Lokales

Die Schulen brauchen sehr viel Geld

Podiumsdiskussion des Kirchheimer Gesamtelternbeirats zur Kommunalwahl

Das Thema „Bildung“ stand im Mittelpunkt einer sachlichen Podiumsdiskussion in der Mensa des Kirchheimer Schlossgymnasiums. Vertreter aller sieben Fraktionen und Gruppierungen des Kirchheimer Gemeinderats stellten sich der Diskussion. Eingeladen dazu hatte der Gesamtelternbeirat der Kirchheimer Schulen.

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Andreas Volz

Kirchheim. Thomas Auerbach, der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats, der den Abend gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Christiane Bahlcke moderierte, freute sich über das große Interesse am Thema „Bildung“, das er als „eines der interessantesten in dieser Kommunalwahl“ bezeichnete. Allein die Aufgaben als Schulträger stellten die Stadt vor enorme Herausforderungen. So seien in den vergangenen zehn Jahren 25 Millionen Euro in Schulbauten investiert worden. In Zukunft stünden Investitionen in Höhe von 52 Millionen Euro an. Thomas Auerbachs vorläufiges Fazit lautete deshalb: „Würde der Gemeinderat wie bisher Geld in die Schulen stecken, würde es satte 20 Jahre dauern, bis der Investitionsbedarf gedeckt ist.“

Geld war denn auch immer wieder ein entscheidender Punkt in der Diskussion. So sagte etwa Tonja Brinks (SPD) zu konkreten Nachfragen nach einzelnen Projekten: „Das hängt alles mit Geld zusammen, das nicht vorhanden ist.“ Deshalb sei es auch sehr schwer, alle Schulen gleichzeitig zu bedienen. Thilo Rose (CDU) ergänzte das durch zwei konkrete Zahlen: Allein an den Schulen gebe es den besagten Bedarf von 52 Millionen Euro. „Insgesamt stehen uns aber für Investitionen jedes Jahr nur rund sechs Millionen Euro zur Verfügung.“

Während sich die Diskussionsteilnehmer an diesem Punkt weitgehend einig waren, gab es an anderen Stellen doch auch größere Unterschiede. Bei den Visionen für den Bildungsstandort Kirchheim im Jahr 2030 etwa sprach Hans Kiefer (CIK) vom längeren gemeinsamen Lernen, was auch Sabine Bur am Orde-Käß (Grüne Alternative) und Tonja Brinks unterstützten. Die Grünen-Stadträtin stellte sich für 2030 auch nationale Bildungsstandards vor sowie eine Kooperation zwischen Haupt- und Realschule als künftige „Basisschule“. Ihre SPD-Kollegin sprach sich außerdem für eine stärkere Integration von Kindern mit Behinderungen aus.

Dr. Silvia Oberhauser (Frauenliste) nannte als erste Vision die Chancengleichheit – unabhängig von der sozialen Herkunft – und danach „harmonische Räume“ mit genügend Platz, um sich als ganzer Mensch zu entwickeln. Ralf Gerber (Freie Wähler) meinte zunächst, dass er sich nach den Umwälzungen der vergangenen zehn Jahre nicht in der Lage sehe, Visionen bis 2030 zu entwerfen. Deshalb ging es ihm vor allem darum, die Bildungslandschaft so flexibel zu gestalten, dass sie jederzeit auf veränderte Rahmenbedingungen und Schülerzahlen reagieren könne. Letzteres war auch das Anliegen von Björn Ebert (FDP/KiBü), der sich zudem für ein Qualitätsmanagement an Schulen einsetzen möchte. Thilo Rose wiederum setzt auf die „Große Bildungsstadt Kirchheim“, sieht aber gerade in der Vielfalt des derzeitigen Schulsystems die Chance für „individuelle Förderung durch Differenzierung“. Chancengleichheit gelte dennoch, und zwar durch das Prinzip „Kein Abschluss ohne Anschluss“.

Schon an diesem Thema zeigte sich, dass Bildung nicht nur unter Kirchheimer Gesichtspunkten zu diskutieren ist, sondern auch immer wieder in Richtung Landespolitik weist. Das war bei den Vorstellungen für die nächsten fünf Jahre nicht anders, bei denen Björn Ebert an die „Campus-Lösung“ einer Kooperation von Haupt- und Realschule dachte, Silvia Oberhauser an einen beitragsfreien Kindergarten und Ralf Gerber an die finanzielle Beteiligung des Landes an solchen Kindergärten. Sabine Bur am Orde-Käß wünschte sich ein stärkeres Miteinander der Kirchheimer Schulen, Tonja Brinks eine Verbesserung des „teilweise verheerenden energetischen Zustands“ einzelner Schulen, und Thilo Rose sprach von einer Beschränkung der weiterführenden Schulen auf „wenige Standorte“.

