Lokales

Die Räumpflicht endet um 20 Uhr

Ein Winter, wie es ihn schon lange nicht mehr gegeben hat, sorgt in der bereits vielfältig verbürgten und weiter vermeldeten Verlängerung für unterschiedlichste Reaktionen. Dem Applaus von Liftbesitzern und Skifahrern steht dabei eher verhaltener Beifall aus den Reihen streupflichtiger Hausbesitzer oder staugeplagter Autofahrer gegenüber.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Bei aller Begeisterung darüber, dass endlich einmal wieder auf der Schwäbischen Alb nicht nur langlaufbegeisterte Loipengänger, sondern Anhänger alpiner Skifreuden gleichermaßen auf ihre Kosten kommen können, kann der Ton am Rand zu räumender Wegstrecken mit sinkenden Temperaturen schon einmal rauer werden. Das bewährte Florians-Prinzip feiert derzeit in unterschiedlichsten Umfragen fröhliche Urstände: Schnee, das ist in spontanen Publikumsumfragen im Rundfunk immer wieder zu hören, wird zwar grundsätzlich im Gebirge, nicht aber vor der eigenen Hautüre als gut empfunden und das hat schwerwiegende Gründe.

Wie die "Satzung über die Verpflichtung der Straßenanlieger zum Reinigen, Schneeräumen und Bestreuen der Gehwege" unmissverständlich festschreibt, ist schließlich mit dem Räumen und Bestreuen der Gehwege zu beginnen "sobald es das örtliche Fußgängeraufkommen erforderlich macht". Um diesen Zeitpunkt nicht zu nebulös im Raum stehen zu lassen, wird dann auch diese Bestimmung noch etwas griffiger gemacht: Spätestens um 8 Uhr werktags und bis 9.30 Uhr an Sonn- und Feiertagen muss geräumt sein.

Was manchen Spätaufstehern wie unzumutbare Härte erscheint, klingt für die Mitarbeiter des Kirchheimer Bauhofs eher paradiesisch-entspannt. Um 8 Uhr haben sie schließlich an harten Wintertagen schon viel hinter und immer noch zwölf Stunden Rufbereitschaft vor sich. Schon um 4 Uhr muss von den Mitarbeitern der Stadt die Glatteissituation erkundet werden, um vor Beginn des Berufsverkehrs die wichtigsten Strecken geräumt zu haben.

Geräumt und gestreut wird bei Straßen in der obersten Prioritätszone. Das sind die Hauptverkehrsadern, die auch den Omnibusstrecken entsprechen. Ganz oben auf der Räumliste stehen natürlich auch die städtischen Brücken.

Drei große Lastwagen und zwei Schlepper sind dabei im Einsatz. Allein in dieser Woche wurde von Montag bis Freitag 250 Tonnen Split-Salzgemisch bewegt, womit die Streumenge des gesamten Winters 2000 / 2001 mit rund 150 Tonnen in nur einer Woche schon deutlich übertroffen wurde. Seit Beginn der Wintersaison haben die städtischen Mitarbeiter schon rund 800 Tonnen verbraucht. Ihr Ziel sind dabei keineswegs schwarze, sondern mit entsprechender Ausstattung gut befahrbare Straßen. Eine Winterreifenpflicht, wie sie derzeit in der Diskussion ist, würde Karl Heinz Beck daher sehr begrüßen, der als Betriebsleiter Straßen gemeinsam mit Olav Nilson und rund zwei Dutzend Helfern für das Kirchheimer Straßen- und Wegenetz verantwortlich ist.

Dass sich ein Großteil ihres harten Einsatzes im Schutz der Dunkelheit abspielt und vor allem wohl nur dann bewusst wahrgenommen zu werden scheint, wenn einmal etwas nicht optimal läuft, liegt in der Natur der Sache. Dass die Autofahrer ihnen auch ohne falsche Bereifung zuweilen das Leben unnötig schwer machen, ärgert die Mitarbeiter im Winterdienst zuweilen schon etwas.

Parkende Autos können schnell zum unnötigen Problem werden, wenn keine entsprechenden Räumgassen freigelassen werden. Ist das schon deshalb strafbar, weil Rettungswege schließlich immer für Notfälle freigehalten werden müssen, wird damit zudem die Geduld der Fahrer von Streufahrzeugen immer wieder vor vermeidbare Belastungsproben gestellt. Dass bei entsprechender Massierung von Falschparkern vom Ordnungsamt ordnend eingegriffen wird, kann da eigentlich nicht überraschen.

Außer Neben- und Anliegerstraßen, die in der Kategorie Zwei liegen und nur geräumt werden, gibt es auch viele Straßen, in denen sich die mobilen Räumtrupps gar nicht bewegen. Überall dort, wo an öffentlichen Straßen "keine Flächen für den Fußgängerverkehr gesondert gewidmet sind, sowie in Fußgängerzonen und verkehrsberuhigten Bereichen" müssen die Anlieger selbst zu Schippe und Besen greifen und einen etwa zwei Meter breiten Streifen freiräumen auch das ist per Satzung genau geregelt.

Wie auch auf Gehwegen muss sichergestellt werden, dass trotz winterlicher Bedingungen "ein gefahrloser Fußgängerverkehr möglich ist". Fällt während des Tages weiter Schnee oder treten gar Schnee- und Eisglätte auf, besteht die Verpflichtung "unverzüglich, bei Bedarf auch widerholt zu räumen und zu streuen". Die gute Nachricht kommt wie immer ganz zuletzt: "Diese Pflicht endet um 20 Uhr."