Lokales

Die Kunst des Kreises

Antrittsausstellung der Stipendiaten des Landkreises im Kulturpark Dettinger

Plochingen. Vor acht Monaten haben die Stipendiaten des Landkreises Esslingen, Jeanette Knieriemen, Jens Bogner, Thomas Rissler und Markus Fauser, ihre Ateliers im Plochinger Kulturpark Dettinger bezogen. Inzwischen haben sie sich eingerichtet

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elke eberle

und ein wenig kennengelernt. Jetzt zeigen sie ihr erstes Gemeinschaftswerk: ihre Antrittsausstellung in der Steingießerei. Eröffnet wurde die Ausstellung von Landrat Heinz Eininger.Der Landkreis hat es sich zur Aufgaben gemacht, Bildende Kunst zu fördern. Er sammelt Kunst, organisiert Ausstellungen und vergibt seit 1992 das drei Jahre währende Atelierstipendium im Kulturpark Dettinger. Alle Stipendiaten waren und sind mit dem Landkreis Esslingen verbunden. Drei Jahre stehen den vier Stipendiaten nun die Ateliers zur Verfügung, außerdem werden Ausstellungen organisiert und Kataloge erarbeitet, Jeanette Knieriemen arbeitet, auf der Suche nach Wesentlichem und Archaischem, häufig mit Asche aus ihrem Ofen. Das außergewöhnliche Material steht als Sinnbild für den Kreislauf des Lebens, das Werden und Vergehen, für Kontinuität und Brüche, für Geheimnisvolles und Offensichtliches. In ihren großformatigen Bildern untersucht sie den Moment ebenso wie ganze Lebensphasen. Sie studierte von 1992 bis 1995 an der Freien Kunstschule Nürtingen Malerei und Grafik und lebt in Esslingen. In der Ausstellung zu sehen ist unter anderem ihr jüngst entstandenes, großformatiges Bilderpaar „Dunkler Kreis“ und „Aschekreis“. Schicht um Schicht nähert sie sich der perfektesten aller Formen an und zeigt in dem Gegensatzpaar die Ambivalenz unterschiedlicher Sichtweisen.

Der Endlichkeit und Entwicklungsfähigkeit von Bildern spürt Jens Bogner nach. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und lebt in Esslingen. Zu sehen sind unter anderem zwei seiner „Aquarellkästen“. Großformatig legt sich einer von ihnen in den Weg der Betrachter. Ihre Ausdruckskraft und Prägnanz entwickelt sich nicht aus der Perfektion der Unversehrtheit, sondern in einem Prozess außerhalb des Ateliers. Bogner setzt seine Bilder Regen und Kälte aus und wird zum Koproduzenten, der in seine Landschaften die Landschaft selbst integriert.

Marcus Fauser studierte an der Akademie in Stuttgart. Er lebt in Berlin und für die Zeit des Stipendiums auch wieder in Deizisau. Seine Installation rund um „liquid influence“ ist lediglich ein Hinweis auf ein Jahr Arbeit, seine eigentlichen Bilder sind nicht zu sehen. Fauser macht Erwartungen offenkundig und konterkariert sie, er macht die Plane, die während des Schaffensprozesses die Umgebung vor Farbe schützt, zum Bild, allein indem er sie auf einen Rahmen aufzieht. Sie ist Projektionsfläche für das Unsichtbare, das Streben nach Fortschritt und für das Scheitern auf der Suche nach Nähe und Wahrheit.

Thomas Rissler studierte an der Bremer Hochschule für Künste und lebt in Beuren. Er hat Fotos aus einem Familienalbum zu Holzschnitten verarbeitet und sie anschließend koloriert. Ein Mann und eine Frau liegen lachend im Gras, das Berghofidyll ist schmerzhaft präsent. Denn es ist kein gewöhnliches Familienalbum - einer der Hauptakteure ist Hitler. Rissler zeigt das Private, das Banale und das Alltägliche, die Unbeschwertheit und Hingabe an den Augenblick. Doch der Bruch macht sich nicht nur in den Schatten auf den Gesichtern bemerkbar, denn Rissler stellt gleichzeitig die Fähigkeit zur objektiven Wahrnehmung von Bildern und die Kritikfähigkeit der Betrachter zur Disposition.

Zu sehen ist die Ausstellung im Kulturpark Dettinger in Plochingen donnerstags von 18 bis 20 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Am Sonntag, 20. April, laden die Stipendiaten ab 14 Uhr zu Künstlergesprächen ein.