Lokales

Die Ware aus Bayern war bereits verarbeitet

Entwarnung für den Landkreis Esslingen: Der Leiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes, Gerhard Stehle, hat zwei Gaststätten überprüft und dabei kein verdorbenes Fleisch gefunden. Die Gastronomiebetriebe sind in der Lieferliste des Münchner Großhändlers gestanden, der in den Fleischskandal verwickelt ist.

RICHARD UMSTADT

Anzeige

KREIS ESSLINGEN Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt im Landratsamt Esslingen wurde am Sonntag sowohl vom Innenministerium über die Polizeidirektion als auch vom Landwirtschaftsministerium per Telefon über die Mitteilung aus Bayern informiert, dass verdorbene Fleischlieferungen eventuell auch im Landkreis Esslingen auftauchen könnten. Per E-Mail erhielt der Leiter des Veterinäramts, Gerhard Stehle, eine rund 100-seitige Liste mit Namen von Gastronomiebetrieben in ganz Deutschland, die von dem Münchner Großhändler beliefert wurden. Darunter befanden sich auch zwei Gaststätten im Landkreis Esslingen.

Gerhard Stehle kontrollierte noch am Sonntag die beiden Restaurants. Wie sich herausstellte, hatte der eine Betrieb 36, der andere 60 tiefgefrorene ungarische Enten Anfang August von dem bayrischen Großhändler bezogen. "Von den Enten war nichts mehr vorhanden. Die Ware war bereits verarbeitet, bis auf einen kleinen Rest, und der war völlig in Ordnung", berichtet Gerhard Stehle. Bei beiden Gastronomiebetrieben, das betont der Lebensmittelkontrolleur, handle es sich um "saubere und ordentlich geführte Gaststätten".

"Wäre das Fleisch überlagert gewesen, so hätte es beim Erhitzen sehr ranzig gerochen", weißt Gerhard Stehle auf die Verpflichtung der Betriebe zu Eigenkontrolle hin und gibt Entwarnung: "Das war aber nicht der Fall." Im Übrigen sei den Gastronomen beim Auftauen der Ware nichts Besonderes aufgefallen. "Wenn die Verpackung schadhaft gewesen wäre, hätte es leicht zu einem Gefrierbrand kommen können."

Normalerweise melden Gastronomiebetriebe schadhafte Ware den Lebensmittelkontrolleuren und diese nehmen sich dann den entsprechenden Großhändler vor. Es kann aber auch vorkommen, dass die schadhaften Sendungen nicht beim Veterinäramt reklamiert werden, sondern mit der Bitte um Ersatz an den Großhändler zurückgehen. Dieser packt die Reklamation in die hinterste Ecke seiner Gefrierhalle und vergisst sie. Nach Jahren wird sie entdeckt und bei entsprechender krimineller Energie umetikettiert. "Oft kommen solche Machenschaften mit verdorbenem Fleisch erst nachträglich ans Licht der Öffentlichkeit", bedauert Gerhard Stehle.

Kontrollierten vor dem 1. Januar 2005 die Beamten der Lebensmittelüberwachung des Wirtschaftskontrolldienstes (WKD) die Betriebe und meldeten Beanstandungen an das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt weiter, so wurde beides im Rahmen der Verwaltungsreform in einer Behörde zusammengefasst, deren Leiter Gerhard Stehle ist. "Das macht Sinn, wir arbeiten jetzt effektiver", meint Stehle.

Die Lebensmittelüberwachung delegierte das Land auf die Untere Verwaltungsbehörde im Landratsamt. In der Praxis bedeutet dies, dass das Innenministerium die zuvor im WKD mit der Lebensmittelüberwachung beschäftigten Polizeibeamten an das Veterinäramt abordnete und weiterhin bezahlt. Der Landkreis nun muss das Gehalt der Beamten ans Land zurücküberweisen, damit die Delegation für das Land kostenneutral bleibt.

Waren vor 2005 beim Wirtschaftskontrolldienst im Landkreis 12 bis 13 Beamte in der Lebensmittelüberwachung eingesetzt, so muss sich der Leiter des Veterinäramts nun mit neun Personalstellen begnügen. Zwar habe das Landwirtschaftsamt den Bedarf von zwei zusätzlichen Stellen errechnet. Das Finanzministerium aber habe dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dennoch werden Stehle zufolge im Landkreis Esslingen nicht weniger Betriebe kontrolliert, sondern eher mehr.

Auf verdorbene Döner-Spieße angesprochen, erklärte Gerhard Stehle, dass das Kalb-, Rind-, Schaf-, Lamm- oder Geflügelfleisch im Kreis Esslingen fast immer in Ordnung sei. "Döner ist das in Baden-Württemberg am meisten untersuchte Produkt", so Stehle. Beanstandungen beträfen hauptsächlich Kennzeichnungsmängel. "Das heißt, das Fleisch wurde falsch deklariert."