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"Die Stadt Wendlingen hat Millionen verschenkt"

Der Elternbeirat und der Förderverein der Ludwig-Uhland-Schule in Wendlingen üben harte Kritik an Stadtverwaltung und Gemeinderat. Beim Bemühen, Fördermittel für die baulichen Voraussetzungen zur Schaffung einer Ganztagesschule an der Ludwig-Uhland-Schule und der Anne-Frank-Schule zu erhalten, habe die Stadtverwaltung viel zu spät reagiert.

CHRISTA ANSEL

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WENDLINGEN Millionen von Fördermitteln wurden verschenkt, kritisieren die Elternvertreter und hoffen jetzt, dass die Stadt an einem zweiten Antrag auf Ausweisung zur Schule im sozialen Brennpunkt festhält und so wenigstens die bis zu sieben Lehrer-Deputatstunden pro Klasse in Anspruch nimmt. Die Behauptung Bürgermeister Zieglers, die Stadt habe vom Oberschulamt stets das Signal erhalten, der Wendlinger Antrag werde berücksichtigt, wurde von Martin Richter vom Referat Schule und Bildung beim Regierungspräsidium Stuttgart entschieden zurückgewiesen.

Die Stadt Wendlingen habe, wie alle anderen Schulträger, immer gewusst, dass es beim Förderprogramm für Ganztagesschulen IZBB (Investitionsprogramm Zukunft, Bildung Betreuung) des Bundes nach dem Windhundprinzip gehe, betonte Martin Richter vom Referat Schule und Bildung des Regierungspräsidiums Stuttgart. Dort wurden mit der Verwaltungsreform die Oberschulämter integriert. Wendlingen, betonte der Mitarbeiter im Referat Schulhausbau und -planung, habe nie irgendwelche Zusagen erhalten. Die Richtlinien für die Fördermittel aus dem IZBB-Programm lägen den Schulträgern vor. In diesen Richtlinien heißt es wörtlich: "In den Folgejahren 2004 bis 2007 sollen die Anträge bis 31. Januar des jeweiligen Jahres dem Oberschulamt vorgelegt werden. Das Oberschulamt entscheidet über die Anträge in der Reihenfolge ihres Eingangs und erteilt die Bewilligungsbescheide."

Anders verhält es sich mit einem zweiten Antrag, dem auf Aufnahme der Wendlinger Hauptschule in ein Programm des Landes für Schulen im sozialen Brennpunkt. Schon 2002 habe das Land eine Liste von Schulen, die als Brennpunktschule einzustufen seien, aufgestellt. Die Wendlinger Ludwig-Uhland-Schule sei in diese Liste aufgenommen. Allerdings gebe es im Rahmen dieses Programmes keine finanziellen Mittel für den Schulhausbau, sondern Förderung durch die Zuteilung von fünf bis sieben Deputatstunden pro Klasse. Eine der Voraussetzungen sei das Angebot eines Mittagessens in der Schule. Die Entscheidung des Wendlinger Antrags liege beim Kultusministerium und stehe noch aus.

Während das Land den Fördertopf des Bundes für alle Schularten geöffnet hatte, steht die Förderung über Lehrerstunden für Schulen im sozialen Brennpunkt durch das Land weitgehend nur den Hauptschulen offen. Viele Schulen hätten allerdings beide Fördermöglichkeiten miteinander verknüpft und für ihre Einrichtung genutzt. Und genau das hätten sich auch die Elternbeiräte und die Mitglieder des Fördervereins der Ludwig-Uhland-Schule gewünscht.

Heike Knab (Elternbeiratsvorsitzende) und deren Vorgängerin Gerlinde Schwarz, Thessy Kiesler (Vorsitzende des Fördervereins) und Jutta Rack (Kassierin) üben harte Kritik an der Stadtverwaltung und am Gemeinderat. Im Elternbeirat und Förderverein sei man entrüstet, ja wütend, dass Wendlingen Millionen an Zuschüssen verschenkt habe. Dabei sei es für die Wendlinger Hauptschule und die Förderschule so wichtig, über die Einrichtung einer Ganztagesschule endlich den Rahmen zur Förderung der Schüler zu erhalten, der notwendig sei, um die vielen Defizite der Gesellschaft heute auffangen zu können.

