Lokales

Die Schweden hängen an ihrer Krone

Schon seit knapp zehn Jahren ist Schweden Mitglied der EU. Politik und Gesellschaft sind allerdings nach wie vor sehr gespalten in Befürworter und Gegner der Union.

Manche Stimmen behaupten, der schwedische Beitritt, der mit der knappen Zustimmung von 52,3 Prozent 1994 vor dem Hintergrund der hartnäckigen Rezession zu Stande kam, sei mehr aus Not heraus als aus Begeisterung erfolgt. Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit im europäischen Binnenmarkt ähnlich wie in Norwegen wäre vielen Schweden lieber gewesen, um das schwedische Modell des steuer-finanzierten Wohlfahrtsstaates vor unliebsamen Einflüssen aus Euroland zu schützen. Auch der Erhalt der verteidigungs- und außenpolitischen Neutralität des Landes ist für viele Bürger entscheidend.

Per Referendum wurde klar gegen die Einführung des von der Regierung befürworteten Euros gestimmt. Die Gegner kamen auf 56,2 Prozent. Die Euro-Skeptiker hatten sich vier Tage nach der Ermordung der Außenministerin Anna Lindh, die vehement für den Euro gekämpft hatte, durchgesetzt. Das Nein der Schweden gilt als Niederlage des sozialdemokratischen Premierministers Göran Persson.

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Schweden übertrifft mit seinen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sämtliche von der EU Projektgruppe "Beschäftigung" aufgestellten Ziele: Die Arbeitslosenquote von 9,9 Prozent im Jahr 1997 konnte in fünf Jahren mehr als halbiert werden, auch die Langzeitarbeitslosenzahl wurde mehr als halbiert. Die Arbeitslosenquote stieg mittlerweile zwar wieder etwas an, ist jedoch gegenüber Euroland sehr günstig.

Mit einem Beitritt zur europäischen Währungsunion würde Schweden die eigene Zinspolitik aus der Hand geben und damit auch die Möglichkeit, das positive Wirtschaftswachstum langfristig zu sichern. Wie in Dänemark und Großbritannien ist auch in Schweden die emotionale Bindung an die 130 Jahre alte eigene Währung, die schwedische Krone, ein bedeutsames Kriterium der Ablehnung des Euros.

Ein völliger Austritt aus der EU, wie er von den echten EU-Gegnern gefordert wird, steht für die meisten schwedischen Bürger nicht zur Debatte, dazu haben sie sich schon viel zu sehr an die EU gewöhnt. Das nächste Referendum über den Euro wird es frühestens im Jahr 2013 geben, da die Persson-Administration das Votum der Bürger voll respektieren möchte.

Die schwedische Wirtschaft ihrerseits ist bemüht, den Beitritt zur Europäischen Währungsunion positiv darzustellen und emotionale Argumente durch rationale Beiträge zu ersetzen. Da Schweden in noch stärkerem Maß exportabhängig ist als Deutschland, sind Planungssicherheit und Verringerung des Wechselkursrisikos für die einheimische Wirtschaft sehr wichtig.

Falk Meyer, Andreas Boesen