Lokales

Die Macht des Wortes

"Worte sind Schall und Rauch", sagt man. Das stimmt leider allzu oft. Solche Erfahrungen machen skeptisch gegenüber Worten und hoch geschwungenen Reden, weil sie oft Hoffnungen wecken, die dann bitter enttäuscht werden.

Worte können aber auch eine unglaublich starke Wirkung haben. Wenige Worte zur rechten Zeit ausgesprochen können in tief gehender Weise aufbauen, Mut machen und versöhnen. Die ehrlich gemeinten Worte "Ich liebe dich!" können das Leben zweier Menschen grundlegend verändern. Hingegen als Waffe benutzt oder unüberlegt daher gesagt, können Worte in fataler Weise verletzen und Leben(-sentwürfe) zerstören. Daran wird deutlich, dass Worte eine äußerst folgenreiche Wirkung haben können.

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Von durchschlagender Wirkung von Worten geht der 31. Deutsche Evangelische Kirchentag aus, der vom 6. bis 10. Juni unter dem Motto "Lebendig und kräftig und schärfer" in Köln stattfindet. Dieser Leitsatz aus der Bibel (Hebräer 4,12) bezieht sich auf das Wort Gottes. Wörtlich heißt der Satz im Hebräerbrief: "Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens."

Dieser Satz kann einen in seiner Wucht und seinem Ernst erschrecken, denn hier wird nicht von dem "lieben" Gott gesprochen, sondern von Gott als dem, der Unrecht als Unrecht entlarvt, die Lüge trotz alles Schönredens als Lüge aufdeckt und der sich nicht abfindet mit dem, was wir aus eigenem Gutdünken mit unserer Welt und mit Menschen machen. Wie ein Arzt uns mit seinem scharfen Skalpell von einem bösen Auswuchs befreit, so will Gott mit seinem durchdringenden Wort Klarheit, Gerechtigkeit und Ordnung schaffen. Das kann weh tun, aber es ist im besten Fall ein heilender Schmerz.

Anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm hat es sich der Deutsche Evangelische Kirchentag zur Aufgabe gemacht, eine öffentliche Diskussion über eine sinnvolle Gestaltung der Globalisierung auszulösen, um die zerstörerischen Auswirkungen zu begrenzen und den Weg zu bereiten für eine Besinnung der Menschheit auf gemeinsame geistige Grundlagen.

Gott verspricht uns: "Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung." Diese Zusage gilt jedoch für alle Menschen, nicht nur für uns Christen im reichen Westen. Darum wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, den Mut, nach den Konsequenzen dieser Zusage zu fragen und den Kirchentag im Gebet zu unterstützen. Pfarrerin Anna-Christina Fischer Thomaskirchengemeinde