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Dürftige Würdigung Leserbrief zum ...

Dürftige Würdigung

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Leserbrief zum Artikel: Joseph Haydns "Jahreszeiten" am Donnerstag 30. November

Schade! Einen so unqualifizierten Bericht und eine derart nichtssagende Kritik haben alle am Konzert in der Martinskirche Beteiligten nicht verdient, weder die unter der Leitung des Bezirkskantors Ralf Sach Musizierenden noch das Publikum. Im Hinblick auf das Werk mutet der Kritiker uns einige ziemlich unwesentliche Informationen vermutlich schnell aus einem Lexikon geholt zu. Substanzielles über das Werk selbst, seinen inhaltlichen, geistesgeschichtlichen Ort in der Zeit der Aufklärung, seinen inneren Duktus und seine Botschaft, den Jahreslauf als Sinnbild menschlichen Lebens zu begreifen, suchen wir vergeblich. Schlimmer noch: Kein Wort über die musikgeschichtliche Bedeutung der Oratorien von Joseph Haydn, über den inhaltlichen und musikalischen Zusammenhang der "Schöpfung" und der "Jahreszeiten".

Ebenso dürftig ist die Würdigung des Konzertabends selbst. Als hätten dabei drei Gruppen eben mal so ganz passabel nebeneinanderher musiziert: Ein ordentliches Orchester, "der gewohnt gut disponierte Chor" und drei Solisten, die man auch nicht vergessen sollte.

Nichts von der gerade bei Haydn so typischen musikalischen Korrespondenz dieser drei Gruppen, nichts wird vermittelt von der Spannung des Abends, von dem stimmlichen Glanz des Chores einer besonderen Frucht der Arbeit des jungen Kantors Ralf Sach. Und erst recht nichts von dem Funken der Begeisterung, der von Ausführenden auf das Publikum übersprang. Darum war die Reaktion der Zuhörenden auch begeistert mit stehenden Beifallskundgebungen, wie es sie in der Martinskirche bislang noch nicht gegeben hat. Aber vielleicht war der Kritiker da schon auf dem Heimweg.

Karl-Albrecht Schmauder

Eschenbach, Theodor-Engel-Straße Mitglied im Chor der Martinskirche

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