Lokales

Dornröschenschlaf neigt sich Ende zu

Weilheimer Schlossscheuer wird saniert – Räume für kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen geplant

Mit der Sanierung der Schlossscheuer aus dem 15. Jahrhundert möchte Weilheim einem seiner bedeutendsten Kulturdenkmäler zu neuem Glanz verhelfen. Genutzt werden soll das Fachwerkgebäude an der Schulstraße vorrangig im Sommer. Der Grund: Um den ursprünglichen Zustand weitgehend zu erhalten, ist an den Einbau einer Heizung nicht gedacht.

ANKE KIRSAMMER

Weilheim. Die Schlossscheuer, im Volksmund besser bekannt unter dem Namen „Löwenscheuer“, ist ein Überbleibsel des einstigen Weilheimer Stadtschlosses. Für Tilman Marstaller stellt sie den „bedeutendsten Profanbau“ Weilheims dar, der „zu Recht als einer der schönsten mittelalterlichen Fachwerkbauten des Kreises gilt“, so der Bauforscher und Mittelalter-Archäologe in der 2007 erschienenen Weilheimer Stadtgeschichte. Mit seinem für die damalige Zeit hochmodernen und reich verzierten Fachwerk, rage das Gebäude „geradezu provozierend“ über die Stadtmauer hinaus.

Auch im Innern geizt der einstige Prachtbau nicht mit Reizen: In der südwestlichen Ecke war im zweiten Obergeschoss einst eine Bohlenstube eingerichtet, von der heute unter anderem noch eine vollständig erhaltene Bohlenwand zeugt. Rußge­schwärzte Balken und Vorrichtungen für einen Rauchabzug sucht man in dem dreistöckigen Flügel des einstigen Adelssitzes vergeblich, was da­rauf schließen lässt, dass er nie beheizt war. Das soll sich mit der Sanierung auch nicht ändern. Die Ent­wurfsplanung des Stuttgarter Architekten Peter Schell, der auch mit dem Umbau des Kapuzinerhauses beauftragt war, sieht eine „kalte Nutzung“ vor. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss sollen Räume für kulturelle und städtische Veranstaltungen entstehen, im zweiten Obergeschoss ein Ausstellungsraum. Die geschätzten Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich ohne Möblierung auf rund 673 000 Euro. „Gefördert werden 60 Prozent der anrechnungsfähigen Kosten“, so Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer in jüngster Gemeinderatssitzung. Der Haushaltsplan 2008 enthält bereits Planungskosten in Höhe von 100 000 Euro.

Stadträtin Gerda Schrägle pochte auf den Verzicht des Einbaus einer Heizung, weil sich sonst die Kosten nicht einhalten ließen. Derlei Befürchtungen nahm Schell den Wind aus den Segeln: „In diesem Fall wäre eine Wärmedämmung auch außen notwendig und das würde das gesamte Gesicht des Gebäudes verändern.“ Die Bauzeit taxiert Schell auf rund ein Jahr.

Ursprünglich sollte das Thema Löwenscheuer bereits in der Gemeinderatssitzung im vergangenen Dezember beraten werden. Weil die Planungen für das Nachbargrundstück, dem ehemaligen Gasthof zum Löwen, aber ins Stocken geraten waren, wurde der Tagesordnungspunkt kurzfristig abgesetzt. Mittlerweile hat eine Abstimmung stattgefunden und für die Seniorenwohnungen auf dem Nachbargelände ist die Baugenehmigung erteilt.

Einstimmig sprach sich das Ratsgremium für Erhalt und Sanierung der Schlossscheuer aus. Auf der Grundlage der Entwurfsplanung werden nun das Baugesuch eingereicht und der Zuschussantrag gestellt.

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