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Die Königin der Savanne ist Wahlschwäbin

KIRCHHEIM / KARLSRUHE Der Besuch im Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe stimmt Elsa Hummel aus Kirchheim immer ein

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SIBYLLE KRANICHbisschen traurig. Denn zu einem Tierpräparat im Afrikasaal des Museums hat die Schwäbin ein ganz besonderes Verhältnis: Die liegende Löwin, die jetzt mit Ehrfurcht gebietendem Gesichtsausdruck stolz über ein erlegtes Warzenschwein wacht, sprang einst durch den heimischen Zwinger in Kirchheim. "Wenn ich die Cora da so sehe, denke ich, dass sie jetzt gleich aufstehen wird, um mich zu begrüßen", sagt Elsa Hummel mit wehmütiger Stimme.

Die Löwin Cora stammt aus Groß-Gerau. Den Schwarzen Kontinent hat sie in Wirklichkeit nie gesehen und auch ein majestätisches Männchen, wie das, das der Löwin jetzt zur Seite steht, ist der Großkatze zeitlebens nie begegnet. Und statt Warzenschweinen bevorzugte die verschmuste Löwin Babynahrung aus dem Gläschen. "Noch als ausgewachsenes Tier kam Cora sofort gesprungen, wenn sie das markante ,Klack' vom Öffnen des Gläschens vernahm", erinnert sich Elsa Hummel.

Cora, die Löwin, war das Lieblingshaustier von Elsa Hummels Bruder Herrmann. In einem Safaripark geboren, wurde das Löwen-Baby von seiner Mutter nicht angenommen. Herrmann Hummel, der sich schon lange ein solches Tier gewünscht hatte, erklärte sich bereit, das gerade mal 16 Wochen alte Löwenjunge bei sich aufzunehmen. "In meinem VW-Käfer sind wir 1976 zu dem Park gefahren, um Cora zu holen. Auf dem Rückweg tollte sie vergnügt im Auto herum", berichtet Elsa Hummel.

20 Jahre lang lebte die Löwin fortan in einem riesigen Zwinger im Garten von Herrmann Hummel in Kirchheimer Ortsrandlage. Eine Attraktion für die Nachbarn und Kinder der Umgebung, die die zutrauliche Löwin gerne und regelmäßig besuchten. Auch wenn Cora an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt war, ließ Herrmann Hummel die Großkatze niemals aus dem Zwinger. Er selbst allerdings konnte den Käftig, den Löwin Cora zeitlebens mit zwei Hunden teilte, jederzeit betreten.

"Das erste halbe Jahr schlief mein Bruder jede Nacht neben dem Tier in einer beheizten Holzhütte im Zwinger. Manchmal wachte er davon auf, dass Cora genüsslich an seinem Daumen nuckelte." Auch Elsa Hummel schmuste gern mit dem Tier. "Als es größer und kräftiger wurde, war das allerdings nicht mehr angenehm, denn von Coras Zuneigung bekam ich etliche blaue Flecken."

In dem für Löwen biblischen Alter von 20 Jahren verstarb Cora. "Das war eine schwere Zeit für uns alle, vor allem aber für meinen Bruder", erinnert sich Elsa Hummel traurig. Der damalige Tierarzt der Wilhelma, Bruder des Museumsleiters in Karlsruhe, konnte Herrmann Hummel dazu überreden, das Tier zu präparieren und es dem Staatlichen Museum für Naturkunde zu überlassen. "Einmal besuchte mein Bruder das Museum, was ihn aber betrübte", sagt Elsa Hummel. Auch Coras ehemaliger Besitzer ist in der Zwischenzeit gestorben.

Kürzlich hat die Kirchheimerin die Reise nach Karlsruhe noch einmal angetreten. Als erste Spenderin hat sie sich bereit erklärt, die Patenschaft für ein Tier des Museums zu übernehmen. Klar, dass ihre Wahl da auf die Löwin Cora fallen musste. Mit der Vergabe von Patenschaften geht das Naturkundemuseum in Karlsruhe neue Wege. "Wir wünschen uns noch viele Paten", sagt Museumsleiter Volkmar Wirth. Interessenten können sich ein "Patenkind" aussuchen.