Lokales

Dietz-Motoren setzt Betriebsratsmitglied vor die Tür

Arbeitnehmervertreter hatte sich in TV-Sendung besorgt über die angespannte wirtschaftliche Lage des Dettinger Unternehmens gezeigt

Weil er in einer Fernsehsendung offen über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Motorenherstellers Dietz gesprochen hat, wurde einem Betriebsrat des Dettinger Unternehmens gestern fristlos gekündigt. Die Geschäftsleitung wirft ihm Rufschädigung vor.

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Frank Hoffmann

Dettingen. Unter dem Titel „Millionenboni trotz Krise – Gewinner und Verlierer“ berichtete Spiegel TV am vergangenen Sonntag über Banker, die unbeeindruckt von der Krise Bonizahlungen einklagen, während auf der anderen Seite vor allem viele mittelständische Unternehmen angesichts dramatischer Auftragseinbrüche ums nackte Überleben kämpfen. Für die Verliererseite hatte das Magazin den Kreis Esslingen auserkoren und einen Tag lang den ersten Bevollmächtigten der IG Metall, Sieghard Bender, begleitet. Unter anderem führte die Tour des Gewerkschafters an diesem Tag nach Kirchheim, wo sich Bender mit Günther Albrecht, Betriebsratsmitglied der Dettinger Firma Dietz-Motoren, traf. In der kurzen Sequenz berichtet der Spiegel-TV-Sprecher von geplanten Entlassungen bei Dietz. 20 Prozent der Belegschaft drohe die Kündigung. Im vergangenen Monat sei kurz vor dem Zahltag noch nicht klar gewesen, ob die Löhne überhaupt ausbezahlt werden können, schilderte Betriebsrat Günther Albrecht anschließend die Probleme des Betriebs. „Die Banken“, so Albrecht, „machen Schwierigkeiten“. IG-Metaller Bender kommentiert dies in dem Filmbeitrag mit der Aussage: „Da muss man eigentlich sagen, der Betrieb ist am Ende.“

Albrechts Aussage nahm die Geschäftsleitung nun zum Anlass, um ihm gestern „außerordentlich, fristlos und mit sofortiger Wirkung“ zu kündigen. Rufschädigung wirft Geschäftsführer Bernd Strauß dem Betriebsrat und ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Günther Albrecht vor. „Albrecht hat in der Sendung Falschaussagen verbreitet“, sagt Strauß. Zwar sei das Unternehmen mit derzeit 240 Mitarbeitern aufgrund der Finanzkrise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, bislang habe es aber keine Entlassungen gegeben und derzeit seien auch keine geplant. Am Tag nach der Fernsehsendung stand bei Dietz das Telefon nicht mehr still, so Strauß. „Besorgte Kunden wollten uns bereits erteilte Aufträge wieder entziehen. Wir hatten die ganze Woche zu tun, um die Leute wieder zu beruhigen.“ Ansonsten möchte sich Strauß mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht zu der Kündigung äußern.

Günther Albrecht und die IG Metall wollen die Entlassung keinesfalls akzeptieren und haben bereits angekündigt, Klage zur erheben. Zudem wurde gestern bei einem Treffen von Betriebsräten aus dem Kreis Esslingen eine Resolution verfasst, in der die sofortige Rücknahme der Kündigung gefordert wird. Besonders empört hat die Arbeitnehmervertreter, dass der Betriebsrat von Dietz-Motoren der Entlassung bereits mehrheitlich zugestimmt hat: „Das schlägt dem Fass den Boden aus.“

Der Gekündigte selbst führt dies zum einen auf die betriebsratsinternen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre und zum anderen auf die tief greifende Verunsicherung der Belegschaft zurück. Aus Angst um den Arbeitsplatz hätten die Mitarbeiter in der Vergangenheit schon manche Kröte geschluckt. Der Lohn der Dietz-Beschäftigten beispielsweise liege mittlerweile rund 40 Prozent unter dem Tariflohn.

Das Thema Kündigungen, so Albrecht weiter, sei sehr wohl Thema bei den Gesprächen mit der Geschäftsleitung gewesen. Eben weil Entlassungen künftig nicht ausgeschlossen werden können, solle eine Klausel in der Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit, die betriebsbedingte Kündigungen verhindert, im kommenden Jahr wegfallen.