Lokales

Drei Jahre Haft

Schuldspruch im Missbrauchs-Prozess

Ein 43-jähriger Schlosser aus Erkenbrechtsweiler ist vom Stuttgarter Landgericht wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs seiner achtjährigen Stieftochter zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Dass er auch eine 15-jährige Nichte seiner Ehefrau missbrauchte, konnte ihm die Jugendschutzkammer aber nach dreiwöchiger Verhandlung nicht nachweisen und sprach ihn von diesem Vorwurf der Vergewaltigung frei.

BERND WINCKLER

Stuttgart. Bis zuletzt hatte der 43-Jährige vor den Richtern der 4. Großen Jugendschutzkammer des Landgerichts Stuttgart seine Unschuld beteuert und ausgesagt, er habe seine damals achtjährige Stieftochter 1999 nie unsittlich angefasst. Doch die heute 17-Jährige hat nach Auffassung der Juristen im Zeugenstand die Wahrheit gesagt und die drei sexuellen Übergriffe, ausgeübt in der damaligen Nürtinger Wohnung, genau geschildert und nicht erfunden.

Die Richter stellten anhand dieser Zeugenaussage fest, dass der Angeklagte das Kind im Frühjahr 1999 in der Wohnung sexuell missbraucht hat. Etwa ein halbes Jahr später vergriff er sich erneut an dem Kind. Zur letzten Tat kam es nach richterlichen Erkenntnissen am 20. November 1999, als sich die Ehefrau im Krankenhaus befand. Diese Tat war nach Meinung des Gerichts als „besonders schwer“ einzustufen, weil der 43-Jährige versucht habe, mit der Achtjährigen Geschlechtsverkehr auszuüben.

Nicht nachweisen konnten die Richter dann den Vorwurf, er habe zwei Jahre später auf einem Waldparkplatz die 15-jährige Nichte seiner Ehefrau vergewaltigt. Das heute 22-jährige Mädchen hatte im Zeugenstand mehrfach ihre Aussagen geändert und Daten falsch angegeben, sodass hier „im Zweifel für den Angeklagten“ entschieden werden musste. Für eine Verurteilung benötigen die Richter genaue Daten und Tatschilderungen. Dies habe in diesem Fall gefehlt, heißt es in dem Freispruch.

Der Verteidiger des Schlossers hatte aber insgesamt einen Freispruch beantragt und die Auffassung vertreten, dass auch die Stieftochter nicht die Wahrheit gesagt habe. Fünf Jahre Haft hatte die Staatsanwältin beantragt. Der Anwalt will gegen den Schuldspruch Revision einlegen.

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