Lokales

Die Zukunft der Erkenbrechtsweiler Wehr ist gesichert

Es gibt viele Feste in vielen Gemeinden, aber ganz selten geschieht es, dass im Sinne des Wortes die ganze Gemeinde mitfeiert, wie dies vergangenen Samstag der Fall war, als die Erkenbrechtsweiler Feuerwehr in der örtlichen Mehrzweckhalle ihr 125-jähriges Bestehen mit einem Festakt mit buntem Abend beging.

GÜNTER SCHMITT

Anzeige

ERKENBRECHTSWEILER Die Zukunft der Erkenbrechtsweiler Feuerwehr ist gesichert. Alleine im laufenden Jahr meldeten sich vier Mädchen und 16 Jungen zur Jugendfeuerwehr. Die aktive Abteilung besteht aus 28 Männern und drei Frauen, die Senioren nicht mitgezählt. So blieb nur ein Wunsch offen, und der wurde von Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht geäußert. Er wünschte sich, ganz frei von allen Befürchtungen, dass Hochwang abtrünnig werden könnte, dass mehr Hochwanger der Erkenbrechtsweiler Wehr beitreten. Seit 1998 ist die Wehr der Albgemeinde auch für den Brandschutz in Hochwang zuständig.

Kommandant Siegfried Militsch hatte eingangs begrüßt und sich über den sehr guten Besuch gefreut. Der Nürtinger Spielmannszug unter der Leitung von Steffen Kaiser eröffnete den Abend, indem er mit klingendem Spiel in den Saal einmarschierte, er setzte auch im Verlauf der Veranstaltung immer wieder Zeichen seines Könnens. Fast überflüssig zu sagen, dass Kommandant Militsch neben Gemeinderäten vom Ort und von Hochwang auch zahlreiche Kommandanten aus den Nachbargemeinden, so Georg Schnerring aus Beuren sowie die DRK-Bereitschaft Lenninger Tal begrüßen konnte. Die Wehr der Albgemeinde verfügt über eine gute Fahrzeugausstattung. Derzeit leisten die Mitglieder viel Eigenarbeit für den Anbau einer neuen Fahrzeughalle zum Feuerwehrmagazin. Außerdem sollen in diesem Zusammenhang elf neue Stellplätze entstehen.

Der Chef der (Jubiläums-)Feuerwehr ist Bürgermeister Roman Weiß. Ihn freute es besonders, dass auch seine Vorgänger Ulrich Stokinger und Helmut Kieser zu der Veranstaltung gekommen waren. Roman Weiß machte anhand einiger Namen und Daten deutlich, was sich in den 125 Jahren des Bestehens der Wehr in Erkenbrechtsweiler alles verändert hat. So ist in diesem Zeitraum nicht allein die Einwohnerzahl von 650 auf 2150 gestiegen, die Gemeinde hat sich außerdem von einer landwirtschaftlich geprägten Ortschaft zu einer modernen Wohngemeinde entwickelt. Im Jahre 1879 wurde die Feuerwehr der Albgemeinde gegründet. Anlass war ein großes Schadensfeuer, das sich im Jahr vorher in der Schlossgasse ereignet hatte. Natürlich war man auch vorher in Sachen Brandschutz nicht untätig gewesen. Man verfügte bereits über eine Handdruckspritze und leistete damit sogar überörtlich Hilfe. 1792 war zu diesem Zweck sogar ein eigener Feuerreiter bestimmt worden.

Der Bürgermeister fand lobende Worte für die derzeitigen Jugendleiter der Wehr und dankte im Namen der Gemeinde der ganzen Gruppierung, denn "eine schlagkräftige Wehr ist die beste Brandversicherung". Roman Weiß überreichte Kommandant Militsch als Jubiläumsgabe einen Scheck, worauf der Kommandant im Gegenzug zusagte, für einen "Baum und ein Bänkle" zu sorgen.

Der stellvertretende Landrat, Matthias Berg, der die Glückwünsche des Landkreises überbrachte, hatte nachgerechnet und war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Wehr seit ihrem Bestehen 1,1 Millionen Stunden an Einsatzbereitschaft aufgebracht hat. Er würdigte den persönlichen Einsatz der Mitglieder und bekundete seine Zuversicht, dass sie die Tradition auch künftig weiterführen werden.

Nach dem Urteil von Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich ist die Erkenbrechtsweiler Feuerwehr trotz der 125 Jahre stets jung geblieben. Zur ursprünglichen Hauptaufgabe der Brandbekämpfung seien neue Anforderungen gekommen wie technische Hilfeleistungen, etwa bei Verkehrsunfällen, Gefahrguteinsätzen, Hilfe bei Stürmen oder Wasserschäden. All diese neuen Herausforderungen seien nur mit moderner Technik und guter Ausrüstung zu meistern.

In Baden-Württemberg belaufen sich den Angaben zufolge die Kosten der Feuerwehr pro Einwohner auf zehn Cent am Tag. Die Erkenbrechtsweiler Feuerwehr, stellte der Kreisbrandmeister fest, habe nie mit überzogenen Forderungen den Gemeindehaushalt strapaziert. Dass sie im Gegenteil stets versuche, die Kosten niedrig zu halten, zeige sich in ihrer Bereitschaft zu Eigenleistungen bei vielerlei Vorhaben. Schon deshalb müsse man sich im Ort keine Sorgen um die Qualität der Wehr machen. Eine gute Wehr sei noch immer die beste Bürgerinitiative.

Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht fand die Vollendung der ersten 125 Jahre der Wehr ein "imposantes Jubiläum". Zusammenhalt, Kameradschaft und Spaß seien einige der Gründe dafür, dass sich die Wehr nicht um Nachwuchs sorgen muss. Dem Bürgermeister war es ein Anliegen, der Feuerwehr der Albgemeinde für die Übernahme des Brandschutzes auch in Hochwang zu danken. Der Lenninger Ortschef hatte ebenfalls etwas mitgebracht in einem Umschlag etwas für die Kameradschaftskasse.

Mit einem eindrucksvollen und amüsanten Programm wurde im Anschluss an den offiziellen Teil des Abends für Unterhaltung gesorgt.