Lokales

Die Stadtgründung beschnitt alte Siedlungsstrukturen

Rainer Laskowski stellte auf dem Kornhaus-Kolloquium den Vortrag von Uwe Gross zur Besiedlung Kirchheims vor

Die Besiedlung Kirchheims hat ursprünglich nicht in der heutigen Altstadt begonnen. Das Areal innerhalb der Alleenstraße hat erst mit der Stadtgründung im 13. Jahrhundert seine zentrale Bedeutung erlangt.

Andreas Volz

Kirchheim. Beim archäologischen Kolloquium im Kornhaus hätte Dr. Uwe Gross aus Esslingen über die früh- und hochmittelalterliche Besiedlungsgeschichte Kirchheims vom 6. bis zum 12. Jahrhundert sprechen sollen. Moderator Dieter Planck zufolge ist Uwe Gross „einer der hervorragenden Kenner der südwestdeutschen mittelalterlichen Keramik“. Wegen Erkrankung des Referenten war allerdings Museumsleiter Rainer Laskowski die Aufgabe zugefallen, dessen Vortrag vorzustellen.

Der Vortrag begann mit frühalamannischen Fundstellen aus dem 4. und 5. Jahrhundert in der heutigen Charlottenstraße. Auch die folgende Merowingerzeit sei in Kirchheim durch Grabungsfunde gut fassbar. Einen bedeutenden Siedlungskomplex in Kirchheim bilde das Schlachthofareal mit der Kolbstraße und der Schülestraße. Diese Gegend bezeichnete Rainer Laskowski im Gross-Vortrag denn auch als „Altsiedelland“.

In karolingischer Zeit seien für Kirchheim keramische Importe aus dem Oberrheinraum bei Rastatt nachgewiesen. Rund 300 Jahre später, im 12. Jahrhundert, fänden sich dann Töpfe und Kannen „verschiedener Warenarten“, was wohl einerseits an weiterreichenden Handelsverbindungen liegen mag, andererseits aber auch an der größeren Anzahl an Funden aus dieser Zeit. Gegenstände des täglichen Lebens aus Eisen fanden sich in Kirchheim ebenfalls, etwa zwei Schlüssel des 10. Jahrhunderts aus dem Schlachthofareal. Pfeilspitzen aus der Röntgenstraße zeigten „die geläufige Form der Merowingerzeit“, sollten aber nach der Fundumgebung eher jünger sein.

Ein Beinkamm schließlich wird wegen der „Begleitkeramik“ auf das 8. oder frühe 9. Jahrhundert datiert. Demzufolge müsste also eine „ältere Kammform“ in der Karolingerzeit weitergelebt haben. Aus Bein sind auch Plättchen, die in der Jahnstraße gefunden wurden und die man bei der Brettchenweberei verwendet hat. Von der Textilherstellung zeugen noch weitere Funde: Knochennadeln, Ton-Gewichte des stehenden Webstuhls oder auch Glättsteine zur Verarbeitung von fertigem Gewebe.

Gebäude seien nur nachzuweisen, wenn es Grubenhäuser waren oder wenn sie über einen Keller verfügten: „Es ist noch nicht gelungen, in Kirchheim Grundrisse von ebenerdigen Gebäuden zu fassen.“ Siedlungen habe es beiderseits der Lauter gegeben. Allerdings sei lange Zeit nicht von einer dichten Besiedlung auszugehen, sondern eher von einzelnen Gehöften. Die Stadtgründung im 13. Jahrhundert und der Bau der Stadtmauer hätten alte Siedlungsstrukturen beschnitten. Viel archäologisches Material sei dadurch verloren gegangen.

Anzeige