschenkt. Die Akademiemitarbeiter hatten damals fast vollzählig in einer Umfrage ihre Bereitschaft signalisiert, pro Tasse zehn Cent mehr zu bezahlen. "Für uns war das damals eine logische Erweiterung unserer ökologischen Küchenkonzeption", erklärte Hauswirtschaftsleiterin Ingrid Hess. Nachdem der Akademie-Verpflegungsalltag bereits auf wenig Fleisch, Produkte aus biologischer Erzeugung, saisonale orientierte Speisepläne und regionalen Einkauf ausgerichtet war, bildete der fair gehandelter Kaffee eine weitere Säule im Nachhaltigkeitsmanagement. Auchdie Tagungsgäste haben, so Ingrid Hess, überwiegend positiv reagiert.

Im Laufe der Zeit sind von der Akademie weitere Produkte aus fairem Handel übernommen worden, unter anderem Bananen, Quinoa oder Schokolade. Nach Auskunft von Hauswirtschaftsleiterin Hess wurden im letzten Jahr allein 15 000 Teebeutel sowie 20 Kilo offener Tee aus fairem Handel gekauft. Insgesamt würden acht Prozent des Lebensmitteletats der Akademie für fair gehandelte Produkte ausgegeben. Die Faire Woche ist eine bundesweite Aktionswoche. Insgesamt sind über 1000 Veranstaltungen von Weltläden, Aktionsgruppen, Supermärkten, Kantinen und Einzelpersonen geplant, mit dem Ziel, dem Fairen Handel in Deutschland mehr Gehör zu verschaffen. Die Eröffnungsveranstaltung in Bad Boll fand statt unter Beteiligung von Brot für die Welt, dem Evangelischen Oberkirchenrat und dem Zentrum für Entwicklungsbezogene Bildung der Evangelischen Landeskirche Württemberg.

wu