Lokales

Drei Tage in der fränkischen Orgellandschaft

Fünfzig Orgelfreunde machten sich für drei Tage auf den Weg zu 18 Instrumenten in der Orgellandschaft um Nürnberg und Erlangen. Schlechtes Wetter, so die Organisatoren Karl-Otto Alpers und Leo Kutschkowski, konnte kein Hinderungsgrund für eine Reise zu immer wieder neuen Entdeckungen sein.

ROLAND KRÄMER

Anzeige

KIRCHHEIM Die Einladung zu dieser Fahrt verdankte der Kirchheimer Förderverein Kirchenmusik-Professor Dr. Konrad Klek, dem früheren Nürtinger Bezirkskantor und heutigen Universitätsmusikdirektor an der Universität Erlangen-Nürnberg. Der unmittelbare Anlass, die Einweihung einer neuen Goll-Orgel in der Universitätskirche zu Erlangen, hatte einen direkten lokalen Bezug. Die Wurzeln der heutigen Firma Goll in Luzern liegen schließlich in Bissingen und Kirchheim.

Für die kompetente historische Einordnung der Reiseziele war der Vereinsvorsitzende Karl-Otto Alpers zuständig, die inspirierenden Impulse für das Verständnis der kirchenmusikalischen Zusammenhänge gab Kirchenmusikdirektor Ernst Leuze. Ein Leitmotiv dieser Orgelfahrt waren faszinierende Spannungsbögen, die sich zwischen den verschiedensten Gegenpolen auftaten. Da gab es durchgehend die zu erwartende Auseinandersetzung zwischen schmetternder Wucht des Barock und traumhaft feinen, weichen und runden Registern der Romantik. Besonders interessiert begegnete man dem Nebeneinander der wenigen original erhaltenen Instrumente und der wachsenden Zahl der neu hinzukommenden.

Die einmanualige Strebel-Orgel von 1892 in der Wehrkirche von Großhaslach wurde bis heute kaum verändert. Im Zusammenkommen von Zartheit, Wärme und Fülle ist sie ein Kleinod der romantischen Klangwelt. Überzeugt war man aber auch von der 1999 gebauten heimelig und intim klingenden romantischen Rohlf-Orgel in Eckenhaid, ebenso von der Klarheit und feurigen Kraft der an der klassischen elsässischen Tradition orientierten, 2005 fertig gestellten Orgel von Gaston Kern in Büchenbach. Dass die Renovierung einer historischen Orgel nicht zwingend zu einer Verbesserung führt, wurde in der Stadtpfarrkirche Sankt Johannis in Ansbach deutlich. Dort ist eine Rieger-Orgel von 1962 von der Firma Mühleisen 1991 renoviert worden und vermittelt ein Klangerlebnis, das nicht von allen Teilnehmern als in sich stimmig empfunden wurde. Ernst Leuze stellte zwei unterschiedliche Orgelbauphilosophien gegeneinander. Da gibt es das Streben nach Perfektion, Sicherheit und Zuverlässigkeit wie etwa in der neuen Goll-Orgel in der Erlanger Universitätskirche. Dem steht, wie beispielsweise bei der Woehl-Orgel in Burgfarrnbach, das Bemühen gegenüber, durch mehr Fantasie, Risikobereitschaft und Experimentierlust eine höhere klangliche Lebendigkeit zu erreichen.

Mehr als auf früheren Orgelfahrten widmete man sich der Frage, wie eine Orgel sich akustisch in den Kirchenraum einfügt. Die Sankt-Lorenz-Kirche in Nürnberg hat eine überaus komplizierte Architektur und sie besitzt drei grundverschiedene Orgeln. Dass man diese getrennt spielen und auch mit Hilfe moderner Technik untereinander kombinieren kann, ist (bei zusammen 165 Registern und über 12 000 Pfeifen) zwar eine gigantische Leistung, führt aber doch nicht zu einem rundum stimmigen Raumklang. Extremes Gegenbeispiel war ein exotisches Unikum: die so genannte Tanzania-Orgel in der Rothenburger Friedhofskapelle. Aufgrund einer Partnerschaft mit Tanzania steht dort als "Stimme Afrikas" eine ganz aus afrikanischem Holz gefertigte kleine Orgel, die mit zwei Manualen und 14 Registern den Raum in wunderbarer Weise füllt.

Eine Orgelfahrt lebt auch von den Persönlichkeiten der Pfarrer und Organisten. Auch hier gab es interessante Gegensätze. So erlebte man einen Pfarrer, der nicht aufhören wollte, seine Kirche zu erklären, bis er merkte, dass die Besucher eigentlich der Orgel wegen gekommen waren oder jenen, der in aller Bescheidenheit und Festigkeit über seine Altersgrenze hinaus so lange blieb, bis jetzt endlich die neue Pfeifenorgel steht. Organisten kennen verschiedene Methoden, um ihre Zuhörer zu erreichen. Der eine führt in grenzenlos bemühter akademischer Begeisterung die Besuchergruppe an die Grenze ihrer Erlebens- und Leidensfähigkeit. Andere sind vom Instrument wahrhaft beseelt und können genau dies vermitteln.

Es macht auch einen großen Unterschied, eine Orgel vorzuführen oder sie nachspürbar zu erklären. Dankbar war man für viele konzertante Darbietungen. Besonders nachhaltig beeindruckte die Teilnehmer aber, wie Konrad Klek an seiner Lieblingsorgel in Röthenbach und Ernst Leuze an den ihm unbekannten Instrumenten in Eckenhaid, Burgfarrnbach und Büchenbach in virtuoser Erläuterung der einzelnen Register und deren Kombinationen regelrecht aufblühten.

Zwei Programmpunkte verliehen der Reise besondere Glanzlichter. Zum einen war dies die Teilnahme am Orgelkonzert von Professor Dr. Konrad Klek zur Einweihung der neuen Goll-Orgel in der Universitätskirche Erlangen. Ganz besonders angesprochen fühlten sich viele von der Teilnahme am Sonntagsgottesdienst zum Erntedankfest in der Nürnberger Sankt-Lorenz-Kirche.