Lokales

Diskussion um Antenne schlägt Wellen

Weiterhin schlägt das Thema Mobilfunk in Schlierbach Wellen, so auch jüngst im Gemeinderat bei der Bürgerfragestunde. Eine Hausbesitzerin, auf deren Gebäude ein Sendemast errichtet werden soll, möchte von ihrem Vertrag mit den Mobilfunkanbieter zurücktreten, kann ihn aber nicht mehr lösen. Die "Bürgerinititative Mobilfunk Schlierbach" will eine Verlegung der Sendeanlage an den Ortsrand erreichen.

VOLKMAR SCHREIER

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SCHLIERBACH Vor mehr als einem Jahr war der Mobilfunkkonzern Vodafone mit dem Wunsch, einen Sendemast zu errichten, an die Gemeinde Schlierbach herangetreten. Das Vorhaben, die Sendeanlage auf einem gemeindeeigenen Gebäude im Ortskern zu platzieren, hatte die Gemeindeverwaltung abgelehnt und stattdessen einen Standort nördlich der B297 vorgeschlagen. Vodafone hielt diesen Standort jedoch für nicht geeignet und wurde daraufhin mit einer Hausbesitzerin in der Hölzerstraße handelseinig.

Nachdem dies Ende Januar bekannt geworden war, hatten besorgte Bürger die "Bürgerinitiative Mobilfunk Schlierbach" gegründet, die sich für eine Verlegung der Sendeanlage an den Ortsrand einsetzt. Die 68-jährige Hausbesitzerin sieht sich seitdem wegen der geplanten Antenne auf ihrem Dach verschiedensten Vorwürfen aus der Bevölkerung ausgesetzt, berichtete ihre Tochter Karin Lorch bei der Bürgerfragestunde.

Kurz nach Bekanntwerden des Antennenstandorts habe die ältere Frau sogar anonyme Briefe mit wüsten Beschimpfungen erhalten. "Im Prinzip ist meine Mutter von der Industrie überrumpelt worden und hat nun den Ärger", so erklärt die Tochter die damalige Entscheidung ihrer Mutter, ihr Haus als Antennenstandort zur Verfügung zu stellen. Obwohl die Mutter dies nun möchte, sei ein Rücktritt vom Vertrag mit Vodafone nicht mehr möglich.

Ihre Hoffnung sei nun, dass vielleicht durch ein gemeinsames Auftreten von Verwaltung, Gemeinderat und Bürgern der Mobilfunkanbieter den Antennenstandort nochmals überdenke. Bei nächster Gelegenheit, so ihre Bitte an den Gemeinderat, solle doch das Thema nochmals öffentlich mit allen Beteiligten besprochen werden. Vielleicht könnten durch eine Informationsveranstaltung auch die nachvollziehbaren Ängste vor der Strahlenbelastung in der Bevölkerung abgebaut werden. Enttäuscht zeigt sich Karin Lorch über das bisherige Verhalten von Verwaltung und Gemeinderat, für die das Thema anscheinend abgeschlossen sei.

Bürgermeister Schmid betonte, dass die Gemeinde keine Möglichkeit mehr habe, den Sendemasten zu verhindern, denn: "Masten bis 10 Meter Höhe sind genehmigungsfrei", und die Antenne von Vodafone bleibe unter dieser Grenze. Damals habe man das Ansinnen von Vodafone abgelehnt, eben weil man den drohenden Ärger mit der Bevölkerung gescheut habe. Auch darauf, dass es Ärger mit Anwohnern und Nachbarn geben könne, sollte der Sender auf einem Privathaus aufgestellt werden, habe er damals schon hingewiesen. Er verstehe die Ängste der Bevölkerung, aber: "Fast jeder hat heute ein Handy." Und bisher sei eine Gesundheitsgefährdung durch Mobilfunk nicht wissenschaftlich nachweisbar. Auch Kurt Moll von der CDU kann die Ängste teilweise nachvollziehen, sieht aber an vielen Stellen die Hysterie auch durch "selbst ernannte Experten" geschürt. Er könne jedem nur raten, sich einmal beim Bundesamt für Strahlenschutz zu informieren.

Die Bürgerinitiative hat mittlerweile über einen Rechtsanwalt einen Brief an Vodafone geschickt und ein Treffen vorgeschlagen, an dem sich alle Beteiligten Gemeinde, Vodafone, die Bürgerinitiative und die Familie Lorch nochmals an einen Tisch setzen sollen, um gemeinsam nach Alternativstandorten zu suchen. Auch ein unabhängiger Experte zum Thema Mobilfunk soll bei diesem Treffen mit dabei sein. Zu verhindern ist die Sendeanlage wohl nicht mehr, davon geht Klaus Schäffer, der Vorsitzende der Bürgerinitiative aus. Auch die Chancen, dass der Versuch einer gütlichen Einigung mit Vodafone erfolgreich sein wird, schätzt Schäffer eher gering ein. "Wir müssen aber die nächsten vier Wochen abwarten, ob und wie Vodafone auf das Schreiben reagiert."

Gesprächsbereit zeigt sich jedenfalls Bürgermeister Schmid: "Wenn dieses Treffen zu Stande kommt, werde ich auf jeden Fall daran teilnehmen", kündigt er an. Große Hoffnungen, das Problem zur Zufriedenheit aller lösen zu können, hegt er allerdings nicht, denn die Vertreter von Vodafone hätten von Anfang an deutlich gemacht, dass aus technischer Sicht nur ein Standort im Ortskern in Frage komme.