Lokales

Dreikönigliche Flöten- und Harfenklänge

LENNINGEN Das Konzert am Dreikönigstag in der Bruckener Kirche hieß das neue Jahr sternfunkelnd willkommen, wie in Mörikes Neujahrsgedicht besungen: "In ihm sei's begonnen, der Monde und Sonnen an blauen Gezelten bewegt". Die

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ERIKA HILLEGAART

Querflötistin Amanda Chominsky aus Australien und die Harfenistin Laima Bach aus Litauen sind ein harmonisches miteinander musizierendes Paar, das Duo Menulis. Sie sind seit einem Jahrzehnt im süddeutschen Raum gefragte Solistinnen. Zum wiederholten Mal gastieren sie in Brucken und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Harfe und Flöte gehören in die Zeit von Weihnacht bis zum Erscheinungsfest wie Krippe, Kerzen und Stern. Sphärisch schwingen die Saiten der Harfe, weckt die Flöte der Hirten Staunen und Eilen zum Stall. Heuer spielt das Duo Menulis an Epiphanias, dem letzten Abend der Feiertage, in der noch weihnachtlich geschmückten und mit Kerzen erleuchteten Bruckener Kirche barocke, romantische und moderne Literatur und fächert so die Klangweite dieser Musikinstrumente auf.

Mit ihrer Musizierlaune, Sensibilität und feinem Zusammenspiel erfreuen die jungen Künstlerinnen eine große aufmerksame Hörergemeinde. Sie eröffnen mit Werken von Carl Philipp Emanuel Bach, C. Ciardi, Ch. Willibald Gluck, Jean Lauber, Gabriel Faure, Frederik Chopin, Claude Debussy, und D. E. Inghelbrecht den Musikkalender 2007 im Lenninger Tal. Keiner der interpretierten Komponisten freilich gehört in diesem Jahr zu den gedenkwürdigen von Buxtehude, Elgar, Grieg, Haydn, Lully, Scarlatti und doch ist ihr Musizieren des Gedenkens würdig: Mit ihrem apart zusammengestellten Programm, gelungenen Transkriptionen und ihrem makellosen Spiel erschließen die Künstlerinnen einen geistigen Raum, wecken Bilder und Gedanken, die Selbstaufmerksamkeit ihrer Zuhörer. Sie spielen schön. Schönheit macht Sinn, bejaht Erinnerung und Träume. Hat nicht einst der Hirtenjunge David mit seinem Harfenspiel seinen König in seinen düstren Gedanken getröstet? Die Therapie kennt längst die heilenden Klänge von Pan und David.

Mit zwei Sätzen aus der G-Dur-Sonate von C. Ph. E. Bach zeigen Amanda Chominsky und Laima Bach das Leitmotiv dieser Konzertstunde: kantable Melodik und Figurationsreichtum verknüpfen sie mit galantem Stil und frischer Gestaltungskraft. Bei der Interpretation der französischen Komponisten, auch bei Chopin lassen sie volksliedhafte, tänzerische Elemente hören. Im Solo- und Zusammenspiel gelingen musikalische Skizzen: Etwa bei einem Impromptu von Gabriel Faure brilliert die Harfinistin Laima Bach mit einem Klanggefunkel und lässt die letzten Töne im Raum lange schwingen. Claude Debussys "Syrinx" spielt Amanda Chominksy mit einer Tenorquerflöte, um Pans Schmerz und Sehnsucht mit rauen Schilfrohrton zu treffen. Mit technischem Raffinement und Musikalität spielen sie schließlich " Il Pifferano" das Pfeifenspiel von C. Ciardi. Da fliegen die Töne wie Vögel in den Wind, da tanzen versunkene Zeiten durch den Raum, da sprühen Akkorde Lust und Leben.

Längst ist bei den aufmerksamen Hörern an diesem Erscheinungsfest "der Morgenstern aufgedrungen". Pfarrerin Margret Oberle wünscht mit Poesie und Prosa bei diesem Neujahrskonzert, "dass Erde und Himmel dir blühen". Man möge wie Momo in Michael Endes Erzählung nicht die endlos lange Straße der Zeit, sondern die nächsten Schritte sehen. "Mein sind die Jahre nicht", habe einst Andreas Gryphius gedichtet, sondern "der Augenblick ist mein".

Da erlöschen die ersten Kerzen in den Bankreihen, die Faure-Zugabe ist verklungen, auch der lange Beifall. Der Glanz der Musik begleitet die Gäste in die laue Nacht, in den Alltag des neuen Jahres.