Lokales

Die Plattform lag auf historischem Sockel

Der „Mauerfall“ auf der Teck zieht weitere Kreise. Inzwischen hat sich Kirchheims Museumsleiter Rainer Laskowski in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Alt-Owen-Förderkreises zu Wort gemeldet: Von dem Absturz waren nämlich außer der jüngeren oberen Mauer vor allem auch wertvolle Reste historischer Bausubstanz betroffen.

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Andreas Volz

Owen. Im Bericht über den Mauersturz in unserer gestrigen Ausgabe ging es unter anderem um die Einschätzung von Wolfgang Würth, dem Hauptfachwart für Bauten beim Schwäbischen Albverein. Demzufolge habe es sich bei der abgegangenen Mauer lediglich um eine „Aussichtsplattform“ gehandelt, die wohl eher 150 als 500 Jahre alt sei. Das war auch der Grund, warum der Albverein als Eigentümer der Teck diesen „Erker“ nicht wieder aufbauen wollte. Schließlich geht es dabei auch um gewaltige Kosten, die zu vermeiden wären, wenn das vorhandene Loch mit einer geraden, durchgehenden Mauer gefüllt wird.

Die Aussage Wolfgang Würths zum Alter der Mauer relativiert Rainer Laskowski nun. Die „Aussichtsplattform“ sei vielleicht tatsächlich erst im 19. Jahrhundert entstanden. Aber sie habe seither auf historischem Fundament geruht: An dieser Stelle ragte einst ein Rechteckturm der alten Teckburg in den Himmel. Die Rechteckform des alten Turmfundaments habe vor rund 150 Jahren wohl erst den Anlass dazu gegeben, eine Aussichtsplattform zu errichten. Nun seien aber mitsamt der oberen Mauer auch die Reste des alten Turms eingestürzt, der noch aus staufischer Zeit stammt und demnach sogar weitaus älter als 500 Jahre ist.

Rainer Laskowski beruft sich mit seinen Aussagen auf den jüngsten Band aus der Schriftenreihe des Kirchheimer Stadtarchivs über die Herzöge von Teck. Rolf Götz hat darin zwei Fotos veröffentlicht, auf denen „Eckbuckelquader“ zu sehen sind. Zur Datierung gibt Rolf Götz die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts an. Eines der Fotos hat nun bereits historischen Wert, zeigt es doch in einer Detailaufnahme „Eckbuckelquader aus Sandstein am 4,50 m hohen Sockel des Rechteckturms an der östlichen Umfassungsmauer“, wie es in der Bildunterschrift heißt. Und just dieser Turmsockel ist Ende Mai zusammen mit der darüberliegenden Aussichtsplattform abgebrochen und auf den Fahrweg gestürzt.

Der Turm sei auch auf Plänen aus dem Jahr 1736 eindeutig abgebildet, sagt Rainer Laskowski, aus der Zeit also, in der Herzog Karl Alexander von Württemberg die Teck zur Festung ausbauen lassen wollte. Nach dem frühen Tod des Herzogs im Jahr da­rauf ist dieser Ausbau aber nicht mehr zustande gekommen. – Jetzt wollen Historiker und Archäologen aber wenigstens versuchen, so viel wie möglich vom alten Turmsockel zu retten. Kreisarchivar Manfred Waßner habe bereits Kontakt zum Landesdenkmalamt aufgenommen, berichtet Rainer Laskowski. Wenn am Montag und am Dienstag also wie geplant der Schutt abgeräumt werden soll, ist auf jeden Fall ein Archäologe mit vor Ort. Rainer Laskowski hofft, dass sich Teile des alten Mauerwerks noch retten lassen und dass zumindest der Turmsockel wieder aufgebaut wird – ob mit oder ohne Aussichtsplattform oben drauf.