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"Die Räume sind ein Geschenk für uns"

Große Freude beim Treffpunkt alleinerziehender Menschen (TRAM): Seit Mitte September ist die Einrichtung jeden Donnerstagnachmittag zu Gast in der Zionskirche der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde in Kirchheim. Mit einer kleinen Feierstunde wurde nun die Partnerschaft besiegelt.

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM Buntes Treiben herrscht seit zwei Wochen donnerstagnachmittags in den Räumen der Zionskirche. Während eine Gruppe konzentriert Bilder malt, baut ein anderes Kind daneben versonnen mit Legosteinen. Im Zimmer nebenan sind die größeren Kinder zu finden und noch einen Raum weiter haben sich die dazugehörigen Eltern versammelt. "Hier können wir auch über Dinge reden, die nicht für Kinderohren geeignet sind", sagt Projektleiterin Susanne Kurz vom Netzwerk Alleinerziehend.

Der Umzug vom Vogthaus in die Zionskirche war nötig geworden, weil die Räume dort für den Ansturm zu klein geworden waren. "Wir haben uns bei der Familien-Bildungsstätte sehr wohl gefühlt und dort viel Freundlichkeit und Toleranz erlebt", betonte Susanne Kurz in ihrer Ansprache während der Eröffnungsfeier in der Zionskirche. Doch die Zahl der allein Erziehenden wächst und somit war die Suche nach mehr Raum unumgänglich.

Fündig wurde das Netzwerk Alleinerziehend schließlich bei der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde in der Armbruststraße. Von den ersten Kontakten berichtete Pastor Volker Seybold: "Die Anfrage stieß in der Gemeinde nicht gleich auf ungeteilte Begeisterung", gab er offen zu. Am ersten Advent vergangenen Jahres war das neue Haus bezogen worden, in das die Gemeinde viel Geld und Arbeitskraft gesteckt hat. "Dann kam aber ein ziemlich interessanter Gesprächsprozess zustande und der machte uns unseren eigentlichen Auftrag als Christen bewusst", erzählte der Pastor. Jesus habe niemanden ausgegrenzt. Deshalb wollte die Gemeinde das Haus für andere öffnen. "Nach einem Gottesdienst haben alle abgestimmt und mit großer Mehrheit für TRAM gestimmt", beschrieb Volker Seybold den Entscheidungsprozess.

Die Gemeinde sehe sich deshalb nicht nur als Vermieterin der Räume. "Sie sind unsere Gäste", hieß er die Kinder und Jugendlichen, Mütter und Väter im Namen seiner Gemeinde willkommen. Er wünscht sich, dass daraus Begegnungen und Beziehungen entstehen, Gespräche stattfinden und somit ein Dialog zweier Gruppen. "Bei unserem Sommerfest ist das ja schon geschehen", sieht er der gemeinsamen Zukunft positiv entgegen.

Wie bei der Einweihungsfeier haben auch dort schon die "TRAM-Drums" für Stimmung gesorgt. Der Treffpunkt alleinerziehender Menschen hat seit über einem Jahr seine eigene Trommelgruppe und diese hat eigens fürs Fest einige Liedzeilen komponiert. "Wir sind raus aus dem Tief, denken nur noch positiv Hurra, der neue Raum ist da", sangen die Mitglieder mit strahlenden Gesichtern zu ihren Trommel-Rhythmen.

Christoph Tangl, Geschäftsführer des Netzwerks Alleinerziehend, brachte ein symbolträchtiges Gastgeschenk mit. Auf einem Bild war eine schöne, große, blaue Blume gemalt. "Wenn eine Blume wächst, sind daran viele Faktoren beteiligt", erklärte er. Neben Licht, Wasser und Boden sei auch Pflege wichtig. Nach einem ersten Wachstumserfolg, sei das Gefäß jedoch zu klein geworden. "Dieses Problem ist nun gelöst. Dank der Zionskirche haben wir einen größeren Topf gefunden", freute sich Christoph Tangl.

Begeistert von den neuen Räumen sind alle Beteiligten. Im Sommer können alle sogar den angrenzenden Garten nutzen, dort Federball spielen oder einfach nur die Sonne beim Plausch genießen. "Wir alle freuen uns unheimlich über unser neues Zuhause und auch darüber, dass wir die Räume kostenlos nutzen dürfen", hob Susanne Kurz die Großzügigkeit der Gemeinde hervor. Zwei Kinderräume, genügend Platz für die Eltern und eine Profiküche das alles "ist toll geeignet" für TRAM. Susanne Kurz beeindruckte der offene Entscheidungsprozess, mit dem die Kirchengemeinde an dieses Projekt herangegangen ist und sich dadurch mit TRAM auseinandergesetzt hat. "Diese Räume sind ein wunderschönes Geschenk für uns", erklärte sie.