Lokales

Die privaten Schatzhäuser Deutschlands

Die Kirchheimer Ortsgruppe des Schwäbischen Heimatbunds hat unter der Leitung des Historikers Holger Starzmann eine Tagesfahrt nach München unternommen. Ziel war die Ausstellung "Schatzhäuser Deutschlands Kunst in adligem Privatbesitz" im Münchner Haus der Kunst.

KIRCHHEIM Trotz spektakulärer Verkäufe in den vergangenen 25 Jahren befindet sich in den privaten Wohnsitzen des deutschen Adels immer noch eine weithin unbekannte Fülle an unvergleichlichen Kunstschätzen, sodass man durchaus von einem "privaten deutschen Nationalmuseum" sprechen kann. Für die Münchner Ausstellung haben 36 deutsche Privatschlösser ihre Kunst- und Schatzkammern geöffnet und fast 400 Exponate zur Verfügung gestellt.

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Mindestens 80 Prozent der Gemälde in deutschem Adelsbesitz sind Porträts, denen die ersten beiden Ausstellungsräume gewidmet waren. Von Aldegrever über Lukas Cranach, von der Malerdynastie Tischbein bis zu Franz Xaver Winterhalter lässt sich verfolgen, wie die Maler versuchten, ihren Auftraggebern individuelle Züge zu verleihen oder sie als typische Repräsentanten ihres Standes in Szene zu setzen.

Noch stärker als in der Malerei sind die adligen Privatsammlungen im Bereich des hochwertigen Kunstgewerbes. Vor allem die deutschen Gold- und Silberschmiede, die in ganz Europa über Jahrhunderte in höchstem Ansehen standen, lieferten viele kunsthandwerkliche Luxusgüter an die deutschen Adelshäuser, von denen einiges im nächsten Raum zu Recht "Schatzkammer" benannt zu sehen war. Tafelaufsätze, Tischuhren, Trinkspiele, aber auch drei Tabatieren Friedrichs des Großen geben ein beredtes Zeugnis von der hohen kunsthandwerklichen Fertigkeit der deutschen Gold- und Silberschmiede.

Die Schlösser in Privatbesitz stellen auch einen gewichtigen Fundus zur Stilgeschichte des deutschen Mobiliars dar. Die Ausstellung zeigte Hauptwerke des Barocks wie die gediegenen Boulle-Möbel aus dem Besitz der Fürsten zu Salm-Salm. Weiter war es gelungen, eine Reihe von Möbeln von Abraham und David Röntgen aus Neuwied, den wichtigsten deutschen Kunsttischlern des 18. Jahrhunderts, aus verschiedenen Adelshäusern zusammenzustellen.

Das "weiße Gold", das europäische Porzellan, hat der deutsche Adel immer sehr hoch geschätzt, und oft waren die Fürsten, in Ermangelung der Kaufkraft ihrer Untertanen, die besten Kunden ihrer eigenen Porzellanmanufakturen. In dieser Abteilung waren vor allem auserlesene Schönheiten aus der Sammlung im Schloss Fasanerie der Hessischen Hausstiftung zu sehen.

Wenn sich die Gemäldegalerien der deutschen Adelshäuser auch nicht mit den Orivatsammlungen ihrer italienischen oder britischen Standesgenossen messen können, so gibt es doch Kostbares und Faszinierendes. So haben die beiden bedeutendsten adligen Gemäldegalerien Deutschlands, die der Grafen von Schönborn in Pommersfelden und der Fürsten zu Salm-Salm auf der Wasserburg Anholt einige hervorragende Bilder der Ausstellung überlassen. Glanzstück war das Bild "Diana mit Aktäon und Kallisto", der einzige Rembrandt in deutschem Privatbesitz.

Nirgendwo in Europa ist so viel sakrale Kunst in Privatbesitz übergegangen wie beim deutschen Adel. Dies erklärt sich dadurch, dass es in der deutschen Geschichte mehrere Schnittstelen gab, an denen kirchliche Kunst in Adelsbesitz gelangt ist: Die Reformation, die Säkularisation 1803 und schließlich eine durch den Geist der Romantik geprägte Sammeltätigkeit. Für die Kirchheimer Gruppe besonders beachtenswert waren in der sakralen Abteilung die Glasfenster aus dem ehemaligen Kloster Bebenhausen und das Chorgestühl aus dem ehemaligen Kloster Salem.

Überwältigt von der Vielfalt der Eindrücke machte sich die Kirchheimer Gruppe des Schwäbischen Heimatbunds wieder auf den Heimweg, in dem Bewusstsein, diese Schätze so nicht wiederzusehen. Aber auch mit der Anregung, den Werken bei einer Durchreise einen Besuch abzustatten.

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