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Diffizile Kunstgebilde

BISSINGEN Zur feierlichen Eröffnung des neuen Museumsraumes im Mörikehaus in Ochsenwang sang Bariton Christoph Sökler, am Flügel begleitet von Anne Le Bozec, Lieder aus dem "Maler Nolten". Dem ersten



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RENATE SCHATTEL

und einzigen Roman von Eduard Mörike ist das neue Zimmer im Mörikehaus gewidmet. Als Museumsraum informativ und ästhetisch ansprechend gestaltet, kann dieser hinführen zu einer Liebesgeschichte, die in ihrer Leidenschaft und Wahnhaftigkeit vor Mörike noch niemand so geschrieben hat.


Verwoben in den Roman sind Gedichte wie "Das Lied vom Winde", oder der "Peregrina-Zyklus". Die Zigeunerin Elisabeth im "Maler Nolten" ist Peregrina, die im wirklichen Leben Mörikes große Liebe Maria Meyer war, das prägendste Ereignis in Mörikes Leben. Der tiefe Schmerz über das entschwundene Glück bewirkte eine poetische Ausdruckskraft von höchster Qualität. Verschiedene Komponisten haben sich der Dichtung Mörikes angenommen, allen voran aber Hugo Wolf, der mit den Mörike-Vertonungen seinen eigenen künstlerischen Durchbruch schaffte.


Wolf zieht die Dichtung in die Musik hinein, löst sie auf und schafft aus Wort und Ton ein Gesamtkunstwerk von äußerster romantischer Feinheit. Diese diffizilen Kunstgebilde stellen an die Interpreten höchste künstlerische Ansprüche. Christoph Sökler und Anne Le Bozec haben mit ihrer Liedinterpretation äußerst feinnervige Gefühlssphären entwickelt und sich die Lieder so zu eigen gemacht, dass sie von innen herausströmten.


Beide Künstler sind aus der Schule von Mitsuko Shirai und Hartmut Höll, die vor kurzem ebenfalls in der Ochsenwanger Kirche zu Gast waren, entwachsen, und konnten nun in der Liedkunst eigene Akzente setzen. Ihr Zusammenspiel war von traumwandlerischer Sicherheit, der künstlerische Ausdruck der noch jungen Interpreten gelangte zu einer überzeugenden Reife.


Der Schweizer Komponist Othmar Schoeck hat den Peregrina-Zyklus mit tiefer Innerlichkeit durchkomponiert und der sängerischen Ausdruckskunst fesselnde Aufgaben gestellt. "Aufgeschmückt ist der Freudensaal", "Ein Irrsal kam in die Mondscheingärten" und "Die Liebe, sagt man, steht am Pfahl gebunden" gelang Bariton Sökler mit Bravour. Die Klavierbegleitung, die Schoeck bewusst der Gesangslinie untergeordnet hatte, wurde von Anne Le Bozec unprätentiös und dennoch selbstbewusst gespielt. Mit den "Anakreontischen Fragmente, übersetzt von Eduard Mörike" wurde im Konzert ein weiterer Mörike-Komponist vorgestellt: der Neuromantiker Hanns Eisler, der vor allem als Brecht-Komponist bekannt ist.


Zum Ausklang erfreuten Christoph Sökler und Anne Le Bozec das Publikum noch mit dem heiteren Mörike, wie zum Beispiel der "Storchenbotschaft".