Lokales

Die "Zeichen der Zeit" in Südafrika

Am Freitag, 3. März, findet wieder der Weltgebetstag statt. Dieses Jahr steht Südafrika im Mittelpunkt der Gottesdienste dieser weltumspannenden ökumenischen Frauenbewegung.

KIRCHHEIM Die Weltgebetstagstradition ist über hundert Jahre alt. Sie ist von den USA ausgegangen und entstand aus dem Bedürfnis von Frauen, eigenständig zu beten und zu handeln. Frauen sahen mit offenen Augen die Nöte im eigenen Land und auch in anderen Ländern. Sie schlossen sich zu Gebets- und Handlungsgemeinschaften zusammen. Dabei hatten sie von Anfang an die Vision, ökumenisch, also konfessionsübergreifend zu wirken. Ebenso waren sie offen für den Reichtum an Spiritualität aus anderen Traditionen und Kulturen.

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Nach Deutschland kam der Weltgebetstag bereits 1927 und zwar durch die internationalen Kontakte innerhalb der Methodistenkirche. Bis in die vierziger Jahre haben hier kleine Frauengruppen noch dazu eingeladen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Tradition dann vielerorts wieder aufgegriffen, so zum Beispiel 1949 in Berlin mit über tausend Gottesdienstbesucherinnen. So konnte ökumenische Verbundenheit nach der Zeit der politischen Isolation wie ein Geschenk über Ländergrenzen hinweg erfahren werden. Auch in der ehemaligen DDR haben Christinnen den Weltgebetstag als ein offenes Fenster zur Welt erlebt.

Das Motto des Weltgebetstags heißt "Informiertes Beten und betendes Handeln". Beides ist wichtig und ergänzt sich gegenseitig. Nach diesem Motto steht jedes Jahr ein anderes Land im Zentrum. Viele Informationen werden über eine lange Zeitraum hinweg sorgfältig zusammengetragen und durch verschiedene Medien bekannt gemacht und das nicht nur nach Art von Reiseführern, die über touristische Möglichkeiten informieren, sondern es stehen politische, gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Informationen und Probleme dieses Landes im Vordergrund.

Ein Frauenkomitee aus diesem Land verfasst die jeweilige Liturgie, die sich auch auf solche Probleme bezieht. Nach dieser einen Gebetsordnung, die meist auch spirituelle Elemente aus der Tradition des jeweiligen Landes enthält, werden dann alle Weltgebetstagsgottesdienste am ersten Freitag im März rund um den Erdball gefeiert. Dies alles geschieht vorwiegend durch Laien, wie auch die ganze Bewegung von Anfang an eine Laienbewegung war.

Die Kollekte, die in den Gottesdiensten zusammengetragen wird, unterstützt sowohl und bevorzugt Projekte im Weltgebetstagsland des Jahres wie auch frühere Projekte im In- und Ausland. Diese ökumenischen Frauen-Projekte werden vom Weltgebetstagskomitee aus vielen Anträgen nach festen Kriterien ausgewählt. Von 1975 bis 2004 wurden so etwa 45 Millionen Euro aus den Spenden für über 4400 Projekte in 147 Ländern der Welt ausgegeben.

Die Gottesdienstordnung dieses Jahres kommt aus Südafrika. Das Komitee südafrikanischer Frauen, das sie verfasst hat, stellt sie unter das Thema "Zeichen der Zeit". Was sind die Zeichen der Zeit in Südafrika? Einerseits zieht dieses Land wegen seiner landschaftlichen Schönheit und seinem Artenreichtum an Tieren und Pflanzen immer mehr Touristen an, andererseits hat es auch immer noch und immer mehr unter großen Problemen zu leiden. Das auf wunderbare Weise gewaltlos herbeigeführte Ende der Apartheid in den 90er-Jahren brachte dem Land aber nicht das Ende von Ungerechtigkeit, im Gegenteil: Die heutige Situation ist geprägt von Armut, einer hohen Kriminalitätsrate, von Gewalt gegen Frauen, dem Zusammenbruch familiärer Strukturen, von Arbeitslosigkeit und der starken Ausbreitung von Aids. Dies alles hat auch seine Wurzeln in der jahrhundertealten brutalen Unterdrückung der schwarzen Mehrheit durch die weiße Minderheit. Dies sind die aktuellen Zeichen der Zeit, die das südafrikanische Team mit biblischen Hoffnungstexten konfrontiert, in denen die Frauen Zeichen zu Ermutigung und neuem Aufbruch finden.

Der ökumenische Gottesdienst zum Weltgebetstag wird in verschiedenen Gemeinden in Kirchheim gefeiert: Um 19.30 Uhr in der Kirche Sankt Ulrich, Lindachallee, gemeinsam veranstaltet mit der Zionskirche, Martinskirche, Auferstehungskirche, Kreuzkirche, dem Schafhof, Thomaskirche und Maria Königin. Dabei gibt es einen Verkaufsstand des Weltladens Kirchheim. Ferner gibt es Gottesdienste um 18.30 Uhr in der Kirche Peter und Paul, Uracher Straße 3, Ötlingen, um 19.30 Uhr in der Matthäuskirche Lindorf, um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum Sankt Lukas in Jesingen und um 19 Uhr in der Johanneskirche in Nabern.

pm