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"Die Umwelt braucht Bündnispartner"

Die Johannes-Kepler-Realschule in Wendlingen ist mit dem EMAS-Zertifikat ausgezeichnet worden. Umweltministerin Tanja Gönner überreichte persönlich die Auszeichnung für vorbildlichen Umweltschutz. "Die Schule gehört damit zu den Öko-Pionieren in Baden-Württemberg", würdigte sie deren Beitrag.

GABY KIEDAISCH

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WENDLINGEN Schulleiter Peter Wittemann konnte zur Preisverleihung neben zahlreichen Vertretern aus der Stadtverwaltung, dem Gemeinderat, von Schulamt, Kirchen, Schulen und Eltern auch die Landtagsabgeordneten Carla Bregenzer (SPD) und Karl Zimmermann (CDU) begrüßen. Wittemann ließ dabei noch einmal Revue passieren, was die Schule im Umweltschutzbereich seit 2002, mit Beginn ihrer Teilnahme am europäischen Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management und Audit Scheme Öko-Audit nach EU-Recht), und seit Aufnahme in das vom Land geförderte Programm Schule auf Umweltkurs angegangen und umgesetzt hat. Dazu gehört die eigene Solarstromproduktion, die den Jahresstrombedarf von sechs Wohnhäusern erzeugt, und mit Investitionskosten von 170 000 Euro zum größten Teil von der Schule selbst erwirtschaftet wurde, Mülltrennung in allen Klassen, der sparsame Umgang mit Rohstoffen und das neueste Projekt Aktion Feinstaub.

Die Schule habe damit einen Beitrag für umweltgerechtes Handeln und zur Nachhaltigkeit mit dem Aufzeigen von ökologischen Zusammenhängen leisten wollen, wobei jeder Einzelne die Verantwortung für sich, seine Familie, das Gemeinwohl und die Umwelt trage. Denn nach Auffassung von Wittemann leben wir in Sachen Energie immer noch weit über unsere Verhältnisse. Für einen daran angeglichenen ökologischen Fußabdruck benötigte die Bundesrepublik eine Fläche, die zweieinhalbmal so groß ist wie das Land. Umweltschutz sei daher umso mehr erforderlich. Und der fängt bekanntlich auch bei den Gebäuden an.

Seit 1994 sind eine Reihe von Maßnahmen, die Energie einsparen, durch den Schulträger, die Stadt Wendlingen, an der Realschule vorgenommen worden, wie die Isolierung des Flachdaches, die Erneuerung der Fenster, Einzelraumsteuerung für die Heizung, ein mit dem Gymnasium gemeinsam betriebenes Blockheizkraftwerk oder der Austausch aller Leuchtstoffröhren durch Energiesparlampen.

Mit den Umweltmaßnahmen an der Schule ist damit nicht nur der Kohlendioxid-Austausch um zwei Drittel geschrumpft, der damit verbundene Wärmebedarf ist seit den 80er-Jahren im gesamten Schulzentrum von über 2600 auf 1224 Megawatt die Stunde im Jahr 2000 zurückgegangen, was sich auch positiv auf die Kosten niederschlägt.

"Die heutige Verleihung ist eine Zäsur, die uns mit Stolz und Dankbarkeit erfüllt", sagte Peter Wittemann, "und uns mit weiteren Ideen auf diesem eingeschlagenen Weg im Sinne der Nachhaltigkeit weitermachen lässt". Weitere Umweltmaßnahmen will die Schule als Nächstes unter die Lupe nehmen, wie den Wasser- und Lichtverbrauch. Außerdem soll ein Tag der Ruhe die Sensibilität für Lärmquellen unter den Schülern erhöhen.

Umweltministerin Tanja Gönner hatte es sich am Samstag nicht nehmen lassen, selbst nach Wendlingen zu kommen, um der Realschule den Öko-Audit zu übergeben. Für die Auszeichnung der Schule hatte im Vorfeld ein unabhängiger Gutachter bestätigt, dass alle dafür erforderlichen Standards erfüllt sind. "Die Zertifizierung ist nicht mit links zu schaffen", machte Tanja Gönner auch in ihrer Rede deutlich. Und weil die Vision einer nachhaltigen Gesellschaft nicht von heute auf morgen umsetzbar sei, benötige es der Mitwirkung vor allem junger Menschen. "Die Umwelt braucht Bündnispartner", sagte die Umweltministerin den Schülern zugewandt. Ihr zentrales Anliegen: Schüler sollen ihre Zukunft gestalten lernen, im Sinne der Nachhaltigkeit, wie es auf der Umweltkonferenz in Rio Anfang der 90er-Jahre angestoßen wurde.

Die Johannes-Kepler-Realschule ist eine von drei Schulen in Baden-Württemberg, die diese Zertifizierung bisher geschafft haben. Weitere 20 stehen auf der Warteliste, sie haben noch die Chance, den Öko-Audit zu erhalten. Die Ministerin: "Die Johannes-Kepler-Realschule gehört damit zu den Ökopionieren im Land." Nirgendwo gebe es mehr Schulen als in Baden-Württemberg, die eine solche Auszeichnung vorweisen könnten, betonte Gönner. Insgesamt haben sich 64 Schulen am Förderprogramm Schule auf Umweltkurs beteiligt. Die Wendlinger Realschule wurde daraus mit 8000 Euro unterstützt.

Stolz auf die Zertifizierung zeigte sich auch Bürgermeister Frank Ziegler. Die Realschule habe mehr als einmal bewiesen, dass sie umweltgerecht handle. Die Auszeichnung sei gleichermaßen Anerkennung wie auch Ansporn und Verpflichtung für die Zukunft. Sein Wunsch: die Aktivitäten der Schule sollten auch auf die Stadt ausstrahlen.