Lokales

"Dr ledschde Wille" nach Fitzgerald Kusz

Mit ihrem Herbststück "Dr ledschde Wille" tritt die Neuffener Städtleskomede im Oktober in Neuffen und im November in der Kirchheimer Stadthalle auf.

NEUFFEN/KIRCHHEIM "Schwätzet ihr no mitnander oder hent r scho g'erbt?" Mit diesen Worten erkundigte sich erst neulich eine Frau von nebenan nach einem Todesfall bei ihrer Nachbarin nach deren lieber Verwandtschaft. Das Erben hat zwar einen ernsten Hintergrund, aber auch das kann man durchaus humoristisch aufbereiten. Den Beweis dafür tritt die Städtleskomede Neuffen mit ihrer neuesten Produktion an. Das Herbststück der Theatertruppe aus dem Täle, das am 14. Oktober Premiere hat, trägt den bezeichnenden Titel: "Dr ledschde Wille".

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Der fränkische Autor Fitzgerald Kusz ist sicher vielen Theaterbesuchern von seinem Paradestück "'s Konfirmandefescht" (im Original "Schweig, Bub!") bekannt, das unter anderem auch im Fernsehen mit Walter Schultheiß zu sehen war. Die Städtleskomede hat sich als Dialekttheater für die kernige schwäbische Übersetzung von Eduard Smetana entschieden.

Der Inhalt des abendfüllenden Stückes ist eigentlich schnell erzählt: Tante Martha ist gestorben und hinterlässt ein Mehrfamilienhaus, einen Oldtimer und jede Menge Wertpapiere. Klar, dass die lieben Verwandten schnell zur Stelle sind. Gleich nach der Beerdigung findet man sich "en dr guade Stub" von Tante Martha ein. Nein, nicht etwa zum Leichenschmaus ("des koscht zviel"), sondern, um ans Verteilen des Erbes zu gehen. Da sind zum einen Tante Marthas Schwester Olga (Ute Pfisterer) ("I will ja nix, aber des Geschirr von meiner Mudder krieg i") und ihre beiden Kinder. Tochter Ursel (Rebecca Pfisterer), eine etwas verklemmte Lehrerin, und Sohn Kurt (Thomas Pfisterer), der Gärtner, der sich einbildet, im Blumenladen seiner Frau der Chef zu sein. Kurts Frau Siggi (Katja Reichert) sieht das anderst, sie bevorzugt in ihrem Frust "flüssige Seeletröschderle". Die andere Seite der Verwandtschaft, das ist Neffe Heinz (Walter Woitzik), der sicherheitshalber gleich die Broschüre "Wie erbt man am besten?" mitgebracht hat. Seine Frau Karin (Gertrud Zimmermann) kommt bei diesem Choleriker kaum zu Wort. Beide Familien sind sich nicht besonders grün, aber als der angeheiratete Neffe Klaus (Dieter Puskas) ein Testament zu seinen Gunsten vorlegt, verbünden sie sich gegen ihn. Hausmeisterin Erika (Ulla Kien) ist das alles egal, sie will nur den ihr von Tante Martha versprochenen Opel Kapitän, Baujahr 1958, haben. So beginnt der Kampf um die wertvollste Blumenvase und die Pelzmäntel, die Münzsammlung und das letzte "Essen auf Rädern".

Erst nach zwei Trennungen und einer neuen Liebe kommt das wahre Testament von Tante Martha zum Vorschein. So durchtrieben die Verwandtschaft auch ist, Tante Martha schlägt sie sogar nach ihrem Ableben noch um Längen.

Regisseur Thomas Oser ist es gelungen, aus der eigentlich bitterbösen Satire die humorvollen Seiten hervorzuheben. Die Städtleskomede will die Leute unterhalten und dabei schadet es auch nicht, im Lachen den realen Hintergrund zu erkennen. In jeder Freude steckt auch Trauer und alles Schlechte im Leben hat auch sein Gutes. Und wer die Städtleskomede kennt, kann als Zuschauer sicher sein, dass er einen unterhaltsamen Abend erleben wird. Nicht umsonst hat sich diese als Leitspruch auf ihre Fahnen geschrieben: "Wia em Leba eba!"

Der Kartenvorverkauf hat am 26. September begonnen. Erleben kann man das Theatervergnügen in der Neuffener Stadthalle an den folgenden Terminen: Freitag, 14. Oktober, und Samstag, 15. Oktober, jeweils 20 Uhr (Saalöffnung 19 Uhr), Freitag, 21. Oktober, und Samstag, 22. Oktober, jeweils 20 Uhr (Saalöffnung 18 Uhr), Bewirtung vorher und in den Pausen. Vorverkauf für die Neuffener Termine hat Brillenmacher Otto, Hauptstraße, Neuffen. Eine weitere Veranstaltung findet in der Stadthalle Kirchheim am Samstag, 12. November, Beginn 20 Uhr (Saalöffnung 19 Uhr) statt. Karten für diese Veranstaltung gibt es bei Blumen Kahle, Weppachweg 14, Kirchheim, nach telefonischer Anmeldung unter 07021/6565.

pm