Wendlingens Gemeinderat, so die Meinung der vier Vertreterinnen der Ludwig-Uhland-Schule, glaube immer noch, durch Aussitzen von Problemen Folgekosten sparen zu können. Das gelte aber doch nur für berechenbare Folgekosten, nicht für die Kosten, die entstehen, wenn ungelöste soziale Probleme ausuferten. Was Wendlingen praktiziere sei eine Vogel-Strauß-Politik. Leider habe man mit einer verspäteten Antragstellung jetzt die große Chance vertan, mit einem Antrag zwei Schulen, die Hauptschule und die Förderschule, zur Ganztagesschule umzuwandeln. Immerhin habe die Möglichkeit bestanden, 90 Prozent der Baukosten vom Bund finanziert zu bekommen.

Wichtig ist den Frauen der Hinweis auf die zwei unterschiedlichen Fördertöpfe des Landes und des Bundes. Herausgefallen durch zu späte Antragstellung ist Wendlingen jetzt aus der Förderung der Baukosten. Der Antrag für ein Landesprogramm für Schulen im sozialen Brennpunkt sehe die Förderung solcher Schulen über mehr Lehrerstunden vor. Diese Landesförderung für Schulen im sozialen Brennpunkt bestehe seit 2001. Seit diesem Jahr habe die Schule mehrfach auf diese Fördermöglichkeit hingewiesen und ein erstes pädagogisches Konzept ausgearbeitet. Dieses Landesprogramm ermöglicht die Zuweisung von bis zu sieben Lehrerstunden pro Klasse im Hauptschulbereich.

Schule, Elternbeirat und Förderverein hätten schon früh den Schulträger gedrängt, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Mit dieser Förderung hätte längst realisiert werden können, dass die Ludwig-Uhland-Schule ein Mehr von bis zu 77 Lehrerstunden pro Woche erhalten hätte. Die Problematik, dass seit diesem Schuljahr die beiden Fünfer-Klassen mit 33 Schülern unterrichtet werden müssten, hätte sich so leicht aus der Welt schaffen lassen.

Nicht verstehen wollen die Frauen, warum Stadt und Gemeinderat nicht schon 2002 oder spätestens 2003 entsprechende Anträge gestellt haben. Mit Blick auf die Kommunalwahlen 2004 fühlen sich die Vertreterinnen des Elternbeirats und des Fördervereins betrogen. Alle Fraktionen hätten sich die Ganztagesschule aufs Programm geschrieben, aber jetzt nichts dazu getan, die Chance auf Fördermittel auch zu nutzen.

Jetzt erwarteten die Eltern wenigstens, dass der Schulträger am zweiten Antrag auf Förderung als Schule im sozialen Brennpunkt festhalte und die Ganztagesschule auch ohne die finanzielle Förderung durch den Bund verwirkliche. In die Erwartung eingeschlossen ist auch die Umsetzung der seit Jahren anstehenden Sanierungsarbeiten. Die Schule werde seit 2001 hingehalten und vertröstet. Jetzt schon fehlender Schulraum von rund 400 Quadratmetern sei unbestritten, wurde vom Oberschulamt bereits im Jahr 2002 dem Schulträger bestätigt.

Der bauliche Zustand der Ludwig-Uhland-Schule sei miserabel, Sicherheitsvorschriften würden außerdem missachtet. Im Winter sei die Heizung erneut ausgefallen, der neue Fußboden beschränke sich noch immer auf ein Musterzimmer. Lediglich die Fenster seien saniert worden, nachdem akute Unfallgefahr bestanden habe.