Lokales

Die Sorge um die Zukunft der Gesellschaft

Über 400 Landfrauen versammelten sich in der großen Festhalle in Beuren anlässlich des Treffens der Nürtinger Bezirksgruppe des Landfrauenvereins. Alle 18 Ortsvereine des Bezirks waren vertreten, von Dettingen über Kohlberg bis Hepsisau. Zentrales Thema der Veranstaltung war das Problem der Überalterung unserer Gesellschaft.

BEUREN Frank Schirrmacher hat offensichtlich mit seinem Buch "Das Methusalemkomplott" bei den Landfrauen die Sorgen um die Zukunft geschürt. Auf der Bezirksveran-staltung wurde nicht nur die übliche Frage laut, wer denn in Zukunft die Renten bezahlen solle. Im Mittelpunkt des Programms stand ein Vortrag der Präsidentin des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg, Dr. Gisela Meister-Scheufelen, zum Thema "Eine Gesellschaft ohne Kinder eine Gesellschaft ohne Zukunft".

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Mit wissenschaftlich fundierten Prognosen überzeugte sie die Anwesenden von der bedrohlichen Entwicklung der Bevölkerungszahlen. Für die promovierte Statistikerin gibt es keine einfachen Erklärungen für die rückläufigen Geburtenraten. Es gehe nicht nur um die Probleme der Kinderbetreuung oder um die Berufstätigkeit der Frauen. Länder mit höheren Erwerbstätigkeitsquoten unter Frauen hätten mehr Kinder als Deutschland. Zutreffender seien Argumente, die den Wertewandel, die Pluralität der Lebensformen, den Zukunftspessimismus und die finan-ziellen Schwierigkeiten junger Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Dr. Gisela Meister-Scheufelen blickt trotz der harten Fakten optimistisch in die Zukunft, da sich die Deutschen inzwischen intensiv mit dem Thema auseinander setzen und sich auf die Bedeutung einer kinder-freundlichen Gesellschaft besinnen.

Die zunehmende Alterung der Gesellschaft geht auch am Landfrauenverein nicht spurlos vorüber. Der Altersdurchschnitt vieler Ortsvereine liegt über 60, das Anwerben junger Mitglieder gestaltet sich schwierig. Dennoch konnte auf dieser Bezirksveranstaltung wieder einmal bewiesen werden, wie aktiv, humorvoll und kritisch Landfrauen sein können. Mit einem humorvollen schwäbischen Gedicht griff Margret Mauthe das Thema der Überalterung auf. Dank ihrem treffsicheren Witz waren ihr die Lacher sicher. Die drohenden Probleme sahen gar nicht mehr so unüberwindbar aus, denn sie lieferte auch erste Anregungen, was man als ältere Frau noch zur Verjüngung der Gesellschaft beitragen kann.

Gerade diese Art des bürgerschaftlichen Engagements hatte der Bürgermeister von Beuren, Erich Hartmann, zuvor in seiner Ansprache gelobt. Ohne die Landfrauen wären viele lokale Veranstaltungen in Beu-ren gar nicht möglich. Sie leisten ihm zufolge einen großen Beitrag zur lebendigen Dorfgemeinschaft und setzen das Leitthema der Landfrauen für das Jahr 2004 Lebendige Demokratie lernen und leben in die Tat um. Sein besonderer Dank galt der Bezirksvorsitzenden Doris Bopp und der Vorsitzenden des Ortsvereins Beuren, Doris Schnerring, die für die Organisation der Veranstaltung zuständig war.

Geehrt wurde auch Monika Deyle, Ortsvorsitzende in Kohlberg, die dieses Jahr für ihr Engagement von Ministerpräsident Erwin Teufel mit der Landesehrennadel ausgezeichnet worden war. Trotz des ernsten Themas kamen das leibliche Wohl, die Musik und die Kunst nicht zu kurz. Den Auftakt gestalteten acht Kinder der Musikschule Beuren. Sie brachten mit ihren Blockflöten die 400 Frauen im Saal zum Singen. Ein weiterer musikalischer Höhepunkt waren drei Duos für Violine und Viola von Wolfgang Amadeus Mozart, die Anja und Daniela Ullrich souverän und mit bezaubernder Leichtigkeit vortrugen. Nach ihnen folgte der Blickfang des Tages, die Kinderbauchtanzgruppe des Ortsvereins Neidlingen unter Leitung von Sabine Hepperle. Sie entführten die Landfrauen für einige farbenfrohe Momente in orientalische Sphären.

Mit weniger glitzernden Ketten und schwingenden Hüften boten später die Damen vom Ortsverein Frickenhausen ebenfalls eine auflockernde Tanzeinlage. Insgesamt war der Nachmittag eine gelungene Mischung aus nettem Beisammensein, musikalischer Unterhaltung und politischer Diskussion. Die drohende Vergreisung der Gesellschaft blieb im Bewusstsein der Vereinsmitglieder.

Doch die Landfrauen gingen an diesem Nachmittag nicht etwa pessimistisch aus dem Festsaal hinaus. Vielmehr verließen sie ihn mit gesteigerter Motivation, sich weiterhin einzubringen und die Zukunft ihrer Ortschaften nach Möglichkeit mitzugestalten.

son