Lokales

Die Sonne scheint nicht nur aufs Schuldach

Die Solarbundesliga der Deutschen Umwelthilfe feiert Geburtstag. Bereits zum fünften Mal wurde der bundesweite Solarmeister ermittelt. Bissingen war von Anfang an dabei und belegte 2005 den achtbaren 139. Platz von insgesamt 785 Teilnehmern. Damit liegt die 3 500 Seelen zählende Seegemeinde noch vor Nürtingen und Esslingen.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Der Anfang liegt sechs Jahre zurück: Nach einem Gemeinderatsbeschluss 1999 stellten sich in der Bissinger Gemeindehalle acht frischgebackene Arbeitsgruppen der Lokalen Agenda den Bürgern vor. Eine davon war die rund zehn Mitglieder starke Gruppe "Öko-Check" um Initiator Uli Berger. Gleich von Beginn an erkannte sie neben Brauchwassernutzung und Energieeinsparung auch die Wichtigkeit des Themas Solarnutzung. Die emsigen Umweltschützer entwickelten einen Fragebogen mit der Überschrift "Energiesparen in Bissingen" und steckten ihn in die Briefkästen. Anhand der Antworten stellten die "Öko-Check"ler fest, dass im Jahr 2000 rund 30 Solaranlagen auf Bissingens Hausdächer für warmes Wasser sorgten. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Die Mitglieder von Öko-Check rührten die Werbetrommel. Ein Jahr später fingen bereits über 60 Solar- und Photovoltaikanlagen in Bissingen und Ochsenwang die Energie der Sonne ein und wandelten sie um.

2001 landete die Solargemeinde Bissingen mit Platz 30 im Mittelfeld der von dem Fachblatt "Solarthemen" und der Deutschen Umwelthilfe initiierten Solarbundesliga und bundesweit in der Sparte Solarthermie sogar auf Rang 20, und hieb damit damals schon seinen Pflock vor Freiburg, Ulm und Nürtingen ein. Gerade mal 75 Kommunen nahmen die Konferenz von Rio ernst und an der Solarbundesliga teil. Das änderte sich im Lauf der Jahre. 2002 belegte Bissingen den 50. Platz von insgesamt 323 Rängen. Ein Jahr später stand die Seegemeinde auf Rang 87 von 512 an der Solarbundesliga teilnehmenden Städten und Ortschaften. Im vergangenen Jahr war Bissingen auf Platz 98 von 614 Kommunen zu finden und heuer flatterte "Solartrainerin" Gabi Goebel von "Öko-Check" die Urkunde der fünften Meisterschaft auf ihren Tisch: Bissingen stand an 139. Stelle von insgesamt 785 Teilnehmern, darunter Ebersbach (Rang 194), Bad Boll (275), Hochdorf (282), Nürtingen (294), Freiburg (296), Ulm (303), Esslingen (644) und Schlierbach (684).

Dass die Bissinger in der Solarbundesliga so weit vorne liegen, kommt nicht von ungefähr: In der Seegemeinde gibt es inzwischen 126 registrierte Anlagen, das bedeutet: auf jedem achten Dach der rund 1 000 Häuser wird die Sonne als kostenlose Energiequelle genutzt. Und es soll nicht bei diesen 126 Solar- und Geothermieanlagen bleiben. Weitere Bürger bekundeten Interesse an Photovoltaikanlagen.

Bereits im November 2001 ging die 18 Quadratmeter große zwei Kilowattpeak-Photovoltaik-Anlage auf dem Bissinger Schulturnhallendach ans Netz. Damals steuerte das Land aus dem Fördertopf "Sonne in die Schule" 6 000 Mark bei. Auch heute noch können die Schüler an der Hallenaußenwand auf dem von der Kreissparkasse gesponserten Display ablesen, was die Anlage an Strom produziert und wie viel schädliches Kohlendioxid dadurch eingespart wird.

Ein wichtiger Teil der Arbeit der Projektgruppe "Öko-Check" ist die Öffentlichkeitsarbeit. Seit ihrer Gründung informiert sie die Bissinger Bürger im Gemeindemitteilungsblatt über neue Solaranlagen auf Dächern der Seegemeinde und Themen wie erneuerbare Energien, Energieeinsparung und Klimaschutz. Dazu initiierte sie auch Volkshochschulvorträge in der Bissinger Schule.

Wie jüngst zu hören war, bildete sich nach dem Bissinger Vorbild inzwischen auch in Kirchheim eine neue Agendagruppe "Energie", die in ihrer ersten Sitzung unter anderem die Vorreiterrolle der Stadt betonte. Dabei ging es auch darum, den Klimaschutz und die Nutzung erneuerbarer Energien in den Bebauungsplänen zu berücksichtigen. Dies ist ein schon lange gehegter Wunsch der Bissinger "Öko-Check"-Gruppe: "Häuslesbauer in einem künftigen Neubaugebiet sollten sich verpflichten, eine umweltfreundliche Solar- und Photovoltaikanlage aufs neue Dach zu setzen," meint Gabi Goebel.

Im bayrischen Rettenbach am Auerberg gibt es übrigens darüber keine große Debatten. Das Dörfchen auf Platz eins in der Solarbundesliga zählt 700 sonnige Seelen. Auf jedem Haus- und Schuppendach prangt dort eine Solaranlage. Dafür steigt der Schultes selbst den Rettenbachern aufs Dach. Er ist offensichtlich schwindelfrei.