Lokales

Die "Ritter von Lichteneck" sind allzeit bereit

Die Natur erforschen, Tiere und Pflanzen kennen und schützen lernen, mit Gleichaltrigen Abenteuer erleben oder in den Gruppenabenden zusammen spielen, basteln und Neues lernen: Das alles macht das Pfadfindertum in Hepsisau aus.

ANJA WEISSINGER

Anzeige

Im Dritten Reich waren die Pfadfinder als "Geheimorganisation" verboten, und verpflichtet, die Jugendlichen in die "Hitler-Jugend" zu überführen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es Ernst Schäf, der die Pfadfinderarbeit in Hepsisau und im Gau-Teck zum Leben erweckte. Am Anfang trafen sich die Jungen bei Ernst Schäf zu Hause, beschäftigten sich mit der Bibel, sangen Lieder oder machten Spiele. Mit der Zeit wurden dann auch pfadfinderische Elemente wie Feuer machen, Knoten binden oder Spuren lesen miteinbezogen. Im Jahre 1953 bestätigte der Gau-Teck die Hepsis-auer Gruppe offiziell als "Siedlung Ritter von Lichteneck".

Heute besuchen Jungen und Mädchen die Pfadfindergruppe und obwohl Hepsisau ein relativ kleiner Ort mit etwa 700 Einwohnern ist, kann sich die Mitgliederzahl der Pfadfinder sehen lassen. Der Stamm setzt sich aus drei Sippen und dem "Freundeskreis" zusammen. Im "Freundeskreis" treffen sich die älteren Pfadfinder zu gemeinsamen Kino- und Theaterbesuchen oder auch zu Wanderungen. Mit dem alljährlichen "Bätscherverkauf" auf dem Hepsisauer Dorffest trägt er wesentlich zur Finanzierung der Aktivitäten der Pfadfinder bei. "Ranger und Rover" dürfen sich alle Pfadfinder ab 16 Jahren nennen. Sie gehören zur Sippe "Waschbär", und treffen sich regelmäßig zu gemeinsamen Unternehmungen: Kino oder Kneipe, gemeinsames Backen oder Kochen, Pyjamaparty und ab und zu auch mal eine Wanderung. Außerdem frischen die 16- bis 19-Jährigen auch immer wieder, mit Zelt aufbauen und Feuer machen, ihr Pfadfinderwissen auf. Die "Waschbären" sind außerdem für die gesamte Ausrüstung des Stammes zuständig, müssen also Zeltplanen waschen und notfalls flicken, dafür sorgen, dass alles jederzeit einsatzbereit ist. Die jungen Pfadfinder organisieren sich je nach Alter in der Sippe "Delfine" und der Sippe "Pinguin", die von Lisa, Maren und Rudi Hanov sowie von Marco Schumann geleitet werden.

Einmal pro Woche findet in der Gemeindehalle ein Gruppenabend mit Spielen, Liedern und anderen Aktivitäten statt, manchmal wird auch gebacken oder gebastelt. Ein Teil der Gruppenabende ist der Pfadfinderkunde gewidmet. Hier lernen die Kinder, wie man eine Feuerstelle aushebt, die verschiedenen Knotentechniken sowie Natur- und Pflanzenkunde. Äußerst beliebt bei den jungen Pfadfindern ist die Schnitzeljagd. Sie begnügen sich jedoch nicht nur mit Pfeilen, sondern benutzen die gelernten "Waldläuferzeichen". Mit Stöcken und Steinen werden Zeichen auf den Boden gelegt, die bestimmte Botschaften übermitteln.

Auch wenn bei den Pfadfindern das ganze Jahr etwas geboten wird, sind die Lager zu Pfingsten und Ostern oder das Gau-, Landes- oder Bundeslager doch die Höhepunkte, denn am liebsten sind Pfadfinder in der freien Natur. Jedes Lager steht unter einem bestimmten Motto. Passend zu diesem werden dann Spiele und Workshops angeboten. Das ursprünglichste an jedem Lager ist jedoch der "Hajk". Für die Tour wird in den Rucksack gepackt, was man für eine Nacht im Freien braucht: Schlafsack, Zelt, Kochgeschirr und etwas zu essen. Ohne zu wissen, wo sie die nächste Nacht verbringen werden, machen sich die kleinen Abenteurer auf Wanderschaft. Bei Regen oder Sturm verkriechen sie sich nachts auch schon mal in die schützenden Wände einer Scheune. Beim "Hajk" können sie dann anwenden, was sie das Jahr über bei den Gruppenabenden gelernt haben. Die Grundidee des Pfadfindens ist jedoch nicht nur das Erleben von Abenteuern, die Jugendlichen sollen auch lernen sich gegenseitig zu respektieren, sollen gemeinsam Entscheidungen treffen und dabei lernen, Verantwortung zu übernehmen. Die kleine Gruppe, in der sich jeder beachtet und ernst genommen fühlt, gehört ebenfalls zu den Prinzipien des Pfadfindens. Die Gruppe soll den Einzelnen fördern und ihn tragen Toleranz und Aufmerksamkeit sind hier besonders wichtig.

Neben den wöchentlichen Gruppenabenden stehen noch viele andere Termine im Hepsisauer Pfadfinderkalender. Die Sippen sind aus Veranstaltungen wie dem Altennachmittag, bei dem sie die Senioren mit ihren Sketchen zum Lachen bringen, gar nicht mehr wegzudenken. Auch das Hepsisauer Dorffest und das Weilheimer Städtlesfest gestalten sie mit Filmvorführungen und Spielständen mit.

Bei einem regelmäßig stattfindenden bunten Abend werden Eltern und Geschwister mit Tanzaufführungen und Sketchen unterhalten. Bei Diavorführungen fühlen sich dann nicht nur die Pfadfinder in die Atmosphäre der Zeltlager ein.

Ein weiteres Highlight ist die "Waldweihnacht". Bei Wind und Wetter wird an der "Villa Mastberg" in Hepsisau mit Lagerfeuer, "Tschai", einem Früchtepunsch und Geschichten die Weihnachtsstimmung in die Natur hinausgetragen.

Als besonderes Ereignis wird den Pfadfindern wohl auch die "Aufnahmeprüfung" in Erinnerung bleiben. Dabei müssen sie unter Beweis stellen, dass sie in der Lage sind, ein Zelt aufzubauen und eine Feuerstelle auszugraben, außerdem müssen sie sich in der Tier- und Pflanzenkunde auskennen und mit den Pfadfindergesetzen vertraut sein.

Für den Begründer der Pfadfinderbewegung Robert Stephenson Smith Baden Powell, waren Internationalität und die Erziehung zum Frieden wichtig. Auch diesen Ansprüchen werden die Hepsisauer Pfadfinder gerecht, denn im nächsten Jahr ist ein gemeinsames Lager mit einem litauischen Stamm geplant.