Lokales

Die wichtigste Rolle spielt die Natur

Drei Volunteers bringen Kindern und Erwachsenen die Natur in anschaulichen Führungen nahe

„Freiwillige vor“ – drei „Volunteers“, also freiwillige, ehrenamtliche Mitarbeiter des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb kümmern sich seit einigen Jahren um naturkundliche Führungen. 2005 haben sie damit begonnen, heimatkundliche Sagen in den Mittelpunkt ihrer Führungen für Kinder zu stellen. Wegen ihres Engagements für den Naturschutz sind Philipp Felten, Herbert Lipp und Dieter Ruoff jetzt für den Ehrenamtspreis der Stiftung Kreissparkasse und des Teckboten nominiert.

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Andreas Volz

Lenningen. Regelmäßig richten die drei Ruheständler mittwochs zwischen April und Oktober ihre Führungen aus. Im Programm haben sie die Gutenberger Höhlen, das Randecker Maar, das Lenninger Torfmoor und den Steinbruch Lauster direkt am Naturschutzzentrum. Die Führungen sind für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet. Philipp Felten, der als „Methusalem“ und Begründer der Dreiergruppe schon seit neun Jahren mit an Bord ist, meint dazu: „Was gut ist für Kinder, das ist auch gut für Erwachsene. Aber es muss gut sein.“

An mangelndem Selbstbewusstsein fehlt es Philipp Felten in diesem Fall nicht: „Führungen sind schön. Besonders schön sind Kinderführungen, und da sind wir klasse.“ Wie die Führungen ablaufen, zeigte Philipp Felten vergangenen Mittwoch im Hochmoor. Ein wesentlicher Bestandteil der Führungen sind kurze Rollenspiele, die er selbst entwickelt hat: Ob Mitspieler oder „einfache“ Zuhörer, ihnen allen wird mittels Rollenspiel auf lebendige und anschauliche Art und Weise nahegebracht, wie sich beispielsweise die Eintagsfliegen Irma und Leila auf ihr kurzes Dasein als erwachsene Tiere freuen. Dass dieses Dasein länger dauern kann als den einen Tag, dem sie ihren Namen verdanken, wissen sie auch und sagen es der spöttischen Libelle Eulalia dementsprechend: „Wir leben bis zu zwei Wochen.“

An der Stelle im Lenninger Moor, an der dieses Rollenspiel zum Einsatz kommt, befindet sich ein kleiner Tümpel, in dem Kinder dann auch gleich nach Larven der Eintagsfliege und nach ähnlichen Moorbewohnern forschen können. Die Gerätschaften haben die Volunteers im Gepäck: von Sieben zum Einfangen bis hin zu Lupengläsern und Abbildungen der kleinen Lebewesen, die es zu bestimmen gilt. Philipp Felten geht es da­rum, die Kinder für die Natur und für die Umwelt zu sensibilisieren: So lässt er sie im Moor eine Minute lang die Augen schließen und nur noch hören. Außer Flugzeugen oder Autos hören die jungen Führungsteilnehmer dann eben auch Vögel, Grillen oder das Zittern des Espenlaubs. Außerdem macht Philipp Felten die Kinder da­rauf aufmerksam, dass es dem Naturschutzgebiet Schopflocher Moor schadet, wenn sie die vorgegebenen Wege verlassen oder ihre Abfälle einfach wegwerfen anstatt sie wieder mitzunehmen.

Über Geschichte erzählt der Naturführer ebenfalls sehr viel: sei es über Erdgeschichte und die Entstehung des Moors vor rund 10 000 Jahren, nach dem Ende der letzten Eiszeit, über den Schwäbischen Vulkan, der die Landschaft vor rund 17 Millionen Jahren geprägt hat, oder über die jüngste Geschichte, in der die Menschen eine entscheidende Rolle spielen. So war in der Lenninger Torfgrube zwischen 1780 und 1900 Torf als Brennstoff abgebaut worden.

Auch darüber gibt ein Rollenspiel Auskunft. In diesem Fall vermischen sich Wirklichkeit und Fantasie: Phi­lipp Felten lässt nämlich außer dem württembergischen Herzog und einem Kirchheimer Kaufmann auch eine Moorhexe zu Wort kommen. Sagen, die schon wesentlich älter sind und die einiges über interessante Stellen auf der Schwäbischen Alb erzählen, machen sich die Volunteers ebenfalls zunutze: Sie haben nicht nur Bildpräsentationen über die Steinzeit, die Kelten oder den Vulkanismus auf der Schwäbischen Alb entwickelt, sondern auch über Sagen rund um die Teck, rund um Nürtingen und rund um Esslingen.

Mit diesen Präsentationen gehen die Volunteers auch in die Klassenzimmer. Dieter Ruoff: „Wer ins Naturschutzzentrum kommt, interessiert sich ja sowieso für das Thema. Zu den anderen müssen eben wir ins Klassenzimmer kommen.“ Im Idealfall wollen dann die Kinder mit ihren Eltern auf die Alb fahren, um ihnen die Natur zu zeigen. Früher haben eher die Eltern ihren Kindern die Alb gezeigt. Aber das ist ein ständiges Geben und Nehmen. So erklärt Dieter Ruoff den Grund für sein Engagement als Volunteer im Ruhestand folgendermaßen: „Was mein Vater in der Jugend bei mir ausgesät hat, ist jetzt aufgegangen. Und das will ich an die junge Generation weitergeben.“