Lokales

Die Lust der Akteure am Singen war zu hören und zu sehen

Auf den Tag genau zum 99. Gründungstag der Liederlust Ohmden und damit zum Start in das Jubiläumsjahr zum 100. Geburtstag veranstaltete der Gesangverein Liederlust am 23. November ein Konzert in der Gemeindehalle.

OHMDEN Mit kleinen Sketchen von Ulrich Staehle inszeniert und mit Bildprojektionen von Hans-Günther Haußmann illustriert wurden Episoden aus der Vereinsgeschichte vorgestellt. So spielten Hans Harsch und Erwin Renz zwei Ohmdener Bauern, die beim Abgeben der Milch am Milchhäusle die Neugründung eines Gesangvereins im Jahre 1907 beschlossen. Ehrentraud Gölz und Brigitte Ernst verkörperten zwei "knitze" Bäuerinnen der Zwanzigerjahre, die bei der Feldarbeit die Idee hatten, einen gemischten Chor zu gründen. Heidi und Johann Steffl spielten die folgenschwere Begegnung zweier Mitglieder der Fischerchöre vor dem Salzburger Münster und Frank Zeller war ein überzeugender Vertreter der jungen Generation, die lieber im Internet surft, als sich einem Gesangverein anzuschließen.

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Die verschiedenen Etappen der Vereinsgeschichte wurden mit passenden Chorvorträgen musikalisch untermalt. So zeigte ein Männerchor, von Sängern und Chorleiter Bertram Schattel stilvoll in Gehrock und Zylinder vorgestellt, die Anfangszeit des Vereins auf. Passend ausgewählte und ausdrucksvoll gesungene Silcherlieder demonstrierten, wie man sich die Anfänge des Gesangvereins Liederlust vorstellen muss. "Wir sind die Könige der Welt" und "Entschuldigung" waren zwei in Bild und Ton authentisch vorgetragene Werke des Schnaiter Lehrersohnes und späteren Tübinger Musikdirektors Friedrich Silcher, der die junge Chorbewegung des 19. Jahrhunderts mit zeitgemäßer Chorliteratur versorgte, die auch heute noch gerne gesungen wird.

Lieder aus Berlin kennzeichneten die Gründung des ersten gemischten Chores in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Frisch vorgetragen, und von Ella Stückelmaier am Klavier meisterhaft begleitet, fanden Chöre von Walter Kollo, Gerhard Winkler und Peter Kreuder die Zustimmung im voll besetzten Auditorium. Dazu gehörte "Sag beim Abschied leise servus" ebenso, wie der schmissig gesungene "Frühling von Berlin".

Die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem 2. Weltkrieg, in der auch viele Gesangvereine sehr mitgliederstark waren und dies auch in großen Sängertreffen demonstrieren konnten, wurde mit kraftvollen Chorsätzen wie Beethovens "Ode an die Freude" und Gotthilf Fischers "Ein Gläschen gefüllt" sehr eindrücklich demonstriert. Zwei Brahms-Chöre ("Dort unten im Tale" und "Wach auf meins Herzen Schöne") machten ganz besonders die Leistungsfähigkeit des Chores deutlich, die in einem sehr sicheren und agogisch überzeugenden Chorvortrag ihren Niederschlag fand.

Im abschließenden Block mit Liedern aus Afrika, Nordamerika, Mexiko und Griechenland zeigte der Chor das breite Spektrum seines Könnens. Bei diesen jeweils in den Landessprachen gesungenen Chören war die Freude und die Lust der Sängerinnen und Sänger am Singen zu sehen und zu hören. Chorleiter Bertram Schattel gelang es an diesem Abend vorzüglich, das für jede Epoche der 100-jährigen Geschichte des Vereins Typische am Chorgesang herauszustellen. Dies gilt für die Liedauswahl wie für die musikalische Umsetzung. Er verstand es meisterhaft, den Chor zu führen und das Optimale aus ihm herauszuholen. Klangreinheit im Gesang, pointierte Aussprache und Betonung, aber auch angemessene rhythmische Bewegungen unterstrichen die Chorvorträge und fanden beim Publikum große Zustimmung. Ella Stückelmaier war eine umsichtige und einfühlsame Begleiterin am Klavier. Hans Herzinger führte durch das Programm und konnte in Auszügen aus den Protokollbüchern der Liederlust markante Etappen der Vereinsgeschichte vorstellen und erläutern.

Eine besonders sympathische Bereicherung des Programms war die Teilnahme der 4. Klasse der Grundschule Ohmden. Als wandernde und singende Ausflugsklasse des Jahres 1907 eröffnete sie die Jubiläumsveranstaltung und wirkte am spanisch gesungenen Schlusschor "Un poquito cantas, un poquito baillas", einem mexikanischen Volkslied, engagiert und sichtlich begeistert mit.

Anschließend wurden vom Vizepräsidenten des Karl-Pfaff-Gaues Wilhelm Braun einige Ehrungen vorgenommen. Für 50 Jahre Singen im Chor wurde Dieter Haußmann mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Chorverbandes geehrt. Heidi Steffl erhielt für 40 Jahre die silberne Ehrennadel des Schwäbischen Sängerbundes. Für 30 Jahre Singen im Chor wurden Lore Haug, Friedlinde Martsch, Margarete Stoll, Theresia und Eduard Hildebrandt, Lore und Hans Schmidt und Hans-Albert Harsch mit der Ehrennadel des Karl-Pfaff-Gaues belohnt. Alwin Richter wurde von Johann Steffl für 50-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt.

hh