Lokales

Die Stadt Kirchheim soll familienfreundlicher werden

Kirchheim soll familienfreundlicher werden. Wie das konkret aussehen soll? Darüber diskutierten am Samstag zahlreiche Familien und Vertreter von Vereinen und der Stadtverwaltung beim Agenda-Forum in der Alleenschule.

MONIKA RIEMER

Anzeige

KIRCHHEIM Es sollte schwerpunktmäßig um Spielräume gehen. Zum einen die Orte zum Spielen und zum anderen um die Spielräume im übertragenen Sinne, die mehr Zeit und mehr Möglichkeiten zur Lebensgestaltung verheißen. So versammelte sich eine bunte Truppe in der Aula der Alleenschule: rund 50 Erwachsene Mütter, Väter, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Vertreter von Vereinen und verschiedenen Kirchheimer Einrichtungen. Dazwischen wuselten 30 Kinder und brachten ordentlich Bewegung in den Raum.

Die Teilnehmerin Susanne Hermann erhofft sich von der Veranstaltung selbst etwas bewegen zu können. Außerdem interessiert sich die Mutter zweier Kinder für die Meinung der anderen. Ulrich Kugel, Elternvertreter an der Grundschule Jesingen, möchte nach Lösungen suchen, für Bereiche, für die die Stadt künftig weniger Geld bereitstellt. Familie Funke möchte Verbesserungsvorschläge erarbeiten, die sich konkret umsetzten lassen.

Zur Beginn zog Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, die die Teilnehmer begrüßte, zunächst eine Bilanz des Agenda-Prozesses in Kirchheim und wünschte allen "eine interessante und wegweisende Arbeit, damit die Kinderfreundlichkeit in Kirchheim gedeihen kann." Anschließend gab Bert Hauser vom Deutschen Familienverband seinen Zuhörern einige durchaus provokative Thesen mit auf den Weg. Die Geschichte der Familienpolitik sei eine Geschichte der Wählertäuschung. Statt hilfreicher Unterstützung und Anerkennung erhielten Mütter und Väter oft nur Spott, Mitleid oder eben Sozialhilfe. Hauser forderte die Familien auf: "Sie müssen sich zusammenschließen!" Das taten die Anwesenden zunächst in vier Arbeitsgruppen. Die Kleineren beschäftigten sich derweil mit Spielplatzgestaltung, die etwas Größeren gingen auf Fotopirsch in der Stadt.

Das Ergebnis knapp vier Stunden und ein Mittagessen später konnte sich sehen lassen. Die erste der Arbeitsgruppen beschäftigte sich mit den idealen Rahmenbedingungen für Kinder. Als Kernthema entpuppte sich hier die qualitative Betreuuung des Nachwuchses. Ein Netz geknüpft aus Familie, Schule, Kindergärten, Tagesmüttern, Jugendhaus, Vereinen, Kirchen und dem sozialen Dienst soll dafür sorgen, dass Eltern und Kinder nicht alleine gelassen werden. Dazu ist es notwendig, dass sich alle an einen Tisch setzen, um die unterstützende und individuelle Betreuung zu sichern.

Auch der nächsten Gruppe, die sich mit Spielräumen aller Art auseinandersetzte, war die Betreuung wichtig, ob es nun um Betriebskindergärten oder um die stundenweise Betreuung von Kindern bei Einkauf oder Zahnarztbesuch geht. Dazu kommt die Förderung bezahlbaren und lebenswerten Wohnraumes, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder auch die Unterstützung familienfreundlicher Unternehmen. Für die Stadt könnte das heißen, dass sie die Familienförderung überdenkt, indem sie neue Schwerpunkte setzt. Vor allem soll es möglich sein, die Verbesserung mit vorhandenen Mitteln zu erzielen. Auch indem man die Ansprüche an manche Leistungen senkt, könne man die Zufriedenheit steigern. Kinder und Jugendliche sollten sich überdies mehr in solche Prozesse einbeziehen können. Netzwerke und Möglichkeiten zum Informationsaustausch, Leitfäden und verbesserte Internetseiten sollen Erziehenden und Kindern zur Seite stehen.

Um wünschenswerte Orte für Familien drehte sich die Arbeit in der dritten Gruppe. Zunächst bewerteten die Teilnehmer die Kirchheimer Kinderkarte und die Vorarbeit der Stadt durchaus positiv. Dazu forderten sie mehr stadtnahe Grünflächen, um nicht ins Auto sitzen zu müssen, ein Abenteuerspielplatz in der Stadt, bespielbare Schulhöfe außerhalb der Unterrichtszeit und vor allem die Möglichkeit, am Wasser zu spielen und zu matschen. Ein Kindercafé für schlechtes Wetter, mehr Treffpunkte für Jugendliche und familienfreundliche Öffnungszeiten, etwa der Stadtbücherei am Samstagnachmittag, standen mit auf der Wunschliste. Für das Problem Müll und Zerstörungswut auf Spielplätzen sollte es überall Schilder mit Telefonnummern geben, bei der jeder, wie beim Scherbentelefon solche Ärgernisse melden kann.

Was braucht nun Kirchheim, um auch in Zukunft familienfreundlich zu sein? Die letzte Gruppe forderte hierfür sicherere, kindgerechtere Verkehrswege, Schülerlotsen an kritischen Stellen und einen Familienbeirat, begleitend für den Gemeinderat. So weit die Anliegen der Eltern. Doch was ist nun den Kindern wichtig? Zwei Mitarbeiter des Jugendhauses Linde erarbeiteten gemeinsam mit den Kindern deren Anliegen. Mit Watte, Pappe, Filz, Holz, Klebstoff und Farbe bastelten die Kleineren Modelle ihrer Traumspielplätze. Viel Wasser, Teiche und Bachläufe, Bäume, ein Fußball- oder Basketballfeld, Feuerstellen und vor allem viel Platz so die Wünsche der Buben und Mädchen. Die älteren Kinder dokumentierten mit der Kamera, was ihnen gefällt und was nicht. Die Präsentation geriet zur Stadtführung der besonderen Art. "Schön an Kirchheim sind die alten Häuser, der Spielplatz im Schlossgraben, Buch-, Spielzeug- und Bonbonladen."