Lokales

Dresden, Pillnitz und Elbsandstein-Gebirge

LENNINGEN Nach der langen Busfahrt gab es eine Stadtführung durch die Sachsen-Metropole, teils zu Fuß und mit Bus. Die Lenninger sahen Zwinger, Semperoper, katholische Hofkirche mit Schloss und die bald vollendete Frauenkirche. Natürlich durfte der stolze goldene Reiter August der Starke auf der Nordseite der Augustus-Brücke nicht fehlen. Das nette Sprüchlein aus der DDR-Zeit "Lieber August steig hernieder und regier uns Sachen wieder" kam den Reisenden dabei in den Sinn. Aber auch das Elbufer mit seiner charmanten Brühlschen Terrasse tauchte auf. Dann kam die Gegenwart: Unzählige ehemals "bessere Villen" stehen leer und zum Verkauf keiner will sie wegen der ungeklärten Rechtslage kaufen. Die Gruppe wunderte sich immer wieder, wie viel Grünanlagen die sächsische Hauptstadt auch heute noch hat. Trotzdem sind die Bombenschäden des verhängnisvollen 13. und 14. Februar 1945 zu sehen, und auch die Schäden der Hochwasserkatastrophe vom August 2002.

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Eng mit Dresden verbunden ist auch Schloss und Gartenanlage Pillnitz als Bleibe der Augustusfavoritin Gräfin Cosel, die ihm trotz seiner über 300 Nachkommen scheinbar ihre Gunst nie versagte. In Pillnitz besuchte die Gruppe auch nebenan die Staatliche Forschungsanlage für naturgetreuen Obstbau samt Resistenzfragen, wo Dr. Höfer als Abteil-Leiterin manch wertvolle Hinweise auf aktuelle Gegenwartsfragen an die Vereins-Experten Fritz Klein und Fritz Thumm erteilen konnte.


Dann stand die Dampfschifffahrt auf der Elbe auf dem Programm, die wegen Wassermangel nur bis Königstein erlaubt war. So fuhr man ab Pirna mit einem der gemütlichen Schrauben-Raddampfer, die nur 80 Zentimeter Tiefgang haben, vorbei am weithin bekannten Lilienstein als Kletterfelsen bis hin nach Königstein mit seiner "größten europäischen Bergfestung", die einmal zum Teil von Meißener Bischöfen zur Absicherung ihrer Kirchenrechte gegen das damalige Slawentum errichtet wurden, und später von den Sachsenfürsten gegen die tschechischen Könige voll ausgebaut wurden. Es war Staatsgefängnis und Schatzkammer zugleich, da August der Starke Johann Friedrich Bötther zum "Goldmachen" verurteilte, worauf im Lauf der Zeit das "weiße Gold", das Porzellan entstand.


Das wildromantische Elbsandsteingebirge zwingt jedem aufmerksamen Beobachter die Frage auf: Wie kann so etwas entstehen und wie viele Jahrtausende oder Jahrmillionen sind wohl erforderlich, um solche abstrakten Felsentürme zu schaffen? Wahrscheinlich schon vor oder während der Variskischen Faltung wurde das böhmische Massiv wie ein gewaltiger Unterkiefer in das damals noch von Meer überflutete heutige Sachsen hineingetrieben Urgesteinsfelsen aus Graniten und Gneisen der Sialrinde. Geheimnisvollerweise bildete sich an seiner Nördlichen Umrundung ein tiefer Meeresgraben, der im Lauf der Jahrmillionen mit Sand aus Quarzkörnern samt Lehm der umgebenden Flüsse gefüllt wurde und in der Kreidezeit gehoben wurde. Nach der Kreidezeit starben plötzlich alle Saurier aus, nur die gelbrote Schlamm-Masse blieb, die im Verlauf der Zeit teilweise bis zu 500 Meter gehoben wurde. Im Tertiär kam dann die Alpenaufwölbung, verbunden mit mächtigen Kontinentalverschiebungen, anschließend der Vulkanismus und das gehobene Felsenband zerbrach oder wurde in Teile zerrissen. Stehengeblieben sind die Sandsteintürme der Sächsischen Schweiz und in der Batei kann man einen Teil der Felsen überqueren. Nicht ohne Grund hat Karl Maria von Weber diese Landschaft zu seinem Freischütz animiert.


Zurück in Dresden stand ein Abend im Sophienkeller mit "Gräfin Cosel" noch an, ebenso eine Nachtfahrt durch das bezaubernde Dresden über die neue Carolabrücke mit glanzvollen Spiegelungen in der Elbe, ehe die Heimreise angetreten wurde.