Letzteres ging bereits in Richtung Schulentwicklungsplanung – ein Thema, bei dem sich auch Ralf Gerber eine schulartenübergreifende Kooperation als flexible Lösung vorstellen könnte. Sabine Bur am Orde-Käß ging es einerseits darum, mit der vorhandenen Bausubstanz zurechtzukommen, und andererseits darum, dass den Schülern auch noch Zeit für Freizeit bleibt. Tonja Brinks will die Schulentwicklung „offen diskutieren“ und nicht von vornherein unter der Vorgabe, dass zwei Hauptschulstandorte zu schließen sind. Thilo Rose denkt an Schulverbünde im Osten wie im Westen der Stadt, wobei sich wegen der jeweiligen Ortsrandlage die Jesinger Halde mit dem Schlossgymnasium und die Eduard-Mörike-Schule in Ötlingen am besten zu Schulzentren erweitern ließen.

Hans Kiefer möchte bei der Schulentwicklungsplanung über den Städtetag auch auf die Landespolitik einwirken. Björn Ebert sähe gerne die Verantwortung der Eltern gestärkt, wenn es um die Wahl der Schullaufbahn ihrer Kinder geht, während Silvia Oberhauser darauf verwies, dass der Gemeinderat mehr reagiert als agiert. So müsse die Stadt den Gymnasien über einen Schülerberg hinweghelfen, gleichzeitig mit dem Problem umgehen, dass es nicht genügend Schüler für vier Hauptschulen gibt, und notfalls auch reagieren können, sollte die Hauptschule ganz abgeschafft werden. Bei einer Sache war sie sich aber ganz sicher: „Die Freihof-Realschule wird bald die schönste Realschule weit und breit sein.“

Beim Thema „Werkrealschule“ herrschte auf dem Podium weitgehend Einigkeit, dass eine solche Einrichtung zwar nicht gewünscht ist, dass die Stadt Kirchheim aber aus Standort- und Wettbewerbsgründen nicht umhinkönne, eine solche Schule einzurichten, wenn sie von der Landespolitik verordnet wird. Einzig Björn Ebert sah in der Werkrealschule eine Möglichkeit zur Qualitätsverbesserung durch Wettbewerb, während sich Thilo Rose von der Werkrealschule viel verspricht – durch die Kooperation mit beruflichen Schulen. Deshalb verwendet er auch lieber den Begriff „berufliche Realschule“.

Zu Fragen aus dem Publikum sagten die Kandidaten fast übereinstimmend, dass die Ganztagsbetreuung weiter vorangetrieben werden muss und dass die Schule im Dorf bleiben soll. Das gelte aber in erster Linie für die Grundschule. Niemand wollte dagegen eine Hauptschulschließung kategorisch ausschließen. Andrerseits wehrten sich die Kandidaten mehr oder weniger heftig gegen den Vorwurf, die Stadt Kirchheim würde die Gymnasien vernachlässigen. Auf die Frage, wo in Zukunft der größte Handlungsbedarf bestehe, nannten fast alle die Teck-Realschule und die Konrad-Wider­holt-Schule.

Zur Auflockerung gab es zwischen den einzelnen Themenrunden jeweils Satzanfänge, die die Kandidaten fortsetzen sollten. Auf den Beginn „Als ich das letzte Mal an einer Schule war . . .“ erzählte Ralf Gerber von einem erschreckenden Erlebnis: Bei einem Bewerbertraining konnte von zwölf Schülern zwischen 15 und 17 Jahren niemand sagen, wie der Bundespräsident heißt. Auf die Frage nach der Einwohnerzahl der Stadt Kirchheim meldete sich nur einer. Mit 4 000 brachte er es gerade mal auf zehn Prozent der korrekten Antwort. Und den Namen des Stadtoberhaupts konnte ebenfalls keiner angeben. Wiederum gab nur ein einziger überhaupt eine Antwort. Möglicherweise stammte er aus Ötlingen, denn er nannte den Namen des dortigen Ortsvorstehers Kik.