Lokales

Die Zeitung raschelt wieder in den Klassenzimmern

"Ohne Zeitung fehlt dir was": Das haben in den vergangenen beiden Jahren mehr als 1 000 Schüler in Kirchheim und Umgebung erfahren beim Projekt "Zeitung in der Schule". Vom heutigen Montag an beginnen 17 neue Klassen wieder mit regelmäßiger Teckbotenlektüre, um herauszufinden, was ihnen ohne Zeitung fehlen würde.

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Wie lässt sich die Lesekompetenz der Schüler in Deutschland verbessern? Darüber

(O:21070320.JP_diskutieren die Experten besonders intensiv, seit die PISA-Studie Mängel aufgezeigt hat, die gerade wegen des internationalen Vergleichs die deutschen Alarmglocken schrillen ließen. Dabei gibt es eine ebenso einfache wie einleuchtende Antwort: Mehr lesen! Die Frage ist nur, wie sich das Kräfteverhältnis zwischen Spielkonsole, PC, TV einerseits und Lektüre andererseits zugunsten der Druckwerke etwas verschieben lässt. Eine mögliche Antwort auf diese Frage ist das Projekt "Zeitung in der Schule (ZiSch)".

Die Motivation zum Lesen kann kaum über Zwang erfolgen, denn Lesen muss Spaß machen. Aber gerade dieser Spaß am Lesen braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Deshalb bekommen die beteiligten "ZiSch"-Klassen drei Monate lang ihren täglichen Teckboten als kompletten Klassensatz. Jede einzelne Schülerin und jeder einzelne Schüler hat dadurch die Möglichkeit, täglich im eigenen Zeitungsexemplar Texte zu finden und zu lesen, die sie oder ihn persönlich interessieren. Wer dann täglich auf den gleichen Seiten fündig wird und andere Seiten zügig überblättert, auf denen nur wenig Interessantes zu entdecken ist, der verfügt bereits über Zeitungs-Lesekompetenz.

Dass das funktioniert, haben die beiden vergangenen Jahre gezeigt, in denen das "ZiSch"-Projekt rund um die Teck bereits viele Jugendliche an den Umgang mit der Zeitung herangeführt hat. Beim vorbereitenden Lehrerseminar vor wenigen Tagen berichtete ein Pädagoge, der dieses Mal wieder mit von der Partie ist: "Das Zeitungslesen ist diesen jungen Leuten in Fleisch und Blut übergegangen. Sie hatten das nachher so verinnerlicht, dass sie das Projektende bedauerten. Da hat ihnen dann was gefehlt." Einige der Lehrkräfte sind zum ersten Mal am Projekt beteiligt und daher recht gespannt, was von heute an auf sie zukommt. "Meine Schüler waren bis jetzt noch recht skeptisch", hieß es, "aber ,Zeitung in der Schule' wird eine echte Bereicherung für den Unterricht, das habe ich schon bei Kollegen gesehen."

Ob Bereicherung oder Abwechslung für den Unterricht, eine andere Lehrerin hält "ZiSch" schlichtweg für dringend geboten: "In meiner Klasse haben gerade mal drei Schüler zu Hause eine Tageszeitung." Dr. Winfried Spiegel vom Aachener Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP), der das Teckboten-Projekt gemeinsam mit seinen Kollegen pädagogisch betreut, sprach denn auch von "kompensatorischer Erziehung". Heutige Eltern gehörten schon längst zur Fernsehgeneration, sodass sie nicht mehr selbstverständlich die Vorbildfunktion beim Zeitungslesen übernähmen, wie das früher einmal der Fall gewesen sei.

Viele Kinder wachsen mittlerweile eben nicht mehr mit der Zeitung auf und werden so in der Nachfolge der Eltern auch nicht automatisch zu Lesern erzogen. Einst zeigten die Eltern durch ausgiebiges Lesen, dass die Zeitung eine Menge Interessantes zu bieten haben muss. "Das bleibt jetzt an der Schule hängen", wandte sich Dr. Spiegel an die Lehrerinnen und Lehrer und bedankte sich für ihre Bereitschaft, am Projekt teilzunehmen und sich damit sehr viel an zusätzlicher Arbeit aufzuladen.

Zur Arbeit gehört der Recherchetermin, den die Klassen mit ihren Lehrern wahrnehmen. Sehr viel mehr Arbeit bringt es erfahrungsgemäß mit sich, wenn die Klasse anschließend einen Bericht verfasst über das, was sie bei Polizei oder Feuerwehr, bei einem Wirtschaftsunternehmen oder in einer Sozialeinrichtung erfahren hat. Die Artikel erscheinen dann im Teckboten auf speziellen "ZiSch"-Seiten.

Für die Schüler gibt es noch einen weiteren Arbeitsauftrag: Über den ganzen Zeitraum hinweg sammeln und dokumentieren sie Zeitungsartikel zu einem Thema, das sie sich selbst aussuchen. Die drei besten dieser "Langzeitarbeiten" werden zum Abschluss des Projekts prämiert und ebenfalls im Teckboten veröffentlicht. Die Stiftung Kreissparkasse hat wieder Geldpreise für die Gewinner ausgelobt.

Für Dietmar Ederle, den Leiter des Regionalbereichs Kirchheim für Privat- und Individualkunden der Kreissparkasse, war es keine Frage, dass die Stiftung sich wieder finanziell und ideell an "Zeitung in der Schule" beteiligt. Beim Lehrerseminar im Manfred-Henninger-Saal der Kreissparkasse verlas er positive Rückmeldungen aus dem Jahr 2003. Mehrere Schüler hatten geschrieben, dass sie das Projekt positiv beeinflusst hat, dass sie dadurch ihre Rechtschreibung verbessern konnten und dass ihr Wortschatz größer geworden sei. "Ein größeres Kompliment kann man einem solchen Projekt nicht machen", schloss Ederle.

Teckboten-Verleger Ulrich Gottlieb war sich beim Lehrerseminar sicher, dass es auch dieses Mal gelingen wird, die Schülerinnen und Schüler so von "Zeitung in der Schule" zu begeistern, wie es in den beiden zurückliegenden Jahren der Fall war. Für den "ZiSch"-Auftakt im neuen Schuljahr gab er daher folgendes Motto aus: "Wir wollen an den Erfolg der vergangenen Projekte anknüpfen."