Lokales

Diskussion um die Schlattstaller Quellteiche

Besuch vom Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann bekam die Schlattstaller Quellteich GmbH. Vor Ort wollte sich der CDU-Politiker ein eigenes Bild über die Situation des im Natur- und Landschaftsschutzgebiet liegenden Betriebes machen.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Das Goldloch in Schlattstall kennt in und um Lenningen fast jedes Kind. Ähnlich wie in Gutenberg kommt auch in diesem Lenninger Teilort aus sämtlichen Ritzen an einer bestimmten Erdschicht sprudelndes Quellwasser. Dies wusste die Papierfabrik Scheufelen schon in den 20er-Jahren zu nutzen und legte zur Versorgung der Betriebskantine dort eine Teichanlage an, die bis heute Bestand hat. Seit geraumer Zeit fühlt sich dafür Rolf Müller verantwortlich, auch wenn er nicht der offizielle Geschäftsführer der Schlattstaller Quellteich GmbH ist. "Seit mehr als zehn Jahren habe ich immer Fische gezüchtet und war außerdem der erste Krebszüchter in Baden-Württemberg", erzählt Rolf Müller in der frostigen Morgenluft Karl Zimmermann, der sich auch wegen der seit längerer Zeit schwelenden Konflikte zwischen dem Quellteichbetreiber und Naturschützern selbst ein Bild machen wollte.

Zu diesem Zeitpunkt liegen jedoch nahezu alle Becken der Schlattstaller Anlage trocken, in einem steht etwa einen Meter hoch stark algenhaltiges Wasser. Lediglich in einem großen Plastikbottich schwimmen schlachtreife Yukon-Saiblinge. Laut Aussage von Rolf Müller sind es Eigengewächse. Die Fischeier kamen via Luftfracht direkt aus Kanada und wuchsen in einem seiner beiden Weiher in Oberschwaben heran. Auf mehrmaliges Nachfragen von Karl Zimmermann, wo genau sich das Fischgewässer befindet, antwortete Rolf Müller: "Bei Saulgau."

"Fünfzehn Jahre war ich hinter den Teichen hier in Schlattstall her", erzählt Rolf Müller weiter. Ein Pachtvertrag mit der Papierfabrik besteht mit der Quellteich GmbH noch bis weit in die zwanziger Jahre hinein. Eine naturnahe Aufzucht von Fischen will Quereinsteiger Müller dort betreiben, der vor seiner Zeit als Fisch- und Krebszüchter in der Baubranche tätig war.

"Dies könnte eine Bilderbuchanlage sein und nun finde ich hier eine solche Gruschtanlage vor ich bin empört über den Zustand hier und auch enttäuscht", fand der CDU-Abgeordnete klare Worte. Mehr noch: Er stellt die fachlichen Fähigkeiten des Teichbewirtschafters infrage. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein da. "Herr Müller ist wegen seiner Umweltdelikte bekannt", sagt Lenningens Bürgermeister Micheal Schlecht. Dabei ist die Gemeinde daran interessiert, dass es in Schlattstall eine kleine, aber feine und funktionierende Teichanlage gibt. Teichwirtschaft und Naturschutz müssen sich nach Ansicht von Michael Schlecht nicht ausschließen, sondern können sich ergänzen. "Das muss nur alles in einem vernünftigen und vor allem ordnungsgemäßen Rahmen stattfinden aber genau das ist nicht der Fall", so die mehrjährige Erfahrung des Bürgermeisters.

Die Lokale Agenda Lenningen 21, Gruppe Natur, Landschaft und Verkehr, befasst sich ebenfalls seit einiger Zeit mit der Thematik der Schlattstaller Quellteiche. Bei einem anberaumten Vor-Ort-Termin Anfang dieses Jahres, an dem unter anderem der Schlattstaller Gemeinderat Andreas Metzger, Bürgermeister Michael Schlecht und Matthias Berg, Erster Landesbeamter des Landkreises Esslingen, mit dabei waren, wurde den Vertretern der Lokalen Agenda der Zutritt zur Teichanlage verwehrt. Missachtung von Naturschutzbelangen in diesem sensiblen Bereich, lautet einer der Kritikpunkte der Agenda-Gruppe an die Quellteich GmbH, aber auch Missstände auf und um den Lagerplatz werden von dieser Seite immer wieder bei Behörden und Verwaltung zur Sprache gebracht.

Schon vor Jahren gab es an gleicher Stelle ein ähnliches Treffen mit sämtlichen zuständigen Behörden, erinnert sich Michael Schlecht. Nun kam es zu einer Neuauflage. "Es gab klare und deutliche Anweisungen an die Adresse von Herrn Müller", so der Bürgermeister. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Züchter mit einer Fischkrankheit zu kämpfen und deshalb die leeren Teiche mit Brandkalk desinfiziert. Nach Abschluss dieser Maßnahme war die Auflage, die stark alkalisch belastete Brühe ordnungsgemäß zu entsorgen. Unserer Zeitung gegenüber betonte Rolf Müller, allen Vorschriften entsprochen und keine Lebewesen im Bach getötet zu haben. Wasserproben ergaben jedoch, dass das mit Brandkalk durchsetzte Wasser aus den Teichen in die Lauter gelangte und sich eine milchig weiße Flüssigkeit talabwärts bewegte.

"Es ist bekannt, dass die Quellteich GmbH alle Rechtsschutzmöglichkeiten ausschöpft. Dadurch verzögert sich vieles", sagt Vize-Landrat Berg. Obwohl die Quellteich GmbH kein alteingesessener Betrieb sei, gebe es zurzeit den dritten Geschäftsführer, was eine gerichtliche Verfolgung der Delikte äußerst schwierig gestalte. "Herr Müller kann sich in Schlattstall noch so viel erlauben, die GmbH können wir deshalb noch lange nicht belangen", erklärt Matthias Berg. Nun ist für ihn aber das Maß voll. "Wir machen vor Ort einen großen Termin, der Agenda-Gruppe wird der Zutritt verwehrt, wir versuchen trotzdem die Flughöhe niedrig zu halten, ihm nochmals eine Chance zu geben und dann ist die Soße nur wenige Tage später in der Lauter das ist geradezu skurril", so der Vize-Landrat.

Für Rolf Müller liegt die Ursache all seiner Probleme klar auf der Hand. Das Vorkaufsrecht des Landes hemme all seine Investitionen, denn wer stecke schon viel Geld in einen Betrieb, der in etwa 20 Jahren möglicherweise einen anderen Besitzer habe. Auf die Frage von Karl Zimmermann, warum er dann überhaupt einen Pachtvertrag abgeschlossen habe, gibt er keine Antwort, sondern verweist darauf, dass er einen Interessenten an der Hand habe, der bereit wäre, etwa 150 000 Euro zu investieren, sobald das Land auf sein Vorkaufsrecht verzichtet. Zu dem Areal gehört auch die denkmalgeschützte Mühle samt Trockenschuppen, das sich rechts des Weges zum Goldloch befindet.