Lokales

Diskussionsbedarf zur Kleinkinderbetreuung

Gemeinderat signalisiert seine grundsätzliche Bereitschaft zu notwendigen Investitionen

Der Ausbau der Kleinkinderbetreuung in der Gemeinde Holzmaden stellt sich zurzeit noch als Gleichung mit sehr vielen Unbekannten dar. So wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Problematik zwar andiskutiert, wobei es letztlich bei einer grundsätzlichen Aussage blieb: Die Gemeinde ist bereit, in die Schaffung von neuen Kinderbetreuungsplätzen zu investieren.

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Rudolf stäbler

Holzmaden. Bekanntlich soll in Deutschland das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren verbessert und die Kindertagespflege bis zum Ende des Jahres 2013 bedarfsgerecht ausgebaut werden. So muss die Gemeinde in den nächsten Jahren entsprechende Plätze anbieten. Bisher werden im Kindergarten Kinder erst ab drei Jahren aufgenommen.

Nachdem es der Kindergartenausschuss der Gemeinde im Rahmen des Bedarfsplanes abgelehnt hatte, bereits ab September 2008 ein bis zwei Kinder unter drei Jahren im Kindergarten aufzunehmen,stellte das Landratsamt fest, dass dies nicht der Intention des Gesetzgebers entspreche. Nach den geltenden Vorschriften, so das Landratsamt weiter, sind bis spätestens ab dem 1. Oktober 2010 Plätze für Kinder unter drei Jahren vorzuhalten. Es sei auch davon auszugehen, dass ab 2013 eine Rechtsanspruch für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres eingeführt wird. So wird der Kindergartenausschuss gebeten, seine Ablehnung neu zu überdenken.

Bürgermeister Jürgen Riehle erläuterte im Gremium, dass nun ein Investitionsprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung 2008 bis 2013 bekannt gemacht worden sei. Demnach werden Baumaßnahmen gefördert, die neue Plätze für Kleinkinder schaffen. Es gibt Festbeträge für zusätzlich geschaffene Betreuungsplätze für Kindertageseinrichtungen. Bei einem Neubau werden 12 000, bei einem Umbau 7000 und bei einer Umwandlung 2000 Euro Zuschuss pro Platz bezahlt.

Die Anträge auf Zuschüsse sind für 2008 bis zum 15. Mai und bis zum 15. September zu stellen. Dies, so war die einhellige Meinung im Ratsgremium, sei nicht zu schaffen. Bevor irgendwelche Änderungen oder Baumaßnahmen in Angriff genommen werden, will der Holzmadener Gemeinderat eine grundsätzliche Diskussion auf breitester Basis mit entsprechenden Fachleuten führen.

Nachdem in Holzmaden das Kindergartenwesen auf zwei Gebäude verteilt ist und dies in den vergangenen Jahren immer wieder zu Organisationsproblemen und zu einem höheren Personalbedarf geführt habe, sollte nach Meinung des Rathauschefs, grundsätzlich über das Ziel, die Kinderbetreuung in einem Gebäude anbieten zu können, beraten werden. Nach Auffassung der Verwaltung würde sich das Gebäude in der Seestraße anbieten, insbesondere nachdem dort Platz für einen Anbau, das Angebot zum Aufstocken des Gebäudes und die Notwendigkeit zur mittelfristigen Sanierung des Gebäudes vorliegt. Der Bürgermeister sieht darin die Chance zu wesentlichen Verbesserungen: gesamte Betreuung unter einem Dach; flexible Einteilung von Gruppen; problemloser Personaleinsatz, effiziente Bewirtschaftung des Gebäudes, Zuschüsse für Investitionen und die Eltern mit mehreren Kindergartenkindern müssten nicht zwei Standorte anlaufen.

Und Jürgen Riehle ging in Gedanken auch noch einen Schritt weiter. Die frei werdenden Räume in der Schule stünden beispielsweise zum einen für die Verlässliche Grundschule, zum anderen für eine etwaige Ganztagesbetreuung der Schüler oder einer möglichen kommunalen Seniorenstube zur Verfügung.

Pfarrer Andreas Taut als Vertreter des Kindergartenträgers stellte in der Sitzung heraus, dass zurzeit nahezu alle dreijährigen Kinder in den Kindergarten kommen, man wisse allerdings nicht, wie viele Eltern die Zwei- und später die Einjährigenbetreuung tatsächlich in Anspruch nehmen wollen. Das Land gehe dabei von etwa einem Drittel aus. Viele Eltern werden sich fragen: Wie sinnvoll ist es, unser einjähriges Kind 30 Wochenstunden im Kindergarten betreuen zu lassen? Er vermutet allerdings, dass bei einem passenden Angebot die Nachfrage steigt. Auch wisse man nicht, wie sich die schulischen Rahmenbedingungen verändern werden. Werden in Zukunft noch mehr Fünfjährige eingeschult? Kommt die Grundschule bis zur sechsten Klasse?, was bedeuten würde, dass für die Schule mehr Raumbedarf entstünde. Zurzeit geht der Träger von zwei Standorten aus, die bis September 2010 aber neu organisiert werden sollen. Der Gedanke ist hier: Schillerstraße für Zwei- bis Dreijährige, Seestraße für Vier- bis Sechsjährige. Trotzdem sehe er aber auch, dass ein gemeinsamer Standort auf Dauer betriebswirtschaftlich kostengünstiger sei.