Lokales

Die Tücke der Dachneigungen

Gemeinderat verändert und billigt den Bebauungsplanentwurf „Steingau“ – 13 neue Bauplätze

Knappe zwei Stunden lang hat die Vorstellung des Bebauungsplans „Steingau“ den Neidlinger Gemeinderat in Atem gehalten. Vor allem Dachneigungen und Maximalhöhen sorgten für Diskussionen. Doch dem Kompromiss stimmten am Ende alle einstimmig zu.

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Peter Dietrich

Neidlingen. Wo einst ein zweiter Friedhof entstehen sollte, will die Gemeinde Neidlingen nun 13 neue Bauplätze zur Verfügung stellen. Jeder darf mit maximal zwei Wohneinheiten bebaut werden. Im Nordosten grenzt das neue Wohngebiet „Steingau“ an die Widerholtstraße, die südwestliche Grenze markiert den Beginn des Landschaftsschutzgebiets. Eine fünfeinhalb Meter breite Straße, die sich Autos, Radfahrer und Fußgänger gleichberechtigt teilen, sorgt für die interne Erschließung der neuen Einzel- und Doppelhäuser.

Weil die Gemeinde den Bauherren Freiraum lassen will, legte sie die ­Firstrichtungen nicht fest. Acht Meter hoch dürfen die Häuser maximal werden, die maximale Traufhöhe liegt bei 4,50 Meter. Satteldächer, so sah der vom Planungsbüro erstellte Entwurf des Bebauungsplans vor, sollten zwischen 20 bis 35 Grad steil sein. Diese Summe der Vorgaben empfand die Gemeinderätin Petra Feller (NWV), von Beruf Architektin, jedoch als „zu enge Festlegung“. Sie setzte sich schließlich mit ihrem Vorschlag durch, auch Dachneigungen bis 40 Grad zuzulassen. Dies, so das Argument, führe zwar zu weniger Platz im Inneren, werde aber von manchen Bauherren aus Kostengründen bevorzugt.

Pultdächer werden im neuen Baugebiet ebenfalls erlaubt sein. Unbedingt vermeiden wollte Bürgermeister Rolf Kammerlander jedoch, dass es dadurch eine acht Meter hohe Seitenwand gibt: „Wir müssen die Interessen der Nachbarn berücksichtigen.“ Der optisch gefällige Vorschlag von Planer Manfred Mezger, die acht Meter Höhe bei Pultdächern nur mit zwei Metern Abstand zur Fassade zuzulassen, stieß im Gemeinderat auf wenig Gegenliebe – denn er führe zu einer teuren Bauweise. Mezgers Vorschlag blieb nach einigem Hin und Her dann doch bestehen, wurde jedoch um eine zusätzliche Alternative ergänzt: Ein durchgängiges Pultdach von Fassade zu Fassade ist nun ebenfalls möglich, aber nur mit einer maximalen Gebäudehöhe von 6,50 Metern. Außerdem beschlossen die Gemeinderäte, bei Pultdächern grundsätzlich eine Traufhöhe von 5,50 Metern zu erlauben, also einen Meter mehr als beim Satteldach.

Garagen und Stellplätze sind auch außerhalb der festgelegten Baugrenzen möglich. Vor Garagen und überdachten Stellplätzen sind fünf Meter Stauraum vorgeschrieben. Damit soll vermieden werden, dass Autos kurzfristig auf öffentlichen Flächen abgestellt werden. Plätze und Wege müssen wasserdurchlässig sein, Garagen mit Flachdach müssen begrünt und bepflanzt oder als Terrasse gebaut werden. Die Hauptgebäude dürfen nur rot, rotbraun, braun und anthrazitfarben gedeckt werden. Pro Grundstück muss ein hochstämmiger, einheimischer Baum angepflanzt werden. Die Grundflächenzahl von 0,4 besagt, dass bis zu 40 Prozent der Fläche bebaut werden dürfen. Zusätzlich sind außerhalb der Baugrenzen Nebengebäude, zum Beispiel Fahrradschuppen, bis zu insgesamt 20 Kubikmetern erlaubt.

Zur Beziehung des geplanten Baugebiets zu den Sportanlagen Benzwang und der Reußen­steinhalle und zum landschaftlichen Anwesen Ziegelhütte hat die Gemeinde Gutachten in Auftrag gegeben. Ergebnis: In beiden Fällen sind keine Konflikte zu erwarten. Eine mögliche Erweiterung des landwirtschaftlichen Betriebs kommt aus Sicht der Gemeindeverwaltung nur weg von der Bebauung, nach Westen und Norden, infrage – sonst seien davon auch bestehende Häuser betroffen. Den Widerspruch von Siegfried Weil gegen das Baugebiet, der durch dieses die Zukunft seines landwirtschaftlichen Betriebs beeinträchtigt sah, hat die Gemeinde zurückgewiesen.

Ab etwa Mitte des Monats wird der Bebauungsplan für einen Monat öffentlich ausgelegt. Die bereits frühzeitig beteiligten Behörden und andere Träger öffentlicher Belange werden erneut angehört, dann folgen Beschluss und Umlegung. „Wir befinden uns in der Mitte“, meint Mezger zum Ablauf des Planungsverfahrens. Wenn die Erschließung noch vor den Sommerferien beginne, könne sie noch dieses Jahr abgeschlossen werden. Dann könnten Ende des Jahres oder Anfang 2009 die Bauarbeiten beginnen.