Lokales

Die Menschen müssen immer im Mittelpunkt stehen

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Schon während seiner Ausbildung hatte sich Roland Böhringer ganz besonders für den Bereich Soziales interessiert. Seit 27 Jahren ist er schon auf diesem Gebiet tätig und seit 25 Jahren Leiter des Sozialamtes und damit eines der großen und besonders publikumsintensiven städtischen Ämter. "Kein Tag ist wie der andere und man weiß nie, was auf einen zukommt", stellt Roland Böhringer fest, für dessen Verantwortungsbereich durch das Umsetzen von Hartz IV derzeit ganz besonders einschneidende Veränderungen anstehen.

Dass die aktuellen Reformen im Arbeitsmarkt- und Sozialrecht das Amt mit ganz besonderer Wucht treffen, ist Roland Böhringer und seinem Mitarbeiterstab bewusst. Im Lauf der Jahre sind es immer mehr Menschen geworden, die auf öffentliche Hilfe angewiesen. Für sie ist das Haus der Sozialen Dienste zur wichtigen Anlaufstelle geworden, an der vielfältige soziale Kompetenz unter einem gemeinsamen Dach angeboten wird.

Dass sich das Image des Sozialamtes über die Jahre deutlich gewandelt hat und die Behörde längst zum modernen Serviceanbieter und Dienstleister geworden ist, hebt Roland Böhringer deutlich hervor. Wichtig ist ihm, dass Ratsuchende hier stets eine offene Tür finden und "zumindest Auskunft und Wegweisung erhalten". Die vielzitierte Hilfe zur Selbsthilfe spielt hier eine wichtige Rolle und dass die Menschen mit ihren Anliegen und individuellen Lebenssituationen stets im Mittelpunkt stehen, muss für alle im Team eine Selbstverständlichkeit sein.

Dass der soziale Bereich zu den Wachstumsbranchen zählt und das Sozialamt immer wieder durch gesellschaftliche Veränderungen und Umbrüche in seinen Aufgabenstellungen maßgeblich beeinflusst wurde und wird, macht Roland Böhringer mit entsprechenden Beispielen deutlich. Änderungen im Rentenrecht, im Bereich der Pflege, die Flut von Asylbewerbern, der Andrang von Übersiedlern aus der ehemaligen DDR oder auch die Zuwanderungswelle der Spätaussiedler immer wieder musste das Sozialamt große Herausforderungen schultern. Es versteht sich von selbst, dass dies nur mit einem kompetenten und tatkräftigen Mitarbeiterstab bewältigt werden kann und dass hohe Motivation und Einsatzbereitschaft daher auch wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Tätigkeit sind.

Der Aufgabenbereich des Sozialamtes deckt das Feld von Lebenssituationen in seiner ganzen Breite ab. Als eine der Grundsäulen des kommunalen Bürgerservices sieht Roland Böhringer die Rentenstelle an, in der die Menschen dabei unterstützt werden, ihre durch Arbeit erwirtschafteten Ansprüche geltend zu machen, um im Alter oder bei Erwerbsminderung dennoch ausreichend wirtschaftlich versorgt zu sein. Die Wohngeldstelle hilft Menschen weiter, die auf Grund ihres Einkommens und ihrer Belastungen für die Wohnung auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Ein weiteres wichtiges Thema ist auch die Grundsicherung im Alter. Völlig gewandelt hat sich über die Jahre die Aufgabenstellung im Bereich Sozialhilfe, wo neben der städtischen Tätigkeit auch Delegationsaufgaben des Landkreises erledigt werden. Fünf der derzeit insgesamt 29 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des städtischen Sozialamtes gehören daher der Verwaltung des Landkreises an. Menschen aus allen Schichten und allen beruflichen und gesellschaftlichen Lebensverhältnissen gehören zur Klientel. Jeder Hilfesuchende ist dabei eine neue He-rausforderung für die Mitarbeiter, denn kein individuelles Schicksal ist mit einem anderen vergleichbar. Immer gilt es aufs Neue, die Menschen ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören, sie zu verstehen und mit ihnen gemeinsam nach individuellen Lösungswegen zu suchen.

Der Soziale Dienst Kirchheim (SDK) spielt bei dieser Hilfe, die nicht auf Sozialhilfeempfänger begrenzt ist, eine wichtige Rolle. Menschen in persönlichen Notlagen dabei zu unterstützen, möglichst aus eigener Kraft wieder einen Weg aus der Krise zu finden, ist ein schwieriger Bereich, bei dem auch die Kompetenz von Fachdiensten mit einbezogen ist. Seit 1999 arbeiten Sozialer Dienst und Jugendamt in einem Dienst zusammen, wobei sowohl städtische als auch Landkreismitarbeiter für ihren jeweiligen Stadtbezirk dieselben Aufgaben wahrnehmen. Als beispielhaftes Modell hat sich der Soziale Dienst Kirchheim dabei mit seiner Hilfe aus einer Hand bei gleichzeitiger gemeinwesenorientierter Arbeit zu einem idealen Unterstützungsangebot entwickelt.

Neben der Hilfe zur Selbsthilfe ist präventive Arbeit von großer Bedeutung. Der Schulsozial- und der Gemeinwesenarbeit kommt ein sehr hoher Stellenwert zu wenn es darum geht, Lebensverhältnisse zu beobachten, Ursachen von Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Lösungen für Veränderungen zu entwickeln. Um im Rahmen der ungemein wichtigen Sozialplanung sinnvolle Handlungsleitlinien zu erarbeiten, ist eine Beteiligung der Betroffenen unerlässlich für die erforderliche Lebensnähe und für Impulse zur Umsetzung schon während des Planungsprozesses.

Roland Böhringer sieht das Sozialamt als Netzwerker im Blick auf das Schaffen sozialer Strukturen und zugleich auch als Frühwarnsystem für die Politik an. Den Blick auf das Ganze zu richten, ohne den Bezug zu den einzelnen Menschen zu vernachlässigen, ist dabei die zu bewältigende schwierige Herausforderung.

Sozialamtsleiter Roland Böhringer (Bildmitte), Stellvertreter Herbert Müller und Heike Kunz, Leiterin des Sozialen Dienstes Kirchheim, sind stolz darauf, im Team Kompetenz unter einem Dach anbieten zu können.

Foto: Jean-Luc Jacques