Lokales

Die Spuren der Jets über dem Neckar

Flugsicherung bietet den direkten Zugriff auf An- und Abflüge im Internet

Der Blickkontakt kann täuschen: Kurven Jets über die Autobahn auf die Landebahn ein oder schon über Denkendorfer Ortsgebiet aus? Wer es genau wissen möchte, kann das jetzt: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) stellt die Flugspuren aller größeren Maschinen seit Januar ins Internet. Unter www.dfs.de kann man einzelne Flüge – aktuelle mit einer halbstündigen Verzögerung – oder die gesammelten Spuren am Flughafen Stuttgart für bestimmte Zeiträume abrufen.

Hans-Joachim Hirrlinger

Kreis Esslingen. Die Plochinger Bürgerinnen und Bürger dürften es per Sichtkontakt schon längst wissen: Bei Ost-Starts drehen zahlreiche Maschinen schon über dem Neckartal zwischen den Städten Wernau und Wendlingen nach Süden ab. Die Flugspuren des 15. März machen das auch für weiter entfernte Nachbarn der Flugkorridore sichtbar.

Die West-Starts der beiden folgenden Tage zeigen, dass manche Flugzeuge schon kurz nach der Startbahn des Stuttgarter Flughafens nach Süden und Norden abdrehten und dabei die Landeshauptstadt und Plattenhardt oder Bonlanden überflogen. Das bestätigt manche Urteile von Bewohnern der Filder oder Klagen aus dem Neckartal.

Häufig beschweren sich Anwohner darüber, dass Flugzeuge zu niedrig fliegen. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung sind solche Schätzungen nach Sicht in 99 Prozent der Fälle falsch. Das Startverhalten sei festgelegt, die sogenannte Streckenfreigabe erfolgt in der vorgeschriebenen ersten Flughöhe, die meist zwischen 4000 und 5000 Fuß über Meereshöhe liegt (1000 Fuß sind 330 Meter). Möglich sind laut DFS auch sogenannte Directs: Das vorzeitige Verlassen der Sollroute kann vom Piloten angefordert und vom Lotsen genehmigt werden. Solche Directs seien international üblich.

Treibstoff-Schnellablässe gibt es dagegen kaum. Das kontrollierte Ablassen kommt in der Regel nur bei Langstreckenjets vor, die kurz nach dem Start wieder landen müssen. Das begründet die Deutsche Flugsicherung damit, dass der Unterschied zwischen maximaler Abflugmasse und höchstzulässiger Landemasse des Flugzeugs zu groß ist. Dann seien Fahrwerkstruktur und Bremsen überfordert, die Landerollstrecke werde zu lang. Wenn genügend Spielraum vorhanden sei, werde dem Piloten dafür vom Lotsen ein bestimmtes Gebiet mit einer Mindesthöhe von 6000 Fuß zugewiesen. Zahlreiche Untersuchungen hätten festgestellt, dass dann am Boden die Belastungsgrenzen durch Kerosin eingehalten würden.

Pro Jahr registriert die DFS bundesweit etwa 40 Fälle von Treibstoffablässen bei etwa 1,1 Millionen Starts im gewerblichen Luftverkehr. Oft würden Kondensationsfahnen an den Tragflächenenden als Treibstoffablass interpretiert. Dieser Wasserschleier entsteht durch den Druckausgleich zwischen Unterdruck an der Oberseite der Tragfläche und Überdruck an der Unterseite, verbunden mit einem Temperaturabfall. Der führt zur Kondensation bei hoher relativer Luftfeuchte.

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