Lokales

Drei alternative Standorte nicht aufgezeigt

Der Mobilfunkbetreiber O2 möchte auf Neidlinger Gemeindegebiet eine Funkfeststation errichten, um sein flächendeckendes Netz zu vervollständigen. In der Frage eines geeigneten Standortes will er mit der Ortsverwaltung und dem Gemeinderat zusammenarbeiten.

RENATE SCHATTEL

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NEIDLINGEN Der Neidlinger Gemeinderat hatte in seiner Sitzung am 4. Juli 2005 beschlossen, in Sachen Mobilfunk-Standort die Regie nicht aus der Hand zu geben. Da aber für Sendeanlagen keine Baugenehmigung notwendig ist, beruht die Zusammenarbeit auf dem guten Willen der Mobilfunkbetreiber. Möglich wäre es für diese, Sendeanlagen auf Privathäusern anzubringen, was den Hausbesitzern eine zusätzliche Miete einbringen würde. Der Betreiber setzt aber auf die Kooperation von Rat und Verwaltung der Gemeinde. Bereits am 5. Dezember 2005 hatte die O2 angefragt, auf dem gemeindeeigenen Grundstück am alten Hochbehälter Bühl die Anlage anbringen zu wollen, was schlussendlich in der Sitzung vom 30. Januar abgelehnt wurde. In dieser wurde der Anbieter aber aufgefordert, drei alternativ geeignete Standorte vorzuschlagen.

In jüngster Sitzung waren nun drei Mitarbeiter von O2 erschienen, um über die Standortplanung auf Neidlinger Gemarkung aus erster Hand zu informieren. Dass die Neidlinger ein hartnäckiges und kritisches Völkchen sind, wurde den Mobilfunkanbietern schon vor ihrer Präsentation klar, als nämlich Gemeinderat Karl Drexler nachfragte, ob es nicht gegen die Geschäftsordnung sei, wenn der Bürgermeister ungefragt Sachverständige in den Gemeinderat lädt, zumal die so genannten Sachverständigen nicht unbefangen seien. Rolf Kammerlander betonte, dass ihm an einer einvernehmlichen Lösung bezüglich eines Standortes gelegen sei und nutze gerne das Angebot der Mobilfunkbetreiber.

Nachdem aber Szilvia Karai ihre Power-Point-Präsentation über Strahlungssicherheiten und technischen Maßgaben, bezogen auf den Wasserhochbehälter, beendet hatte, herrschte allgemeine Ratlosigkeit im Ratsrund, hatte sie doch anstatt der versprochenen drei alternativen Standorte nur den Standort Hochbehälter in die Untersuchung einbezogen und diesen als in jeder technischen wie strahlungssicheren Hinsicht als passend angepriesen. Nicht beachtet hatte sie die dringende Anfrage der Gemeinderäte, wie sich die Strahlung von dem extrem leitfähigen Wasser, das bestimmungsgemäß im Hochbehälter angestaut ist, fernhalten lässt.

Unumwunden und deutlich machten die Gemeinderäte ihrer Enttäuschung Luft, unterstellten Szilvia Karai und ihren Mitstreitern, Elke Kastner, die Aquisiteurin, und Jörg Langheim, Technikspezialist, wirtschaftliche Interessen, weil die Hochbehälterlösung für sie die billigste Variante sei. Gar nicht untersucht hätte das O2-Team den schon bestehenden Sendemast auf dem Erkenberg als möglichen Standort. Das Umspannhäuschen und die Freifläche am Schützenhaus seien nur erwähnt, nicht aber untersucht worden. Bürgermeister Kammerlander zeigte sich ebenfalls enttäuscht, denn, so war besprochen worden, sollten Standortalternativen aufgezeigt werden. Gemeinderat Wolfgang Heilemann brachte es auf den Punkt: "Was sie dargestellt haben, ist nicht ausreichend."

Das glasklare Urteil seitens des Rates brachte nun ihrerseits Elke Kastner in Rage. Sie und ihre Mitarbeiter arbeiteten Tag und Nacht an den Planungen, die in allen Gemeinden bisher akzeptiert worden seien. Sie habe noch nie so lange gebraucht, mit einer Gemeinde einen Vertrag abzuschließen wie in Neidlingen. Ihnen ginge es nicht um den wirtschaftlichen Aspekt, sondern darum, den passenden Standort zu finden. Sie sei nun beleidigt und gekränkt. Dann drohte sie den Räten an, nun auf die Neidlinger Hauseigentümer loszugehen.

Szilvia Karai lenkte aber ein und versprach, die Untersuchungen über die alternativen Standorte gerne nachzureichen und sprach von einem Missverständnis. Insbesondere der Platz am Umspannhäuschen käme nun in die nähere Betrachtung. Auch für Jörg Langhaus erscheint dieser Platz aus technischen Gründen geeignet. Bürgermeister Kammerlander hofft jetzt, in der nächsten Sitzung "einen Knopf an die Sache machen zu können".