Lokales

Die Tiere können die Menschen lehren

Der Hubertustag am 3. November ist für Jäger ein Feiertag. Er ist Anlass für einen festlichen Gottesdienst, für die Hubertusmesse. Heuer zelebrierten die Jagdhornbläser der Jägervereinigungen Nürtingen und Kirchheim in der Oberlenninger Sankt Martinskirche diese traditionsreiche Messe unter der musikalischen Leitung von Eberhard Beck und Huldreich Müller.

ERIKA HILLEGAART

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LENNINGEN Der katholische Pfarrer Hubert Barth predigte an diesem Abend; die Liturgie gestaltete der evangelische Ortspfarrer Karlheinz Graf. Der Chor der Plesshörner gab von der Empore herab das Jagdsignal zum rituellen Einzug der Geistlichen und der Parforcehornbläser in ihren schmucken Jankern. Diese eröffneten den Gottesdienst.

Mit der Jagdmusik des Komponisten Reinhold Stief feierte Oberlenningen und seine zahlreichen Gäste die Messe zur Ehre des heiligen Hubertus. Der leider jung verstorbene Musiker Reinhold Stief gab in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts der Tradition der Hubertusmesse neue Impulse. Seine Fanfaren und Melodien gehören heute zum festen Repertoire vieler Bläsergruppen.

So gelang es auch an diesem Abend, die Gottesdienstbesucher mit dem Brauchtum der Jäger bekannt zu machen und die Musik dieser Zunft zu pflegen. Es erklangen Reinhold Stiefs Kompositionen und Bearbeitungen von deutscher, französischer und böhmischer Jagdmusik und Fanfaren in der alten Sankt-Martin-Basilika.

Der Kirchenraum war reich geschmückt nach altem Brauch, mit Bäumen und symbolträchtigen Dingen von Wald und Flur. Halali der Jagdruf ist uralt, ein französisches "Hal a lui hetz auf ihn den Hirsch."

Um einen besonderen Hirsch dreht sich die Hubertuslegende: Der Bischof von Lüttich sei in jungen Jahren während einer Jagd am Feiertag durch das Erscheinen eines Hirsches mit goldenem Kreuz zwischen dem Geweih zur Buße geführt worden. Nach sieben Jahren in stiller Waldeinsamkeit wurde er so erzählt die Legende über den Schutzpatron der Jäger Schüler des Bischofs Lambertus und dessen Nachfolger. Durch seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit sei das ganze Gebiet der Ardennen christianisiert worden.

Diese Legende seines Namenspatrons holte der katholische Geistliche Hubert Barth in seiner Ansprache in die Gegenwart. Auftrag und Beruf lasse den Jäger teilhaben an der Bewahrung der Schöpfung. Er begegne der Natur mit Ehrfurcht und Dank. "Weltweit gilt es, die Naturreservate vor der Zerstörung zu bewahren," ermahnte der Geistliche. Tiere könnten wie der Hirsch in der Legende die Menschen lehren, nicht gedankenlos um der Vergnügungen und des Gewinnstrebens willen die Natur zu zerstören.

Der evangelische Ortspfarrer Karlheinz Graf ermutigte, sich zu öffnen für die stets neu zu entdeckende Schöpferkraft Gottes. Er wünschte, dass Musik und Predigt nachklingen werde. Die große ökumenische Gemeinde sang Choräle, von Emma Vetter an der Orgel begleitet, sang Kirchenlieder, die den Schöpfer preisen: "Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke." Vom Kyrie bis zum Agnus Dei verliehen die Bläser der Messe Weihe und Würde. Volksnah und erhaben beeindruckte der Klang der Parforcehörner, hallte der Glockenchoral, ertönte der Hubertusmarsch.

Und wiederum gaben die Plesshörner das Jagdsignal zum zeremoniellen Auszug. Dieser stattliche Chor der kleinen Hörner auf der Orgelempore schienen im Wettstreit mit den trompetenden Engeln der Barockorgel zu wetteifern. Ein prächtiger Anblick!

Zum schmückenden Waldesgrün in der romanischen Kirche war das Abendlied stimmig: "Nun ruhen alle Wälder. . . ihr aber meine Sinnen, auf, auf ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt," neu geweckt durch Predigt und Brauchtum der Hubertusmesse.