Lokales

Drei Haltestellen, ein Euro, einige Ausnahmen

Ab Januar gilt der Kurzstreckenfahrschein des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) nur noch im Bus, nicht mehr im Zug. Er kostet künftig nur noch einen Euro, und er gilt nicht mehr zwei Kilometer weit, sondern immer für drei Haltestellen ohne Umsteigen. Letzteres kann ein deutlicher Vorteil sein, allerdings gibt es einige Ausnahmen. Auch wenn ein Hinweis darauf im Tarifheft vergessen wurde.

PETER DIETRICH

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KREIS ESSLINGEN Für nur einen Euro mit Bus 165 von Jesingen, Rathaus, nach Ohmden, Rathaus? Und von Weilheim, Haltestelle Neidlinger Straße, mit Bus 174 bis nach Hepsisau oder Neidlingen? Das klingt nach einem Schnäppchenpreis, und laut der aktuellen elektronischen Fahrplanauskunft unter www.vvs.de gilt dieser auch. Gibt man ein Reisedatum im neuen Jahr ein, wird der Ein-Euro-Fahrpreis angezeigt. Mit der neuen Regelung wollte der VVS seine bisher gültige Kurzstreckenregelung, die an manchen Haltestellen zu langen und unübersichtlichen Listen führte, deutlich vereinfachen. Drei Haltestellen da kann jeder einfach mitzählen, da gibt es keine Interpretationsprobleme.

Wer sich nun jedoch freut, für einen Euro künftig sogar mit Bus 179 von Oberlenningen nach Erkenbrechtsweiler zu fahren drei Haltestellen, sieben Kilometer, sollte jedoch vorher auf den Haltestellenplan schauen: Um überlange Strecken zu vermeiden, hat der VVS nun Ausnahmen vorgesehen. Die sind zwar (noch) nicht in die elektronische Fahrplanauskunft eingearbeitet und widersprechen der Aussage im Tarifheft, das jedem neuen Kreisfahrplan beiliegt. Im VVS-Kundenmagazin vom Dezember 2005 ist jedoch plötzlich von Ausnahmen die Rede, die an den betroffenen Haltstellen ausgehängt seien unterschiedliche Darstellungen, die nicht so ganz zusammenpassen und nur als Panne zu verstehen sind.

Eine Ausnahmeliste für den Landkreis Esslingen liegt beim VVS zwar vor, ist jedoch laut Pressesprecher Wilfried Vilz nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Allenfalls auf konkrete Nachfrage zu einzelnen Verbindungen ist von Vilz eine Auskunft zu erhalten. Dies ergibt beispielsweise Ausnahmeregelungen für die Linien 142 und 144 zwischen Plochingen und Reichenbach. Auch verweist Vilz darauf, dass von einzelnen Linien nicht bediente, aber wegen anderer auf der gleichen Strecke verkehrenden Linien vorhandene Haltestellen mitgezählt werden sollen. "Es wird nur ganz wenige Ausnahmen geben", betont er jedoch, sodass sich die Suche nach attraktiven Verbindungen für Schnäppchenfahrer durchaus lohnt. Wenn auch mit vorherigem Blick auf die Haltestellentafel, der im Gegensatz zu früher eigentlich entfallen sollte.

Die Kurzstrecke lohnt auch als Anschlussfahrschein. Ein Beispiel: Wer eine Monatskarte für Zone 61 (Kirchheim) hat, kann damit bis nach Dettingen, Haltestelle Goldmorgen, fahren. Löst er beim Einstieg in den Bus zusätzlich einen Kurzstreckenfahrschein, bringt ihn dieser zu sämtlichen Haltestellen in Owen nach alter Regelung wäre hierfür ein Preis von 1,80 Euro fällig. Erst eine Fahrt von Dettingen bis Brucken oder Lenningen kostet künftig so viel.

Kinderermäßigung gibt es beim Kurzstreckenticket allerdings keine. Für die Fahrt in nur einer einzigen Zone ist daher der Kinderfahrschein für 95 Cent etwas besser, berührt die Strecke mit drei Haltestellen jedoch zwei Zonen, ist wiederum die Kurzstrecke für Erwachsene mit einem Euro billiger als der Zwei-Zonen-Kinderfahrschein zu 1,15 Euro.

Bleibt die Frage, was die Kontrolleure mit einem Fahrgast machen, der sich auf das Tarifheft verlassen hat und nichts von den Ausnahmen wusste, daher auch nicht am Haltestellenfahrplan danach gesucht hat. Wollte er seinen Fahrschein zuvor beim Busfahrer lösen, mag ihn dieser vielleicht auf die Ausnahme auf seiner Linie hingewiesen haben aber was ist mit dem stummen Fahrkartenautomaten, der nicht weiß, wohin es mit dem per Druck auf die Kurzstreckentaste gelösten Ein-Euro-Ticket gehen soll?