Lokales

Drei Einsen, jede Menge Anerkennung und rote Rosen

Es ist ein außergewöhnlicher Grund zum Feiern, aber es ist ja auch eine außergewöhnliche Einrichtung: Das Wächterheim hat sein 111-jähriges Bestehen würdig begangen. Das Geburtstagsfest wurde zu einer stimmungsvollen Feier, bei der die zahlreichen Festredner nicht mit hohem Lob für die geleistete Arbeit sparten.

MICHAEL KRAFT

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KIRCHHEIM Was hätte wohl die Freifrau Josephine von Wächter-Lautenbach dazu gesagt, was aus ihrem Zufluchtsort für junge, ledige Mütter geworden ist? Der wurde im November 1894 von ihr und ihren ebenfalls christlich motivierten Mitstreitern als "Versorgungshaus für erstmals Mutter werdende Mädchen" in der Schlierbacher Straße in Kirchheim eingeweiht. Heute ist aus dem einstigen Mütter-Heim eine moderne und leistungsfähige Pflegeeinrichtung geworden, die am ursprünglichen Standort in Kirchheim ein Altenpflegeheim mit 40 Plätzen betreibt und an zahlreichen Standorten in der Region mit zahlreichen Angeboten weit mehr als 100 jungen Menschen Hilfe und Unterstützung für ihr Leben anbietet.

Das Wächterheim sei "ein Anker sozialer Kultur in der Stadt", betonte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Die Stadt sei stolz darauf, dass sie eine so traditionsreiche Einrichtung habe, sagte sie mit Blick auf die 111-jährige Geschichte des Hauses und dankte sehr ausdrücklich für die dort geleistete Arbeit mit jungen Menschen, die "Impulse in der Jugendarbeit der Stadt setzt."

"Zeitnah und fachlich qualifiziert" leiste das Wächterheim seine Arbeit, zollte Dieter Krug, der Sozialdezernent des Kreises Esslingen, der Einrichtung seine Anerkennung. "Würdevoller Umgang mit älteren Menschen" zeichnet nach Krugs Worten die Arbeit des Wächterheims aus in diesem Punkt war er sich mit seiner Vorrednerin einig. Auch Heike Baehrens vom Diakonischen Werk der evangelischen Kirche in Württemberg hob diesen würdevollen Umgang mit älteren Menschen besonders hervor. Das Wächterheim stehe auf einer "tragfähigen Wertebasis" und genieße den Ruf, mit der Weiterentwicklung seiner Angebote "immer am Puls der Zeit zu sein."

Das Wächterheim sei "nicht nur geografisch in der Stadt präsent, sondern auch im Bewusstsein der Menschen", sagte Dekan Hartmut Ellinger, der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Paulinenpflege. Wie die von Heike Baehrens angesprochene Weiterentwicklung im Wächterheim vor sich geht, machte dessen Leiter Friedrich Schlipphak sehr anschaulich deutlich, nicht nur mit Worten, sondern auch mit an die Wand projizierten Videofilmen der Einrichtung und ihrer Arbeit: Kinder beim Spielen, Basteln, beim Fußballspielen oder beim Hausaufgabenmachen, Pflegerinnen und Pfleger, die liebevoll und geduldig ältere Menschen umsorgen was hinter Friedrich Schlipphak an der Wand erschien, machte den vielen Gästen des Festaktes sehr anschaulich deutlich, welche Arbeit die rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wächterheims leisten.

Deutliche Worte findet Peter Treuherz, Vorsitzender des Stiftungsrats des Wächterheims, in der Festschrift der Einrichtung: Es könne nicht sein, dass die Gesellschaft die Angebote der Jugend- und Altenhilfe nachfrage, den Trägern aber Kosten aufbürde, die diese "nach und nach in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen" würden ein Appell, den Peter Treuherz beim Festakt wiederholte.

Das letzte Kapitel des Johannes-Evangeliums hatte sich Dekan Dieter Kaufmann vom Kreis-Diakonie-Verband Esslingen für seinen Festvortrag ausgesucht. Er sorgte dafür, dass die Zuhörer einen ebenso informativen wie umfangreichen Einblick in die Auslegung eines Bibel-Textes bekamen. Vielleicht war es kein Zufall, dass zeitgleich zum Festakt in Kirchheim überall im Land der offizielle Auftakt der Fastnacht gefeiert wurde. Masken und Verkleidungen spielten auch im Wächterheim eine Rolle: Die Gäste wurden von jungen Menschen begrüßt, die schwarz gekleidet und mit weiß geschminkten Gesichtern als Pantomimen auftraten und jedem der Festredner eine rote Rose überreichten.

Dass der offizielle Festakt zum 111-jährigen Bestehen des Wächterheims auch eine familiäre Note hatte, verriet Friedrich Schlipphak den Gästen zum Schluss als er aufklärte, wer die vier jungen Herren und die junge Dame waren, die den Festakt so schwungvoll und schmissig mit Bläsermusik umrahmt hatten. Denn zumindest drei von ihnen kennt der Leiter des Wächterheims ziemlich gut. Friedrich Schlipphak klärte auf: "Das sind meine Tochter, mein Schwiegersohn und mein Sohn."