Lokales

Die Musiknacht und der Hochzeitstag

Kirchheims Innenstadt ist zur 17. Auflage der Kultveranstaltung wieder einmal rappelvoll

Mehr als zehntausend Menschen bevölkerten am Samstag Kirchheims Innenstadt und feierten mit den Initiatoren die 17. Kirchheimer Musiknacht, die mit den 79 Bands, Solisten und DJs auf 56 Bühnen den Rahmen des Machbaren zu sprengen drohte.Play Video

Kirchheimer Musiknacht 2014Miss Foxy
Kirchheimer Musiknacht 2014Miss Foxy

Kirchheim. Bereits am frühen Abend strömte das Publikum durch die Kontrollsperren in die Innenstadt, um bei der schon fast kultig zu nennenden Riesenparty dabei zu sein, und nachts um halb vier wurde bei Temperaturen im zweistelligen Plus-Bereich immer noch gefeiert.

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„Mehr geht eigentlich nicht“, war sich auch Andreas Kenner, Mitveranstalter und Mitglied des Kirchheimer Gemeinderats, der Grenzen des Möglichen für eine Stadt wie Kirchheim bewusst. Doch auch in diesem Jahr blieb alles friedlich, hatte die Polizei so gut wie nichts zu tun. Mehr geht aber auch kaum, was die Qualität der Organisation betrifft.

Lediglich ein Mangel an genügend Örtlichkeiten zur Verrichtung menschlicher Bedürfnisse machte sich mancherorts bemerkbar. Doch diesbezüglich im nächsten Jahr Abhilfe zu schaffen, ist Andreas Kenner zufolge bereits geplant. Denn, dies sei hier gleich vermerkt, auch 2015 wird es eine Musiknacht geben – und zwar am 13. Juni. „Da gibt’s kein wichtiges Fußballspiel und Pfingsten ist vorbei“, begründete der Vereinsvorsitzende des Clubs Bastion die Terminwahl.

Bereits zur Mittagszeit bezogen vor dem Rathaus und im Biergarten des alten Wachthauses die ersten Bands ihre Stellungen, um nicht zuletzt den Marktbesuchern einen Vorgeschmack davon zu geben, was sie am Abend erwarten würde – so sie im Besitz eines der begehrten Eintritts-Buttons waren. Es ist charakteristisch für Musiknächte auch in anderen Städten, dass sich der Verkauf im Voraus und an den Abendkassen ungefähr die Waage hält, da mancher den Besuch vom Wetter abhängig macht.

Und auch da muss wieder mal Fortuna ihre Händchen im Spiel gehabt haben, denn nichts war mehr zu spüren von der Kälte der Vornacht, kaum eine Wolke trübte den Abendhimmel und ab 18 Uhr schwoll der Besucherstrom immer mehr an, bis um Mitternacht an manch neuralgischer Stelle nichts mehr ging.

In die meisten Lokale, sei es Stadthalle, Wilder Mann, das Stadtkino oder zum Schluss die Bastion , war ein späteres Hineinkommen praktisch ausgeschlossen, und dort wo die Musik im Freien spielte – ob auf dem Marktplatz die vier Ladys um „Miss Foxy“ oder vor dem Schloss die „Dicken Fische“, „Ernest und die Hemingways“ beim Bären oder die „Bang Bags“ in der südlichen Dettinger Straße, nicht zuletzt auch am Wachthaus –, ob dort nun gerade gespielt wurde oder nicht, überall bildeten sich dicke Trauben von Menschen, die mitrockten und tanzten, was das Zeug hielt.

Großen Erfolg hatten auch die vielen Anbieter von Snacks und Getränken. Die meisten Wirte wären ohne zusätzliches Personal nicht in der Lage gewesen, den Ansturm zu bewältigen. Man riss ihnen die Pizzen, Würste und Fischbrötchen förmlich aus den Händen.

Aber auch die Initiatoren um Andreas Kenner und Michael Holz konnten die für einen möglichst reibungslosen Ablauf notwendigen Aufgaben selbstverständlich nicht alleine stemmen. Mehr als hundert Mitarbeiter an den Kassen, bei der Button-Kontrolle und dem Anlagenaufbau sorgten dafür, dass nichts schief ging, und dass die Musiknacht, die einst von dem Kirchheimer Gitarristen Werner Dannemann als „Fête de la Musique“ zu Benefiz-Zwecken ins Leben gerufen worden war und damit zur „Mutter aller Musiknächte“ in der Umgebung avanciert ist, weiterhin einer der Höhepunkte des kulturellen Angebots der Stadt bleibt.

Werner Dannemann war übrigens auch bei der 17. Auflage der Kirchheimer Musiknacht wieder dabei. Sein Auftritt im Garten des Restaurants „Wachthaus“ dürfte zu den Highlights der Veranstaltung gezählt werden.

Im Übrigen zieht diese Kultveranstaltung schon weitere Kreise. So wusste Andreas Kenner zu erzählen, dass er von einer jungen Dame nach dem Termin der nächsten Musiknacht gefragt worden sei. Warum sie das denn wissen wolle. Ja, sie habe vor, ihren Hochzeitstag auf genau diesen Termin zu legen: „Ihr habt doch immer so Glück mit dem Wetter.“

Mit der Videokamera war Jörg Bächle bei der Musiknacht unterwegs.