Lokales

Die Zeitarbeit ist gefragt wie schon lange nicht mehr

Das Geschäft der Personaldienstleister boomt wie lange nicht: Von Januar bis September haben Zeitarbeitsfirmen den Arbeitsagenturen im Landkreis Esslingen bereits weit mehr offene Stellen gemeldet als im ganzen Jahr 2005.

ALEXANDER MAIER

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ESSLINGEN Die Esslinger Agentur für Arbeit sieht Personaldienstleister als wichtige Partner am Arbeitsmarkt, auch bei Arbeitsuchenden, die früher oft reserviert reagierten, wächst die Akzeptanz. Denn für viele wurde Zeitarbeit zum Türöffner für einen Dauerjob.

Wenn Alf Szorg, Chef der Esslinger Arbeitsagentur, in seiner Statistik blättert, zeigt sich ein eindeutiges Bild: Zuletzt meldeten Personaldienstleister in der Region ständig wachsenden Bedarf. Seit Januar wurden im Göppinger Agenturbezirk, zu dem der Kreis Esslingen gehört, von Zeitarbeitsfirmen bereits 1500 Stellen gemeldet 2005 waren es insgesamt 1000 gewesen. Derzeit kommen knapp 30 Prozent aller neu gemeldeten Stellen von Zeitarbeitsfirmen. Für Birgit Dürr, Teamleiterin der Esslinger Arbeitsvermittler, sind solche Zahlen ein hoffnungsvolles Zeichen für den gesamten Arbeitsmarkt: "Wenn die Konjunktur anzieht, zeigt sich das anfangs besonders bei der Zeitarbeit. Erst holen sich die Firmen zusätzliche Kräfte von den Personaldienstleistern, wenn die Konjunktur anhält, stellen sie dauerhaft ein."

Um der Nachfrage gerecht zu werden, lud die Esslinger Arbeitsagentur bereits zum zweiten Tag der Zeitarbeit ein: Zwölf Personaldienstleister stellten sich vor fast doppelt so viele wie im Frühjahr. Rund 175 Arbeitsuchende aus den Karteien der Arbeitsagentur und des Jobcenters nutzten die Gelegenheit, mit Personaldienstleistern ins Gespräch zu kommen. Das große Interesse auf beiden Seiten bestätigt die Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, das in der Zeitarbeit eine "boomende Branche" sieht. Gerade im kaufmännischen Bereich und in gewerblichen Berufen wie Elektriker, Maler oder Gas- und Wasserinstallateur registriert Stephanie Merkle, Vermittlerin in der Esslinger Agentur, derzeit besonderen Bedarf: "Deshalb haben wir diese Berufsgruppen zum Tag der Zeitarbeit bevorzugt eingeladen."

Hinterher zogen die Personaldienstleister eine positive Bilanz. "Wir waren drei Stunden lang nonstop in Gesprächen. Die Arbeitsuchenden waren fast durchweg sehr aufgeschlossen nur einer empfand die Veranstaltung als Pflichtübung", resümierte Bodo Grossmann, Niederlassungsleiter beim Personaldienstleister Adecco. Berührungsängste, wie es sie früher bei Arbeitslosen häufig gab, sieht Vermittlerin Tanja Moll immer seltener. Ein Eindruck, den Heike Michler vom Personaldienstleister Tuja bestätigt: "Es hat sich herumgesprochen, dass man als Zeitarbeiter nicht nur für einige Tage einen Job hat. Das ist für viele eine gute Alternative."

Fast durchweg registrierten die Firmen beim Tag der Zeitarbeit interessierte und gut vorbereitete Bewerberinnen und Bewerber. Nach dem ersten Beschnuppern in der Arbeitsagentur folgen nun konkrete Bewerbungsgespräche. Dass das Angebot an kaufmännischen Kräften deutlich stärker war als bei den gewerblichen, hat Alf Szorg nicht überrascht: "Die Leute sind freiwillig gekommen gerade die gut qualifizierten Facharbeiter haben derzeit auch andere Möglichkeiten, Arbeit zu finden."

Jennifer Stein, Regionalleiterin bei Creyf's Personalservice, beobachtet: "Manche, die ein sehr hohes Arbeitslosengeld beziehen, sind weniger motiviert, wenn sie bei uns nicht wesentlich mehr verdienen, als sie vom Staat bekommen." Doch da registriert Birgit Dürr ein Umdenken: "Immer häufiger entscheiden sich Arbeitsuchende, die früher sehr gut verdient haben, für eine Stelle beim Personaldienstleister, auch wenn sie nicht deutlich mehr bekommen als durch das Arbeitslosengeld. Die Aussicht, dauerhaft übernommen zu werden, ist schließlich auch viel wert."