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DRK will Rettungswache bei der Messe bauen

Nach einem von Turbulenzen geprägten Jahr will der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) nach vorne schauen, Veränderungen anpacken und Bewährtes ausbauen. Eine neue Rettungswache auf den Fildern soll entstehen, die Organisation umgekrempelt und das eigene Profil geschärft werden.

CLAUS HINTENNACH

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KREIS ESSLINGEN Beim DRK-Kreisverband wurde eine zufriedene Bilanz der Arbeit im vergangenen Jahr gezogen. Nicht zuletzt wegen der vielen Ehrenamtlichen sei es gelungen, den Menschen mit einem umfangreichen Angebot zu helfen. Zudem kam man auf einigen internen Baustellen voran. So sei beim nach fehlerhaften Abrechnungen in Schräglage gekommenen Pflegedienst nach dem Austausch der Führungsmannschaft wieder Ruhe eingekehrt.

"Es waren schwierige Zeiten", sagte der Vorsitzende des Kreisverbands, Wolfgang Rommel. Doch nun gebe es eine "stabile Entwicklung". In offenen Gesprächen sei das Verhalten zu den Kassen geklärt worden.

Allerdings sind die damaligen undurchsichtigen Finanzpraktiken Teile der ehemaligen Pflegedienstleitung müssen sich deshalb noch strafrechtlich verantworten auch Anlass, sich über die Führungsstruktur im Kreisverband Gedanken zu machen. Der im Frühsommer stattfindenden Hauptversammlung soll eine Satzungsänderung vorgeschlagen werden, nach der die jetzigen Geschäftsführer, Jörn Fries und Yvonne Glück, hauptamtlich in den Vorstand rücken. Der bisherige, ehrenamtliche Vorstand soll dann als Aufsichtsrat fungieren. "In der derzeitigen Form ist der Verband nicht zu führen", macht Rommel klar.

Erfolgreich war im vergangenen Jahr die Fusion der Rettungsdienste Esslingen und Nürtingen, die sich nun als eigenständige GmbH präsentieren. Trotz des Kostendrucks im Gesundheitswesen sei niemand gekündigt worden und werde weiter auf Tarif-Basis entlohnt, betonte Rommel. Und man habe durch die Zusammenlegung die Position gegenüber den Kassen, auch in puncto Wirtschaftlichkeit, gestärkt.

Mit freudiger Erwartung blickt man beim DRK zudem der Inbetriebnahme der neuen Leitstelle im noch im Bau befindlichen Feuerwehrmagazin Esslingen entgegen. Im Februar soll es einen ersten Testlauf geben, sagte Jörn Fries. Fries und Rommel formulierten zudem ein "Fernziel": den Bau einer neuen Rettungswache auf den Fildern. Denn dort funktioniere die Notarztversorgung nicht so, wie sie sollte, sagte Rommel. Ein in Auftrag gegebenes Gutachten habe einen "idealen Standort" ergeben: im Bereich Flughafen/Messe. Zwar erwartet Rommel noch "heiße Diskussionen", etwa wie die Notarzt-Koordination mit dem Krankenhaus Ruit, der Filderklinik und vielleicht auch dem Esslinger Klinikum organisiert werden könnte. Bis Jahresende soll das Konzept aber die DRK-Gremien passiert haben. Zwei Millionen Euro will das Rote Kreuz investieren. Klappt alles wie geplant, könnte das Gebäude Ende 2009 stehen.

Auch noch Zukunftsmusik: Das DRK will sich die Qualität seiner Arbeit in Rettungs- und Pflegedienst zertifizieren lassen. Konkret sind die Pläne, das Angebot der betreuten Reisen, das sich an behinderte Menschen richtet, auszubauen. Fries sieht hier einen "Wachstumsmarkt" und will künftig auch Tagesreisen anbieten. Erfreulich sei, dass die Zahl der nicht nur in diesem Bereich unverzichtbaren Ehrenamtlichen zuletzt wieder angestiegen ist.

Angebote und ZahlenDer DRK-Kreisverband bietet nicht nur Rettungsdienst, Krankentransporte und Erste-Hilfe-Ausbildungen an, auch betreute Reisen, ambulanter Pflegedienst, Blutspenden, Jugendrotkreuz, Essen auf Rädern, Fahr- und Betreuungsdienste, Notfallnachsorge oder die Bergwacht auf der Schwäbischen Alb gehören zum Leistungskatalog. 19 Ortsvereine und fünf Helfer-vor-Ort-Gruppen sind im Verband organisiert. Insgesamt etwa 31 000 Mal rückten im vergangenen Jahr DRK-Rettungs- und -Krankenwagen aus. Genau 1455 Mitglieder sind aktive Ehrenamtliche. 550 Nachwuchskräfte engagieren sich im Jugendrotkreuz.