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Die Redaktion nimmt eine sachliche Leserzuschrift, die sich auf eine Veröffentlichung in unserer Zeitung bezieht, gerne entgegen. Sie übernimmt dafür aber nur die presserechtliche Verantwortung und behält sich in jedem Fall Kürzungen vor. Leider können handschriftliche Manuskripte nicht berücksichtigt werden. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht.

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War alles umsonst?

Zum Artikel "Siebenköpfiger kurdischer Familie droht Abschiebung", im Teckboten vom 9. Dezember:

Wir haben Verständnis dafür, dass Familien, die als Asylsuchende in Deutschland aufgenommen wurden, nach Änderung der politischen Verhältnisse wieder in ihre Heimat zurückkehren müssen, vor allem natürlich dann, wenn sie hier zu Lande die Sozialkassen belasten. Bei dieser Familie kann davon nicht die Rede sein, da der Vater berufstätig ist, der älteste Sohn seine Bäckerlehre erfolgreich abgeschlossen und eine gute Arbeitsstelle gefunden hat und auch die älteste Tochte eine Lehre beginnen könnte, wenn die Frage des Aufenthalts geregelt wäre.

Die fünf Kinder sind zum Teil in Deutschland geboren, doch selbst die Ältesten haben keinelei Erinnerungen mehr an die als Kleinkinder verlassene Türkei. In Wendlingen aufgewachsen und zur Schule gegangen, ist Deutschland längst ihre Heimat geworden.

Wie groß die Angst der hier aufgewachsenen Kinder ist, in die ihnen völlig fremde Türkei abgeschoben zu werden, zeigt ein Selbstmordversuch der Tochter. Nach dem Sprung aus einem Hochhhaus wurden ihre vielen Knochenbrüche fast ein Jahr lang im Krankenhaus behandelt. Unter den Folgen dieser aus Angst vor einer Abschiebung begangenen Verzweiflungstat wird sie zeitlebens leiden.

Unverständlich ist, dass sowohl Petitions- als auch Härtefallausschuss dieses Leid nicht respektieren und das anerkannte Gutachten ignorieren, dass Angst die Ursache dieses Selbstmordversuchs war. Haben diese verzweifelten Kinder und Jugendlichen in Deutschland gar keine Rechte? Können wir schweigend zusehen, wie mitleidlos Behörden und Gremien mit diesen Menschen umgehen? Für uns, die Lehrer der Kinder, die Mitschüler, Bekannten und Freunde, die die Familie in den vielen Jahren kennen und schätzen gelernt haben, ist die Entscheidung der Behörden nicht nachvollziehbar und ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich jahrelang um die Integration dieser Mitmenschen ausländischer Herkunft bemüht haben. In einem anderen Bundesland wäre die Familie längst eingebürgert worden. Wer kann auf diese traurige Facette unseres Landes stolz sein?

Franziska Schwarzer

Wendlingen, Burggartenstraße

Anders wählenhätte geholfen

Zum Leserbrief "Lasst lieber Eltern zahlen", im Teckboten vom 19. Dezember:

Letzten Mittwoch wurde im Kirchheimer Rathaus sehr intensiv und kontrovers über die Kindergartengebühren und die Gewerbesteuer diskutiert. Die VertreterInnen von SPD, Grünen und Frauenliste haben vehement gegen eine Erhöhung der Kindergartengebühren gestritten. Wer heute noch Kinder bekommt und somit die Zukunft dieser Gesellschaft mit sichert, sollte dafür nicht auch noch mehr Gebühren bezahlen müssen. Eine Mehrheit, bestehend aus Freien Wählern, CDU, CIK und FDP-Kibü sah dies anders und hat die Erhöhung durchgesetzt.

Ebenso leidenschaftlich wurde um die sehr moderate Gewerbesteuer-Erhöhung von real 2,7 Prozent gestritten. Obwohl die Steuerexpertin und Stadträtin der SPD, Marianne Gmelin, sehr kompetent erklärte, dass die Gewerbesteuer auf den Gewinn und nicht auf den Umsatz angewandt wird und zuvor sämtliche Kosten abgezogen werden, stand das Abstimmungsverhalten der Kollegen von CDU, Freien Wählern, CIK und FDP-Kübi längst fest. Da haben die Argumente der Grünen, der Frauenliste und der SPD, dass alle gesellschaftlichen Gruppierungen ihren zumutbaren Beitrag zur Zukunftsgestaltung unserer Stadt leisten müssen, auch nichts mehr bewegt. Damit bleibt die Gewerbesteuer seit 1994 unverändert.

Eine pauschale Diffamierung des Gemeinderates, sich und seine Interessen selber zu vertreten, weise ich entschieden zurück. Der Gemeinderat wird von unseren Bürgern und Bürgerinnen gewählt, von denen bei der letzten Wahl lediglich 50 Prozent von diesem Recht gebraucht gemacht haben. Demokratie beinhaltet auch Pflichten. Wer sich vorher informiert und das politische Geschehen in unserer Stadt verfolgt, weiß, wer in Kirchheim wessen Interessen vertritt. Dass bestimmte Gruppierungen Einfluss auf die Politik nehmen, ist in einer Demokratie üblich. Wie stark solche Interessensvertreter im Gemeinderat vertreten sind, bestimmen ganz alleine die Wählerinnen und Wähler.

Andreas Kenner

Kirchheim, Klosterstraße