Lokales

Die Schuld auf zwei Unbekannte aus Belgrad geschoben

Am Morgen des 6. Juni vergangenen Jahres hatte eine Explosion die Gaststätte "Arena" in Esslingen erschüttert, die Bewohner mussten aus dem Gebäude fliehen. Jetzt müssen sich der griechische Wirt sowie drei weitere Angeklagte wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung beziehungsweise Anstiftung und Beihilfe hierzu vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten.

SABINE FÖRSTERLING

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ESSLINGEN Der 35-jährige Gastwirt aus Esslingen, der 42-jährige Grieche aus Leinfelden-Echterdingen, der 37-Jährige aus Serbien-Montenegro und der 23-Jährige beide wohnten bis zu ihrer Inhaftierung in Stuttgart waren sich vor der neunten Schwurgerichtskammer nur über eines einig: Menschen sollten bei dem geplanten Versicherungsbetrug nicht verletzt werden. Ansonsten gab es mehrere Versionen der Vorkommnisse. Zudem sollen zwei Unbekannte aus Belgrad an der Explosion Schuld sein.

Die Staatsanwältin geht indes von folgendem Geschehen aus: Der "Arena"-Pächter war hochverschuldet. Offiziell lief die Gaststätte auf den Namen seiner Frau, doch die Geschäfte gingen nicht gut. Der 35-Jährige soll beschlossen haben, die Gaststätte in Brand zu setzen, um die Versicherungssumme zu kassieren. Die Tat wollte der Familienvater jedoch nicht selbst ausführen. So soll er sich hilfesuchend an den 42-Jährigen, den er aus seiner zweiten Gaststätte in Leinfelden-Echterdingen kannte, gewandt haben. Dieser soll ihm den 37-Jährigen vermittelt haben. Die beiden hatten sich während der Haft in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim kennen gelernt. Der 37-Jährige heuerte nun seinen 23-jährigen Freund sowie zwei ihm nicht näher bekannte Männer aus Belgrad an. 20 000 Euro hatte der Gastwirt für die Tatausführung versprochen.

Nachdem mehrere Treffen stattgefunden hatten, fuhr der 23-Jährige seinen Freund sowie die zwei Unbekannten nach Esslingen. Während die Belgrader im Innern der Gaststätte Benzin verschütteten, warteten die Komplizen vor der Tür. Gegen 8.20 Uhr gab es eine gewaltige Explosion, bei der Verpuffung barsten Fensterscheiben, dicker Rauch stieg empor.

Fünf Minuten danach traf die Feuerwehr ein. In der Wohnung über der Gaststätte hatten sich fünf Erwachsene und vier Kinder, im angrenzenden Haus weitere fünf Personen aufgehalten. Alle konnten rechtzeitig flüchten. Der Sachschaden belief sich auf 250 000 Euro, den die Ehefrau des Wirtes alsbald versuchte, bei der Versicherung zu kassieren.

Rasch im Visier der ErmittlerDoch der Wirt geriet rasch ins Visier der Ermittler. Im Prozess ließ er durch seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen, ansonsten schwieg er. Der 42-jährige Mitangeklagte habe ihm zwar den 37-Jährigen vermittelt. Es sei aber nur darum gegangen, das Inventar zu zertrümmern. Eine Brandstiftung sei ihm zu gefährlich gewesen.

Der vermeintliche Vermittler hingegen wies dies entschieden zurück. Wochen vor der Tat habe er rein zufällig in einem Café in Bad Cannstatt den Wirt und den 37-Jährigen bekannt gemacht. Er habe zwar mitbekommen, dass die beiden über eine Brandstiftung geredet hätten. Doch es habe Bedenken gegeben. Später habe er noch zu dem Wirt gesagt, "schlag' dir das aus dem Kopf" und sei dann völlig überrascht gewesen, als es tatsächlich gebrannt hatte.

Der 37-Jährige beschuldigte seinerseits beide Griechen der Anstiftung und der Mitwisserschaft. Es sollte ein Einbruch vorgetäuscht und ein kleines Feuer gelegt werden. Der Wirt hätte ihm zugesichert, dass nichts passieren könnte, da die Räume über einen Feuerschutz verfügen würden. "Was soll das für eine tolle Einrichtung sein?", fragte sich der Vorsitzende Richter. Die beiden Männer aus Belgrad will der Angeklagte auf einem Gebrauchtwagenmarkt in Kornwestheim kennen gelernt haben. "Ich war geschockt, als alles plötzlich explodierte." Der Prozess wird morgen fortgesetzt.