Lokales

Die WM: Ein Fest für Fußballmuffel

Kirchheim. Die WM-Zeit ist einfach herrlich! Es gibt so viele Dinge, die man ganz in Ruhe tun und erleben kann, so lange der gefühlte Rest der

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Bianca Lütz-Holoch

Welt vor Fernsehern und Leinwänden sitzt. So zum Beispiel vergangenen Sonntag, als um 16 Uhr die Partie Deutschland gegen England anstand.

Während sich die Fans nachmittags bei strahlendem Sonnenschein wahlweise im dunklen Kämmerchen vorm Fernseher verkrochen oder sich bei über 30 Grad mit zig anderen schwitzenden Menschen vor zu kleinen Bildschirmen auf Bierbänken drückten, packten andere die Badetasche und machten sich ganz entspannt auf den Weg ins Freibad. Erfrischend war dort nämlich keineswegs nur das Wasser. Für einen über 30 Grad heißen Sonntagnachmittag war dort auch erfreulich wenig los. In den Becken gab es tatsächlich Platz zum Schwimmen und Spielen, und auf der Liegewiese standen noch jede Menge gemütliche Plätzchen zur Verfügung – in der Sonne, im Halbschatten oder im Schatten, mit genügend Abstand zu den Nachbarn, und nicht zu weit vom Wasser entfernt – perfekt! Ungemütliche Leere herrschte aber trotzdem nicht. Und dass sich just um 16 Uhr eine ganz kleine Schlange an der Kasse bildete, zeigt, dass sich doch eine ganze Menge ausgefuchster Fußballmuffel der WM-Taktik bedienen.

Jetzt heißt es: schnell neue Pläne schmieden. Heute um 16 Uhr steht nämlich das Spiel Deutschland gegen Argentinien an, ein Garant für einen erholsamen Nachmittag abseits des Fußball-Trubels.

Wer das Gefühl hat, noch ein paar Pflichten erledigen zu müssen, könnte da zum Beispiel einkaufen gehen. Erfordert ein Supermarkt-Besuch freitagnachmittags oder samstags angesichts voller Parkplätze und Kassen gewöhnlich eine gewisse Nervenstärke, ist der Gang mit dem Einkaufswagen während eines Deutschland-Spiels nahezu ein Wellness-Tag: Die Gänge sind fast leer, die Kassen ebenfalls. Allerdings ist es äußerst wichtig, genau den richtigen Zeitrahmen abzupassen, sonst schlägt die WM zurück: Denn kurz vor und kurz nach den Spielen ist es beispielsweise bei Marktkauf in Kirchheim besonders voll. „Noch voller als sonst“, wie von der Geschäftsleitung zu erfahren ist.

Wem der Sinn am Samstagnachmittag doch eher nach Ausflug steht, kann beispielsweise das Freilichtmuseum in Beuren ansteuern. Das Museumsdorf ist nämlich „garantiert fußballfrei“, wie Museumsleiterin Steffi Cornelius verspricht – zumindest was die WM angeht. Denn wer Lust hat, kann sich trotzdem einen Ball ausleihen und auf dem Bolzplatz in den Herbstwiesen kicken. Oder heute um 15 Uhr ohne Anmeldung an einer öffentlichen Führung durchs Museumsdorf teilnehmen, Tiere streicheln und sich ins Landleben von damals vertiefen. Und das bei ganz wenig Betrieb. Während der WM-Spiele geht es im Freilichtmuseum nämlich ziemlich ruhig zu.

Die Liste an Ideen lässt sich natürlich noch beliebig ergänzen: In Klamottenläden stöbern gehen und dabei garantiert eine freie Kabine finden, jede Menge Platz in den Becken und Saunen des Beurener Thermalbads genießen, S-Bahn fahren und eine ganze Sitzbank für sich haben, einen wahrhaft einsamen Spaziergang auf der Alb oder im Wald machen, und, und, und.

Die WM-Zeit ist für Fußballmuffel derart erholsam, dass so mancher sich wünscht, das südafrikanische Sommermärchen möge ewig dauern. Einige Nicht-Fans fiebern schon regelrecht mit Jogis Jungs dem Einzug ins Finale entgegen – manche sogar so sehr, dass sie sich heute am liebsten um 16 Uhr vor den Fernseher setzen und Müller, Klose und Co. beim Spiel gegen Argentinien anfeuern würden . . .