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Die Natur mit allen Sinnen erfahren

LENNINGEN "Lehnt euch zurück, macht die Augen zu und stellt euch vor, ihr seid im Wald auf einer Lichtung", forderte Florian Schlag, der ein Freiwilliges Ökologisches

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UTE FREIER

Jahr (FÖJ) am Naturschutzzentrum Schopflocher Alb absolviert, die Schüler beim Naturerlebnis-Nachmittag auf. Bereitwillig lagerten sich die Mädchen und Jungen auf dem Gelände des Naturschutzzentrums im Gras, um den auf einem Tonband eingefangenen Tier- und Vogelstimmen zu lauschen. Anschließend galt es zu erraten, welches Tier zu hören war, ob Specht, Wildschwein, Biene oder Kröte.

Genaues Hinhören war auch beim "Geräusche-Memory" gefordert, dessen Spielregeln Florian Schlag erklärte: "Hier stehen zwanzig kleine Dosen. In jeweils zwei Dosen befinden sich dieselben Dinge. Durch Schütteln sollt ihr herausfinden, welche zusammen gehören." Eine nicht ganz einfache Aufgabe, wie die angestrengten Gesichter bewiesen, denn die Geräusche unterschieden sich häufig nur geringfügig.

Doch eben das war das Thema an diesem Nachmittag: sich auf die einzelnen Sinne zu konzentrieren. "Wir erfahren die Natur mit allen Sinnen", hatte die Ankündigung im Programm des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb versprochen. So standen außer Übungen zum Hören, auch Übungen zum Riechen und Fühlen auf dem Programm. Wieder galt es, die Augen zu schließen und sich ganz auf die Nase zu verlassen. War der Duft bekannt und welcher der Pflanzen, die auf dem Boden lagen und alle aus der Umgebung stammten, war er zuzuordnen? "Fichte", konnte einer der Schüler den Geruch eindeutig definieren, "Lavendel" wusste ein anderer, doch schwieriger wurde es bei Liebstöckel und Holunder.

Dass auch das Erfühlen von Bodenflächen mit den Fußsohlen Konzentration erforderte, zeigte der Gang über die sechs Felder des "Barfuß-Pfades", den Florian Schlag und seine Kollegin eigens angelegt hatten und den die Schüler mit verbundenen Augen begingen. Nicht allen gelang es, mit den nackten Füßen zwischen Erde und Kies oder zwischen Baumrinde und Fichtenzapfen zu unterscheiden.

Jährlich stehen zehn bis zwölf solcher Naturerlebnis-Nachmittage auf dem Programm. "Die Kinder sollen mit der Natur in Kontakt kommen", umriss Wolfgang Lissak vom Naturschutzzentrum die Zielsetzung. "Wir wollen das Interesse der Kinder an der Natur wecken und sie für den Naturschutz sensibilisieren."

Wiederkehrende "Klassiker" sind der Nistkastenbau für Vögel im zeitigen Frühjahr, die Suche nach den ersten Frühlingsboten im April und die Erfahrung der Natur mit allen Sinnen. Doch jedes Jahr kommen auch einige neue Themen hinzu, die jeweils von den jungen Männern und Frauen festgelegt werden, die am Naturschutzzentrum in Schopfloch ein FÖJ absolvieren und für diese Kinder-Nachmittage zuständig sind. "Sie bringen ihre eigenen Interessen ein und sie arbeiten vor allem im Bereich Umweltbildung", beschrieb Wolfgang Lissak deren Aufgabenbereich. "Sie arbeiten hauptsächlich mit Kindern, machen Führungen im Schopflocher Moor, führen Gewässeruntersuchungen durch und gestalten Kindergeburtstage."

Das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb bietet seit elf Jahren zwei Stellen an für FÖJler, die im Haus wohnen können. "Wir haben viel Freiraum, wir können selbstständig arbeiten und beschäftigen uns ständig mit neuen Themen", so das Fazit von Florian Schlag, der sein FÖJ am 31. August beendet. "Für mich ist das eine gute Gelegenheit, mich und meine Stärken besser kennen zu lernen und mich beruflich zu orientieren." Er empfiehlt das FÖJ all jenen, die sich für Natur interessieren und nach der Schulausbildung eine Übergangszeit zum Nachdenken benötigen.

FÖJInformationen zum FÖJ in Baden-Württemberg sind erhältlich bei der Landeszentrale für politische Bildung, Paulinenstraße 44-46, 70178 Stuttgart, Telefonnummer 07 11/16 40 99-38, foej@lpb.bwl.de, www.foej-bw.de.